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Kamenz: So geht es mit der neuen Notaufnahme weiter

Am Malteser-Krankenhaus wird bald gebaut, denn die Notfall-Aufnahme braucht mehr Platz. Was der Umbau kostet - und welche Vorteile er bringt.

Schauen sich an, wie die neue Notaufnahme am Kamenzer Krankenhaus aussehen soll: Dr. Rüdiger Soukup, Chefarzt der Inneren Abteilung, Oberarzt Dr. Tilo Driesnack, Leiter der Notaufnahme, Stellvertreterin Annett Rietzschel sowie Planer Thomas Gröber.
Schauen sich an, wie die neue Notaufnahme am Kamenzer Krankenhaus aussehen soll: Dr. Rüdiger Soukup, Chefarzt der Inneren Abteilung, Oberarzt Dr. Tilo Driesnack, Leiter der Notaufnahme, Stellvertreterin Annett Rietzschel sowie Planer Thomas Gröber. © Matthias Schumann

Kamenz. Schon wieder umrundet ein Rettungswagen mit dem nächsten Patienten das Kamenzer Malteser Krankenhaus. Einen Beinbruch hatte das Personal am Montagmorgen schon in der Notaufnahme, dazu Patienten mit Lungenentzündung und Blutvergiftung sowie mit diversen Verletzungen nach einem Treppensturz.

Weit über 40 sind es oft an einem Tag, über 16.000 waren es zum Beispiel im Jahr 2019. Die Notaufnahme braucht mehr Platz. Sie sei bisher ein Flaschenhals, an dem es sich staut, schätzt Dr. Rüdiger Soukup, Chefarzt der Inneren Abteilung, ein. Aber künftig sollen Patienten nicht mehr auf dem Gang ausharren müssen oder über lange Wartezeiten klagen.

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Der Umbau ist schon längere Zeit geplant. Jetzt ist auch das nötige Geld beisammen. Es wird ein Finanzierungsmix, an dem sich Bund, Land und die Malteser beteiligen. Den staatlichen Anteil von 3,8 Millionen Euro gab jetzt das sächsische Gesundheitsministerium frei.

Ministerin Petra Köpping (SPD) besuchte deshalb am Montag die Klinik und schätzte ein: Die Fördermittel seien hier gut und richtig angelegt, um die Notfall-Versorgung zu verbessern. Die Menschen jenseits der Großstädte hätten ebenso das Recht auf eine leistungsfähige medizinische Versorgung. Dazu gehöre eine „modernste Notfallversorgung“.

Umbau kostet mehr als fünf Millionen Euro

Um die zu schaffen, werden insgesamt 5,2 Millionen Euro für den Umbau veranschlagt. Im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen. Damit bekommt das Krankenhaus eine geschlossene Einfahrt für den Rettungsdienst mit überdachter Schleuse. Der Eingang zur Notaufnahme wird als Vorbau unweit des Haupteingangs auf der Vorderseite entstehen. Daher muss auch der Vorplatz neugestaltet werden.

Derzeit müssen die Rettungswagen zum Eingang auf der Rückseite des Krankenhauses. Für sie verkürzt sich künftig der Weg. Sie können dann in den neuen Vorbau einfahren, um die Patienten geschützt vor Wind und Wetter sicher ins Gebäude zu bringen. An diesem Vorbau wird die neue Notaufnahme zu erkennen sein. Es wird der sichtbare Teil.

So soll der Vorbau einmal aussehen, in den die Rettungswagen hineinfahren können, um die Patienten vor Wetter geschützt ins Krankenhaus zu bringen.
So soll der Vorbau einmal aussehen, in den die Rettungswagen hineinfahren können, um die Patienten vor Wetter geschützt ins Krankenhaus zu bringen. © Malteser-Krankenhaus

Doch die meisten Veränderungen wird es auf rund 900 Quadratmetern im bestehenden Erdgeschoss des Krankenhauses geben. Die Notfallaufnahme wird den kompletten Bereich der früheren Radiologie einnehmen, dazu ehemalige Büroräume der Inneren Abteilung, die leer gezogen wurden.

Mehr als doppelt soviel Platz für die Notfallambulanz

Für die Notfallambulanz werden die Räume komplett neu angeordnet, keine Wand bleibt, wo sie war. Die Fläche ist dann mehr als doppelt so groß wie bisher und zentral in der Klinik gelegen.

In das Konzept seien auch die Vorstellungen und Erfahrungen des Personals eingeflossen, erklärt Planer Thomas Gröbe. Durch die offene Gestaltung könne das medizinische Personal von einem zentralen Punkt aus alle Patienten im Blick behalten. Die neue Notfallaufnahme wird aber deutlich mehr Personal brauchen. Derzeit sind es 8,5 Stellen, künftig werden 14 angepeilt.

Denn statt der bisher fünf wird es künftig 13 Behandlungsplätze geben, neun in einem Pflegebereich und vier in einem sogenannten Holding-Raum mit neuem Konzept. Es sei ein Überwachungsbereich, so Dr. Soukup. Dort könne ein Patient beobachtet werden, wenn die Diagnose noch unklar ist: Um zu entscheiden, ob er aufgenommen wird oder wieder entlassen werden kann, um dann ambulant weiter versorgt zu werden. Oder um die Wartezeit zu überbrücken, bis ein Bett auf der Station frei wird. Gerade der Holding-Raum werde eine deutliche Qualitätssteigerung bringen.

Außerdem werde ein Reanimations- oder Schock-Raum für die Erstversorgung Schwerverletzter nach neuster Norm eingerichtet. Da sei um jeden Quadratzentimeter gerungen worden, weil „viel Medizintechnik in dem Raum unterzubringen ist“, erklärt Dr. Tilo Driesnack, Leiter der Notfallambulanz.

Neuer Aufzug führt künftig direkt zum OP

Neu wird auch ein separater Aufzug zum ersten Obergeschoss sein, sodass Patienten auf schnellstem Wege in den Operationssaal und zum Intensivbereich transportiert werden können. Künftig wird es auch zwei Isolierzimmer mit Schleuse zum Eingangsbereich geben – da sind Erfahrungswerte aus der Pandemie eingeflossen.

„Um schnell reagieren zu können, braucht es einen sehr guten Umgang mit Ressourcen, kurze Wege und kaum Wartezeiten. Das ist unsere Vorstellung von moderner Notfallmedizin“, sagt Dr. Driesnack. Dafür sollen künftig auch die Patientenströme schon an einem Empfangstresen gesteuert werden. Bisher, so Driesnack, fließe der Patientenstrom weitgehend ungefiltert.

Nach dem Umbau sollen Notfallaufnahme und Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ineinander greifen. Qualifizierte Mitarbeiter entscheiden dann, ob der Patient ein leichterer Fall für die Bereitschaftspraxis ist oder doch für die Notfallambulanz.

Etwa anderthalb Jahre Bauzeit sind eingeplant. 2023 soll die neue Notfallambulanz in Betrieb gehen. Im Gespräch sind schon weitere Investitionen, lässt Krankenhausgeschäftsführer Sven Heise durchblicken. Das Krankenhaus solle komplett digital werden.

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