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Kamenzer Gymnasium: Das wird aus der Erbschaft

Schon 2011 vermachte ein ehemaliger Schüler dem Lessinggymnasium 50.000 Euro. Lange war unklar, wofür das Geld ausgegeben wird. Jetzt gibt es eine Idee.

Helmut Münstermann freut sich, dass ein Erbe von 50.000 Euro im Kamenzer Lessinggymnasium investiert wird. Münstermann war Schulleiter, er gehört auch der Vereinigung ehemaliger Lessing-Schüler an, hier zeigt ein Infoblatt und die Vereinsmütze.
Helmut Münstermann freut sich, dass ein Erbe von 50.000 Euro im Kamenzer Lessinggymnasium investiert wird. Münstermann war Schulleiter, er gehört auch der Vereinigung ehemaliger Lessing-Schüler an, hier zeigt ein Infoblatt und die Vereinsmütze. © René Plaul

Kamenz. Einmal pro Woche schaut Helmut Münstermann an der Kamenzer Gymnasiums-Baustelle vorbei. Den ehemaligen Schulleiter des Lessingymnasiums interessiert natürlich der Fortschritt am Erweiterungsbau. „Es ist immer ein erhebendes Gefühl“, sagt der Kamenzer. Denn es war nicht immer klar, dass das Gymnasium aus dem derzeitigen Gebäude am Flugplatz wieder an seinen historischen Standort an der Henselstraße und damit ins Zentrum der Stadt zurückkehrt. Mit der Vereinigung ehemaliger Lessing-Schüler (VEL) hatte auch Helmut Münstermann dafür gekämpft und sogar über 4.500 Unterschriften gesammelt. Es war ein jahrelanges Ringen um den Standort. 

Und in den könne jetzt endlich auch ein Erbe von 50.000 Euro fließen, so Helmut Münstermann. Lange Zeit war das unsicher. Etliche Jahre liegt die stattliche Summe deshalb schon auf Eis. Denn das Erbe sei an bestimmte Bedingungen geknüpft, erklärt der ehemalige Schulleiter. 

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Das Geld stammt aus dem Nachlass von Joachim Richter, der Absolvent des Kamenzer Gymnasiums und  wie Münstermann auch Mitglied des Lessingschüler-Vereins war. Der frühere Unternehmer aus der Baubranche habe in einer Klausel „etwas bedacht, das wichtig war“, betont Helmut Münstermann. Wegen der lange Zeit ungewissen Zukunft des Standortes sei das von ihm sehr vorausschauend gewesen. Denn zwischenzeitlich war auch ein Umzug der 2. Oberschule in das Traditionsgebäude auf der Henselstraße im Gespräch.

Geld nur für den Traditionsstandort

Doch Richter legte testamentarisch fest: Er vererbe das Geld dem Gymnasium. Damit zeigte er seine Verbundenheit. Es soll aber "ausschließlich verwendet werden für die Erhaltung, Gestaltung und Einrichtung des Schulgebäudes an der Henselstraße“. So schrieb es Joachim Richter nieder, bevor er 2011 80-jährig starb. „In dieser Schule habe ich 1951 Abitur gemacht“, fügte er hinzu. Das Geld aus dem Nachlass sei also keinesfalls für das derzeitige Gymnasiums-Gebäude am Flugplatz bestimmt.

Joachim Richter hinterließ dem Kamenzer Gymnasium 50.000 Euro aus Verbundenheit mit seiner früheren Schule.
Joachim Richter hinterließ dem Kamenzer Gymnasium 50.000 Euro aus Verbundenheit mit seiner früheren Schule. © privat

Joachim Richter hatte die DDR Mitte des vorigen Jahrhunderts verlassen und war viel in Afrika unterwegs, erzählt Helmut Münstermann. In Ägypten und Nigeria habe er Infrastrukturprojekte begleitet. Und er sei einer von jenen gewesen, die aus der Ferne die Traditionen ehemaliger Lessingschüler hochhielten.

Denn die Vereinigung sei zu DDR-Zeiten verboten gewesen, lebte aber ab 1958 in Westdeutschland wieder auf. Der Zufall spielte damals mit: Vier ehemalige Pennäler trafen durch eine Zugverspätung in Düsseldorf aufeinander und ergriffen die Initiative. Joachim Richter sei in den 1960er-Jahren dazugestoßen.

Die Stadt Kamenz durften die Mitglieder zwar bis zur Wende nicht besuchen. Doch danach suchten sie schnell den Kontakt in die Stadt ihrer Schulzeit: „Es sind viele Freundschaften entstanden“, berichtet der frühere Schulleiter. So habe er auch Joachim Richter kennengelernt. Er habe ihn als sehr freundlichen und bescheidenen Mann in Erinnerung, mit einer Ader fürs Soziale und die Gemeinnützigkeit. Einer seiner ersten Besuche im Osten Deutschlands habe seiner früheren Schule gegolten, das zeige die enge Bindung.

Erbe bringt auch Probleme mit sich

Die Nachricht über das unverhoffte Erbe habe ihn trotzdem sehr überrascht, so Münstermann. Zu Lebzeiten habe Richter nichts davon verraten. Und wer rechne schon mit solch einer Summe? Auch dem heutigen Schulleiter Wolfgang Rafelt ging es nicht anders. 2011 stand er dem Gymnasium schon vor. Die Botschaft des Amtsgerichtes Neuss über das Erbe überbrachte er damals auch der Vereinigung ehemaliger Lessing-Schüler. 

Doch neben der Freude begannen auch sofort die Schwierigkeiten, erinnert sich Rafelt. Die erste Frage war: Wohin mit dem Geld? Der Verein habe es nicht übernehmen können, angesichts der hohen Summe hätte er die Gemeinnützigkeit verloren und Steuern zahlen müssen. Auch der Kreis habe die Hände gehoben, so Wolfgang Rafelt. So drohte das Geld verloren zu gehen: „Wir haben dann noch rechtzeitig eine Lösung gefunden und es geparkt.“ Es habe sogar – vor allem in den ersten Jahren – ein paar Zinsen gebracht, die in die Prämien für die 1,0-Abiturienten investiert wurden.

Kompliziert sei die Gemenge-Lage immer noch, damit das Geld nun endlich zum Landkreis als Schulträger kommt und investiert werden kann. Über die genauen Modalitäten werde momentan beraten. Möglicherweise müsse es noch einen Beschluss im Kreistag oder zumindest in einem Ausschuss dazu geben. 

Trinkbrunnen auf allen Etagen

Wie das Geld verwendet wird, bedarf der Zustimmung der Vereinigung der ehemaligen Lessingschüler. Dazu habe es mehrere Vorschläge geben, zum Beispiel Granitbänke für den Schulhof anzuschaffen oder Bleiglasfenster wie im Schulaltbau. Die Entscheidung sei letztlich zu Gunsten von Trinkbrunnen gefallen und werde auch von der VEL unterstützt. Die Brunnen sollen auf allen Etagen entstehen und aus hochwertigem, haltbaren Material gefertigt werden, um lange Jahre gute Dienste zu leisten. 

Er habe sich bereits umgeschaut, so Wolfgang Rafelt, und etwas aus Granit im Blick. Dafür müssten jetzt die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, denn der Bau am Schulcampus läuft. Es dränge die Zeit, schätzt der Schulleiter ein. „Es war und ist eine wunderbare Geschichte, und wir wünschen uns natürlich ein gutes Ende.“    

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