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Kamenz: Häkelstopp für den Hutbergschal

Eher als gedacht hat Kerstin Boden über 6.000 Wollquadrate für die Turmverhüllung zusammen. Mehr als 100 Menschen halfen dabei. Aber es gibt auch Kritik.

Kerstin Boden aus Kamenz hat eine Aktion gestartet, um den Hutbergturm in Kamenz in Wolle zu hüllen. So soll Geld für die benachbarte Pilgerherberge gesammelt werden. Inzwischen sind über 6.000 Häkelquadrate zusammengekommen.
Kerstin Boden aus Kamenz hat eine Aktion gestartet, um den Hutbergturm in Kamenz in Wolle zu hüllen. So soll Geld für die benachbarte Pilgerherberge gesammelt werden. Inzwischen sind über 6.000 Häkelquadrate zusammengekommen. © Archivfoto: René Plaul

Kamenz. Das ging aber schnell: Kerstin Boden aus Kamenz hat ihre 6.240 Häkel-Quadrate zusammen. Damit rückt ihr etwas verrücktes Projekt, den Kamenzer Lessingturm auf der Hutbergspitze komplett mit Wolle einzuhüllen, in greifbare Nähe. Kunterbunt soll dieser zumindest an einem Tag im Sommer aussehen.

Mithilfe von über 100 fleißigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus ganz Deutschland und dem Ausland ist die erforderliche Menge Häkel-Quadrate zusammengekommen. "Ein herzliches Dankeschön möchte ich an alle fleißigen Strickliesel und Wolle-Spender richten. Sie alle sind kaum zu bremsen bei der Umsetzung meiner Idee ", freut sich Kerstin Boden. Deswegen wird nun ein Häkelstopp verhängt.

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Über 100 Menschen häkelten mehr als 6.000 Quadrate für die zeitweise Verhüllung des Kamenzer Hutbergturmes. Die soll im Spätsommer stattfinden. Hier zu sehen ist die aus kleinen Wolle-Quadraten bestehende Fläche für eine der vier Seiten.
Über 100 Menschen häkelten mehr als 6.000 Quadrate für die zeitweise Verhüllung des Kamenzer Hutbergturmes. Die soll im Spätsommer stattfinden. Hier zu sehen ist die aus kleinen Wolle-Quadraten bestehende Fläche für eine der vier Seiten. © Privat: Boden

Ziel der Aktion "Komme was WOLLE" ist es bei aller gestalterischen Freude der Handarbeitsfans, auf das etwas marode Pilgerhäuschen neben dem Turm aufmerksam zu machen. Kamenz liegt am Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz nach Vacha in Thüringen. Eine wunderbare Chance, um die Stadt als liebevollen Gastgeber zu präsentieren, findet Kerstin Boden.

"Eine Herberge auf dem Berg mit Wohlfühlgarantie gehört dazu", sagt sie. Gegenwärtig fehlt es allerdings an einer Dusche. Und wer möchte schon ein Plumpsklo benutzen? Die Kosten für die notwendigen Arbeiten betragen 15.000 Euro. Geld, das nun durch die öffentlichkeitswirksame Aktion zusammen kommen soll.

Die Kamenzerin war jahrelang selbst auf verschiedenen Pilgerwegen unterwegs, schrieb ein Buch über ihre letzte große Reise auf dem Jakobsweg und ist in der Szene als "Glückpilgerin" bekannt, weil sie unterwegs Schornis - kleine Schornsteinfeger aus Plastik - verteilte.

Aus diesen Orten kommen die Beteiligten der Häkel-Aktion zur Verhüllung des Kamenzer Hutbergturmes.
Aus diesen Orten kommen die Beteiligten der Häkel-Aktion zur Verhüllung des Kamenzer Hutbergturmes. © Privat/Boden

In den nächsten Wochen werden die über 6.000 Wolle-Quadrate zu zwölf langen Bahnen zusammengehäkelt und an feste Bänder - gesponsert von der Firma Sachsen-Fahnen - genäht. "Jede Turmseite steht unter einem Motto. Die Ostseite wird eine Hommage an unser hübsches Städtchen und das nahende 800-jährige Stadtfest", so Kerstin Boden.

Jeweils an einem Tag im Jahr - bis zum Jubiläum 2025 - könnte die Verhüll-Aktion wiederholt werden. Auch ein Film soll als Werbung entstehen. Und vielleicht kann man einige der Bahnen zwischendurch im Rathaus-Foyer bewundern.

Alte Wollreste für Pullover nicht geeignet

"Dem Corona-Blues zum Trotz wurde stundenlang gehäkelt, gestrickt, geknüpft, sich gegenseitig motiviert. Alles entstand ausschließlich aus Wollresten – manche noch mit EVP-Preisen der DDR beschriftet", erzählt Kerstin Boden.

Auf eine Kritik reagiert sie gern: "Die Restwolle wurde gespendet, oder die Handarbeitsfrauen nutzten eigene Reste. Sie war oft uralt, einen solchen Pullover zieht keiner mehr gern an." SZ-Leserin Helga Schönherr aus Kamenz hatte angemerkt, dass man die Wolle sinnbringender hätte verwenden können. Zum Beispiel, um Kinder in armen Ländern etwas Gutes zu tun.

"Wenn Frau Schönherr eine Strickaktion organisiert, dann unterstützen wir sie natürlich sofort dabei", verspricht Kerstin Boden. Der neu gewonnene Schwung der Kreativen der Region könne gern dafür genutzt werden.

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