SZ + Kamenz
Merken

Durchbruch für Kamenzer Hallenbad-Pläne

Lange wurde über einen Neubau durch den Kreis diskutiert, doch es fehlte das Geld. In diesem Jahr nun die gute Nachricht: Es gibt einen Plan B. So soll es damit weitergehen.

Von Reiner Hanke
 4 Min.
Teilen
Folgen
Der verschlissene Schwimmhallenbau in Kamenz soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Lange war die Finanzierung unklar. Jetzt setzt OB Roland Dantz auf Geld aus dem Strukturwandel-Fördertopf.
Der verschlissene Schwimmhallenbau in Kamenz soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Lange war die Finanzierung unklar. Jetzt setzt OB Roland Dantz auf Geld aus dem Strukturwandel-Fördertopf. © Matthias Schumann

Kamenz. Das Kamenzer Hallenbad sorgte - im übertragenen Sinn - auch im Jahr 2021 für besonders viele Wellen. Zuletzt, als die Stadtverwaltung ein eigenes Konzept für den Neubau präsentierte und zur Finanzierung Fördermittel aus dem großen Fonds der Kohlemilliarden des Bundes beantragte. Immerhin geht es um 31,5 Millionen Euro Gesamtkosten. Die Stadt hofft im günstigsten Fall auf 90 Prozent Förderung.

Etwas Gegenwind kam zwar aus Kommunen im Kohlerevier, denen es vor allem um die Schaffung neuer Jobs in der Wirtschaft geht. Im Regionalen Begleitausschuss für die Kohleprojekte fand das Kamenzer Vorhaben jedoch bereits Zustimmung. Am Ende entscheidet aber der Bund über die Vorhabensliste aus der Region.

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) sagt, dass er bereits positive Signale bezüglich der Entscheidung des Bundes erhalten hat - erst einmal nur mündlich. Mitte Dezember sei von der sächsischen Agentur für Strukturentwicklung dann der positive Bescheid gekommen.

Wie der Plan B nun umgesetzt werden soll

Noch im Frühjahr standen die Chancen für das Bauprojekt nicht so rosig. Der Landkreis Bautzen als Eigentümer der maroden Anlage in Kamenz hatte sich zwar seit Längerem zu einem Neubau bekannt. Allerdings war die Finanzierung zu diesem Zeitpunkt nach wie vor völlig offen. Dann zog die Stadt Kamenz ihren Plan B aus dem Hut.

Der Stadtrat habe damit letztlich auf die Situation beim Landkreis reagiert, so wurde im Technischen Ausschuss des Kreistages der Kamenzer Vorschlag unterbreitet, erklärt OB Roland Dantz. Die Anregung zu dieser Variante sei letztlich auch von Landrat Michael Harig (CDU) gekommen.

Jetzt sei es die Aufgabe, gemeinsam Lösungen zu finden, um das Ganze in ein Vertragswerk zu gießen. Darüber müssten Kreistag und Stadtrat entscheiden. Es seien Bauvarianten zu diskutieren, und schon jetzt müsse an die Folgekosten gedacht werden, beschreibt Dantz, was als Nächstes ansteht.

Wie sich das Bad künftig von anderen abheben soll

Nach der Bewertung des Vorhabens durch den Bund sei alles Weitere unter Beteiligung des Kreistages und des Stadtrates Kamenz zu erörtern, heißt es auch vonseiten der Kreisverwaltung. Landrat Michael Harig (CDU)betont dabei: „Fest steht jedoch, dass die Stadt Kamenz Maßnahmeträger ist.“ Es werde Gespräche geben, bei denen es auch um die Übertragung der Immobilie an die Stadt Kamenz gehen werde.

Noch sei kein Planungsbüro beauftragt worden, sagt der OB. Fest stehe aber, dass ein Schwimmbecken mit sechs Bahnen entstehen soll und auch ein Außenbereich, vielleicht mit Sprudeln. Auch eine Rutsche ist im Gespräch. Eine Sauna soll es wieder geben - alles maßvoll und auf Kamenz und die nahe Umgebung zugeschnitten. Man müsse ja auch die späteren Betriebskosten im Blick behalten, sagt Dantz.

Bei anderen Badbetreibern gibt es mit Blick auf das Vorhaben in Kamenz durchaus Bedenken. Landrat Michael Harig setzt darauf, dass es bereits in der frühen Planungsphase Abstimmungen mit den anderen Bädern geben wird, um Angebotsüberschneidungen zu vermeiden.

Er verweist auf die unterschiedliche Ausrichtung im Angebot und die verschiedenen Besucherkreise der dann möglicherweise drei Freizeitbäder - neben Kamenz die Körse-Therme in Kirschau und das Lausitzbad in Hoyerswerda - in einem Landkreis mit 300.000 Einwohnern.

Wie das neue Bad heißen soll

Dass es in den Kohleregionen auch skeptisch gesehen wird, wenn ein solches Vorhaben aus dem Strukturwandel-Fördertopf finanziert wird, könne er nachvollziehen, sagt Harig. Es sei aber klar, dass die Kommunen auch weiche Standortfaktoren, wie die Kinderbetreuung oder Freizeiteinrichtungen, vorhalten sollen, damit sie als Wohnstandort zukunftsfähig sind. Dazu zähle auch das künftige Lessingbad.

Diesen Namen hatte der Kamenzer OB bereits ins Gespräch gebracht. Noch ist es aber wohl ein Arbeitstitel. Die Bürger sollen zu gegebener Zeit in die Namenssuche einbezogen werden.

Für Theo Schnappauf vom Ostsächsischen Schwimmsportverein Kamenz ist die überraschende Wendung in Sachen Kamenzer Hallenbad eine besonders gute Nachricht in diesem Jahr: „Ich habe sie mit großer Freude gelesen.“ Für die Vereinsschwimmer sei das Sportbecken mit sechs Bahnen wichtig, damit zum Beispiel auch einmal Landesmeisterschaften stattfinden können. Und mit den jetzigen Plänen erfülle sich der große Wunsch, dass auch die Familien angesprochen werden, dass es eine Anlage für alle Generationen vom Kleinkind bis zum Rentner wird.