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Starkes Team im Kampf gegen die Sucht

Die Mitarbeiter der „Radebeuler Sozialprojekte“ in Kamenz betreuen landkreisweit Familien mit Suchtproblemen. Die Tendenz ist steigend.

Kristin Hildebrand (r.) und Jennifer Pollack sind zwei von fünf Mitarbeitern der Kamenzer Außenstelle der Radebeuler Sozialprojekte. Die Büros befinden sich im Postgebäude. Im Januar kommen zwei neue Kollegen dazu.
Kristin Hildebrand (r.) und Jennifer Pollack sind zwei von fünf Mitarbeitern der Kamenzer Außenstelle der Radebeuler Sozialprojekte. Die Büros befinden sich im Postgebäude. Im Januar kommen zwei neue Kollegen dazu. © René Plaul

Kamenz. Es darf gelacht werden. Zwischendurch jedenfalls. Das ist wichtig, vor allem, wenn man von einem der aufreibenden Hausbesuche kommt. Kristin Hildebrand stellt den Kaffee auf den Schreibtisch. Kurzes Durchatmen. Kerzen leuchten aktuell im Advent im Büro, nebenan werkelt Kollegin Jennifer Pollack. Ein Schwatz, Smalltalk übers Wochenende. Dann geht es schon weiter.

Der Rest des Teams ist unterwegs. In den Wohnungen der Klienten. Alleinstehende, Großfamilien, Paare aus allen gesellschaftlichen Schichten sind das - meistens gibt es Kinder im Lebensverbund. Diese gilt es zu schützen. Denn ihre Mütter und Väter verbindet ein Problem: die Sucht. Drogen verschiedenster Art bestimmen ihr Leben. Nicht selten im Mischkonsum.

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Vieles haben die Frauen und Männer der Radebeuler Sozialprojekte schon gesehen. "Eigentlich gibt es nichts, was wir nicht kennen", sagt Kristin Hildebrand. Sie gehen dorthin, wo sich die kleinen und großen Alltagsdramen dieser Welt abspielen. Zweimal pro Woche in der Regel.

Meistens schon längere Drogenerfahrung

Wer auf ihrer Hausbesuchsliste steht, hat schon eine längere Drogenerfahrung hinter sich. Oder ist mittendrin. "Unsere Klienten finden nicht freiwillig zu uns, sondern werden von den Jugendämtern vermittelt", sagt Kristin Hildebrand. Und haben Auflagen. Meistens liege schon eine Gefährdungsmeldung vor. Oder gar ein Familiengerichtsbeschluss. "Glücklicherweise ist das Netzwerk groß", weiß die 44-Jährige. Oft kommen wertvolle Hinweise aus Kita, Schule, mitunter von Nachbarn.

Die Klienten der Radebeuler Sozialprojekte sind beispielweise Mütter, die in einem der landkreisweiten Krankenhäuser entbunden haben. Und deren Ärzte und Hebammen genauer hingeschaut haben. Im Erststuhl vom Kind (Mekonium) sind Rückstände von Drogen nachweisbar, sollte die Mutter in der Schwangerschaft solche konsumiert haben.

Die betroffenen Familien haben viele Probleme. Sie sind mit der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder überfordert, Gewalt spielt eine Rolle, auch Co-Abhängigkeiten. Und Überschuldung, die mit Mahnbescheiden und Gerichtsvollzieher einhergeht. Manchmal ist Mitte des Monats schon kein Geld mehr für Essen da, Stromrechnungen werden nicht bezahlt. Es gibt nicht selten Probleme mit Ämtern und Behörden, da keine Anträge gestellt und Fristen nicht eingehalten werden. Zum Teil äußern sich auch psychische Probleme in Kombination mit der Sucht. Oder es droht Wohnungslosigkeit. Mangelnde Ernährung und vermüllte Wohnungen sind keine Seltenheit.

Viele Anfragen aus den Jugendämtern

"Sucht ist immer ein Geheimnis", sagt Kristin Hildebrand, "die Betroffenen haben Angst vor Repressalien und reden sich ihr Leben lange schön, bis es der Gesellschaft auffällt!" Oder sie in Kontrollen geraten. Neben allen Arten von Drogen sei Alkohol immer noch ein großes Thema. Aber in der Oberlausitz vor allem auch Crystal, Speed, Ecstasy, Ketamine und Marihuana.

Die Radebeuler Sozialprojekte sind seit 20 Jahren in den Bereichen Jugend- und Familienhilfe, Sozialhilfe, Suchthilfe und Prävention am Standort Dresden sowie in den Landkreisen Meißen und Kamenz aktiv. In der Lessingstadt erst seit etwa einem Jahr. Im Postgebäude an der Mönchsmauer hat man ideal gelegene Räumlichkeiten gefunden.

Meistens ist das fünfköpfige Team unterwegs zu Hausbesuchen. Ab Januar kommen zwei weitere Kollegen dazu. Der Landkreis Bautzen mit dem Schwerpunkt Kamenz braucht Unterstützung. Hier in der Außenstelle geht es um Suchthilfe. "Es gibt in der Region einiges zu tun", meint Kristin Hildebrand. Das sei lange kein Geheimnis mehr. Anfragen kommen aus den Jugendämtern Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. "Und wir sind nicht der einzige suchtspezifisch arbeitende Träger für den Landkreis!"

Wöchentliche Drogentests

Vor drei Jahren zog Kristin Hildebrand selbst ins Haselbachtal, kennt die Region und ihre Menschen mittlerweile ganz gut. Sie und die Kolleginnen und Kollegen fahren zur ambulanten Betreuung von Königsbrück bis ins Rödertal, von Ottendorf-Okrilla bis Radeberg, von Bernsdorf bis Hoyerswerda. Jedes Teammitglied betreut an die fünf bis sechs Familien. "Wir schauen bei jedem neuen Fall erst einmal genau, wie wir helfen können, probieren aber viel in Richtung Familienhilfe. Dabei arbeiten wir abstinenzorientiert, führen auch wöchentliche Drogentests bei den Hausbesuchen durch. Wenn jemand weiterkonsumiert, funktioniert das alles nicht", so Kristin Hildebrand.

"Unseren Klienten fehlt nicht nur eine Tagesstruktur. Es fehlt viel mehr. Aber sie brauchen wieder eine Vision von ihrer Zukunft, eine Perspektive ohne Drogen. Im besten Fall bekommen wir das miteinander hin. Für ein Jahr sind wir an ihrer Seite", sagt Kristin Hildebrand. Corona habe den Druck und Ängste in den Familien verstärkt. "Viele waren froh, dass wir sie regelmäßig besucht haben. Es gab glücklicherweise keine Unterbrechung unserer Arbeit. Das wäre fatal gewesen."

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