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Lebensgefahr an Löschwasserteichen?

Drei Kinder ertranken 2016 in einem Teich in Hessen. Das Unglück zieht Kreise - und stellt auch die Stadt Kamenz vor die Frage, wie die Gewässer sicherer werden sollen.

Wie gefährlich sind Löschwasserteiche? Nach einem schlimmen Unglücksfall in Hessen beschäftigt sich auch die Stadt Kamenz damit - und hat jetzt als Erstes die Situation am Mühlteich in Brauna im Blick.
Wie gefährlich sind Löschwasserteiche? Nach einem schlimmen Unglücksfall in Hessen beschäftigt sich auch die Stadt Kamenz damit - und hat jetzt als Erstes die Situation am Mühlteich in Brauna im Blick. © René Plaul

Kamenz. Es war ein furchtbares Unglück an einem Feuerlöschteich. Drei Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren ertranken 2016 beim Spielen in dem Örtchen Seigertshausen in Hessen. Das sorgte deutschlandweit für Betroffenheit. Die Folgen zogen daraufhin Kreise - die jetzt bis nach Kamenz reichen und möglicherweise noch mehr Kommunen treffen werden.

Dahinter steht die Kernfrage, ob Feuerlöschteiche ausreichend gesichert sind. Haftbar wäre letztlich immer das Gemeindeoberhaupt. Im Falle eines Falles stünde eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung im Raum. Eine beunruhigende Vorstellung.

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In Kamenz will die Stadtverwaltung jetzt vorsorgen. Im Fokus steht dabei fürs Erste der Braunaer Mühlteich. Dort sind die Gefahren aus Sicht der Stadt am größten. Der Teich sei bis zu 1,90 Meter tief, und es sei teilweise sehr schwierig, sich aus dem Wasser zu retten, insbesondere an der Ufermauer.

200 Meter Metallzaun

Der Vorschlag: Ein 200 Meter langer und 1,25 Meter hoher Metall-Zaun aus Stabmatten um den Teich soll Sicherheit bringen. Punktuell mit 15 Sträuchern wie Feuerdorn garniert, um den Anblick des nackten Metall-Zauns am Dorfplatz wenigstens etwas zu verschönern. Kostenpunkt: 18.000 Euro. Um auf Nummer sicher zu gehen, holte die Stadt sogar ein anwaltliches Gutachten ein.

Mit dem Vorschlag beschäftigte sich am Mittwoch der Stadtrat. Der hat zwar grundsätzlich Verständnis dafür, dass etwas für die Sicherheit zu tun ist. Doch die kostspieligen Details stießen auf viel Kritik. Denn Aufwand und Kosten seien letztlich immens und angesichts klammer Kassen das Geld bei anderen Vorhaben vielleicht dringlicher nötig. Ganz abgesehen vom ästhetischen Aspekt. Solche Zäune sind ja nicht unbedingt hübsch fürs Dorfbild.

Zudem könnte jetzt eine Kostenlawine auf viele Kommunen zurollen. Allein in Kamenz hat das Stadtentwicklungsamt zehn Löschteiche ausgemacht. Allesamt in Ortsteilen von Gelenau bis Cunnersdorf. Einige sind bereits umzäunt. Dennoch kämen nach vorliegenden Berechnungen insgesamt 150.000 Euro an Sicherungskosten auf die Stadt zu. Die Verwaltung will dazu später noch ein Paket von Vorschlägen zusammenstellen. Es solle über jeden Feuerlöschteich gesprochen werden.

Ist der Gutachter übervorsichtig?

Vorerst also über den in Brauna. In der Diskussion darüber fragen Stadträte, ob die Löschgewässer in Kamenz und Hessen überhaupt vergleichbar sind: „Wir können doch nicht deutschlandweit die Teiche einzäunen“, moniert André Maak (FDP). Vielleicht gebe es ja einfachere Lösungen, wie Geländer oder andere Ausstiegshilfen, regt er an, um der Sicherheit gerecht zu werden.

Das sieht die Linke ähnlich. Die Auslegung der Gutachter sei sehr ängstlich, findet Alex Theile. Außerdem sei der Unglücksteich in Hessen jahrelang zum Baden genutzt worden, der in Brauna nicht. Man schieße mit Kanonen auf Spatzen. Es müsse doch andere Lösungen geben, als Teiche hinter Zäunen abzusperren, so formuliert es Maik Weise (CDU). Cordula Gneuß (AfD), selbst aus Brauna, kritisiert, dass so ein Zaun den Ortskern kaputt machen würde. Gemeinsam mit den Bürgern sollten gestalterische Alternativen gesucht werden.

Die Teiche seien grundsätzlich vergleichbar, ist sich OB Roland Dantz (parteilos) sicher, dazu komme die Tiefe. Stadtentwicklungsdezernentin Katrin Andrews verweist auf die steile Mauer. Das Urteil im Falle des Unglücks in Hessen habe hohe Wellen geschlagen, so Dantz. Es fiel erst im Vorjahr. Laut Zeitungsberichten wurde der hessische Bürgermeister wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt.

Suche nach einem Kompromiss

Natürlich dürfe man nun aus Sorge nicht überziehen, so Dantz, könne aber auch nicht darauf vertrauen, dass schon nichts passieren werde, weil es bisher so war. Die Gefährdung sei da. Man könne die Gewässer auch komplett umgestalten, das würde aber noch teurer. Sandro Gebler (CDU), der Landschaftsgärtner unter den Stadträten, brachte in der Diskussion noch eine Lösung für den ästhetischen Aspekt ins Spiel: eine Kombination von schlichtem Maschendraht und Hainbuchen, sodass der Draht perspektivisch durch die Hecke unsichtbar werde. Die Idee fand letztlich noch Eingang in den Beschluss.

Sicherungsmaßnahmen seien notwendig, war sich eine große Mehrheit einig, und die Stadt habe die Pflicht dazu. Es sei aber zu prüfen, ob ein komplett massiver Zaun aus Stabmatten nötig oder Maschendraht als Rankhilfe für Heckenpflanzen teilweise möglich ist. Auch von Holzelementen als Begrenzung war die Rede.

Der Beschluss zu Brauna ist also gefasst. Die nächsten Teiche stehen schon in der Warteschleife.

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