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Kamenz: Ärger über Dynamo-Aufkleber

Unbekannte haben Straßenlaternen mit Symbolen des Fußballvereins regelrecht zugekleistert. Einwohner stören sich daran. So reagiert die Stadt.

Dynamo-Fans haben viele Straßenlaternen in der Kamenzer Altstadt mit Hunderten Aufklebern ihres Lieblingsclubs zugekleistert.
Dynamo-Fans haben viele Straßenlaternen in der Kamenzer Altstadt mit Hunderten Aufklebern ihres Lieblingsclubs zugekleistert. © Ina Förster

Kamenz. Der Dresdner Fußballclub Dynamo hat unzählige treue Fans. Mit seiner jüngsten Erfolgsserie und dem ersten Platz in der dritten Fußball-Bundesliga begeistert er aktuell noch mehr Menschen. Grund zur Freude also.

Doch der Fan-Kult treibt manchmal unschöne Blüten. In der Kamenzer Altstadt zum Beispiel gibt es stellenweise keine Straßenlaterne mehr, die nicht mit Dutzenden Aufklebern des Fußballvereines regelrecht zugekleistert ist. Wer sich die Mühe macht zu zählen, entdeckt allein an Bahnhof- und Haberkornstraße über 20 Lichtmasten, an denen pro Laterne bis zu 30 Aufkleber kleben.

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Auch SZ-Leser Manfred Delitzscher kann darüber nur den Kopf schütteln. "Als Einwohner der Stadt trifft man auf Schritt und Tritt auf Aufkleber mit diversen Aufdrucken der SG Dynamo Dresden. Mir stellt sich auch aufgrund der Vielzahl die Frage, wer sich das überhaupt leisten kann" sagt er. "Oder sind diese Aufkleber irgendwo gratis zu bekommen? Dann wundert es mich nicht, dass eine so enorme Anzahl das Stadtbild von Kamenz verschandelt", äußert er genervt.

Empfindliche Strafen drohen

Die Stadtverwaltung weiß von der Aufkleber-Schwemme. Und verurteilt sie. "Uns ist die Sache bekannt. Natürlich ist Dynamo Dresden eine Sport-Legende und hat mit Recht viele Fans, aber hier geht uns die Fan(un)kultur eindeutig zu weit", so Stadtsprecher Thomas Käppler. Denn die Vielzahl der Aufkleber verschandele fremdes Eigentum.

Den bislang unbekannten Tätern sei sicherlich nicht bewusst, welche Strafen drohen, sollte man sie auf frischer Tat ertappen. Oder sollte jemand Hinweise auf ihre Taten geben. "Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert", heißt es in Paragraf 303 des Strafgesetzbuches. Auch der Versuch dessen sei strafbar.

Keine einzige Straßenlaterne vor dem Kamenzer Bahnhof wurde verschont. Die äußerst massive Verschandelung mit Dynamo-Aufklebern regt viele Einwohner auf.
Keine einzige Straßenlaterne vor dem Kamenzer Bahnhof wurde verschont. Die äußerst massive Verschandelung mit Dynamo-Aufklebern regt viele Einwohner auf. © Ina Förster

In der Vergangenheit wurden schon öfter Aufkleber in der Kamenzer Innenstadt entfernt. "Solche Maßnahmen kosten aber schnell bis zu 2.000 Euro", weiß Thomas Käppler. Das heißt, die Entfernung der Aufkleber - ob nun mit Symbolen einer Fußballmannschaft oder anderer Coleur - verbraucht Geld, das viel sinnvoller an anderer Stelle eingesetzt werden könnte.

Die Stadt stellte in der Vergangenheit Strafanzeigen. Doch die haben noch nie zur Ermittlung eines Täters geführt. "Auch das ist zusätzlicher Arbeitsaufwand für alle - für Verwaltung, Polizei und letztendlich – auch wenn das Verfahren eingestellt wird, weil kein Täter zu ermitteln war – für die Justiz", so der Stadtsprecher.

Mehr Zivilcourage gefordert

"Vielleicht müssen wir alle selbst aufmerksamer sein? Und wenn wir sehen, dass so etwas passiert, dann entweder einschreiten - ohne natürlich Leib und Leben zu gefährden - oder wenigstens die Polizei informieren", sagt Thomas Käppler.

Um der Aufkleber-Schwemme Herr zu werden, wäre durchaus denkbar, dass auch Schülerinnen und Schüler in einer nächsten 48-Stunden-Aktion Hand anlegen beim Entfernen. Bis dahin ärgern sich viele Spaziergänger weiter.

"Vielleicht könnte man der SG Dynamo auch die Frage stellen, wer solche riesigen Mengen Aufkleber bestellt oder kürzlich bestellt hat", regt Manfred Delitzscher an. Die Täter zu ermitteln, dürfte sonst erneut schwierig werden.

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