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Kamenz: Ärger über falsche Impf-Versprechen

Wer einen Termin ergattert, bekommt auch mitgeteilt, was gespritzt wird. Doch vor Ort sieht es dann mitunter anders aus. Das sagen Sozialministerium und DRK dazu.

Nicht nur der Wirbel um den Impfstoff von Astrazeneca sorgt derzeit für Irritationen bei Impfwilligen, sondern auch die Information bei der Terminvereinbarung.
Nicht nur der Wirbel um den Impfstoff von Astrazeneca sorgt derzeit für Irritationen bei Impfwilligen, sondern auch die Information bei der Terminvereinbarung. © laif

Kamenz. Große Hoffnung und dann die Enttäuschung - so beschreibt Sächsische.de-Leser Mathias Bresk die Gefühlsachterbahn nach einem Besuch im Kamenzer Impfzentrum. Dort hatte seine Frau einen Termin ergattert: „Es wurde für beide Impftermine der Impfstoff von Biontech zugesagt“, schreibt Mathias Bresk.

Im Impfzentrum in der Sporthalle an der Macherstraße habe dann allerdings ein Mitarbeiter informiert, „dass man die Anweisung habe, Astrazeneca zu impfen“. Seine Frau, so Bresk, habe das auf Grund der bekannt gewordenen Zwischenfälle mit diesem Impfstoff abgelehnt und musste das Impfzentrum unverrichteter Dinge wieder verlassen.

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Für Bresk ist das ein Skandal. Das sei eine Art Überrumplungsstrategie, kritisiert er. Viele ältere und behinderte Menschen würden sich von ihren Kindern zum Impfzentrum fahren lassen. „Um eine nochmalige Anreise zu umgehen, nehmen sie dann auch Astrazeneca.“

Sozialministerium und DRK wollen besser aufklären

Sächsische.de konfrontierte das sächsische Sozialministerium mit dieser Kritik. „Es gibt keine freie Wahl des Impfstoffes“, antwortet Referentin Dr. Theresa Schmotz. So könne es aus logistischen Gründen immer wieder möglich sein, dass kurzfristig ein anderer Impfstoff angeboten wird, als im Buchungsportal angezeigt.

Auch Dr. David Bannert, Mediziner aus Bischheim, der derzeit auch im Impfzentrum tätig ist, hatte im Gespräch mit Sächsische.de die unbefriedigende Situation beschrieben. Er könne den Frust der Betroffenen verstehen, so Bannert. Er forderte daher deutlich mehr Transparenz und eine bessere Information in der Impfkampagne.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist nachvollziehbar und verständlich, räumt Theresa Schmotz ein. Dr. Kai Kranich, Pressesprecher beim DRK Sachsen, das die Impfzentren im Freistaat betreibt, findet es sehr bedauerlich, dass die Mitarbeiter vor Ort Prellbock für den Unmut sind, denn sie könnten nichts dafür. Ministerium und DRK versprechen nun: Es soll mehr Wert auf Aufklärung und Beratung gelegt werden.

Ankündigung ist keine Impfstoff-Garantie

Aber warum wird im Vorfeld überhaupt ein Impfstoff mitgeteilt, wenn nicht klar ist, ob er dann tatsächlich auch zur Verfügung steht? Ministerium und DRK erklären dazu: Der Computer prüfe in einer Vorauswahl die Verfügbarkeit des möglichen Impfstoffes, was den Betroffenen dann auch mitgeteilt werde. Es diene der Vorbereitung des Impftermins, damit sich die Impfwilligen schon in den Aufklärungsbogen einlesen und das Blatt ausfüllen können.

Das Ministerium wird dabei nicht müde zu betonen, dass es keine freie Impfstoffwahl gibt. Die im Buchungsprozess angezeigte Vorauswahl bedeute „in keinem Fall eine verbindliche Impfstoff-Garantie“. Das Ministerium schiebt zugleich Verantwortung in Richtung der Impfärzte. Welcher Impfstoff für die jeweilige Erstimpfung zum Einsatz kommt, entscheide der Arzt nach der Tauglichkeitsuntersuchung.

Das sächsische Gesundheitsministerium rechnet auch in den kommenden Wochen noch mit Engpässen bei den Corona-Impfstoffen.
Das sächsische Gesundheitsministerium rechnet auch in den kommenden Wochen noch mit Engpässen bei den Corona-Impfstoffen. © Matthias Schumann

Das stimmt grundsätzlich, sagt Dr. Bannert. Aber der Arzt habe ja derzeit gar keine Alternative, wenn nur ein Impfstoff vorrätig ist. Er könnte den Impfwilligen nur wegschicken, wenn es tatsächlich eine gesundheitliche Indikation gebe, die gegen einen bestimmten Impfstoff sprechen würde. Das sei aber aus rein medizinischer Sicht selten der Fall und kläre auch das Grundproblem nicht: das Versprechen in den Schreiben und die damit verbundene Irritation, wenn es dann doch ein anderer Impfstoff ist.

Nach der anhaltenden Kritik kündigte das DRK jetzt an, die „Schreiben in den Formulierungen nachzubessern“. Es handele sich um einen Impfstoffvorschlag, so DRK-Sprecher Kranich. Und: Die Impfkandidaten sollten immer beide Formulare ausfüllen.

Hausarzt-Praxen bekommen zunächst Biontech

Mathias Bresk ist sich unterdessen sicher, der Ruf des Impfstoffs von Astrazeneca sei so beschädigt, dass viele Menschen kein Vertrauen mehr hätten. Ministerium und DRK wollen nun durch „vermehrte Aufklärung und Beratung im Arztgespräch“ versuchen, die Zurückhaltung gegenüber dem Impfstoff aufzulösen. Wie groß die Ablehnung ist, lasse sich nur schwer ermitteln, das DRK schätzt zwischen zehn und 20 Prozent.

Das Vakzin sei "nicht grundsätzlich gefährlich, sondern ein wirksamer Impfstoff, der sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützt“, betont Ministeriums-Referentin Theresa Schmotz: „Gleichzeitig nehmen wir gemeldete Nebenwirkungen natürlich sehr ernst, die es aber auch bei anderen Impfstoffen schon gab.“

Das Ministerium setze unterdessen große Erwartungen in die nach Ostern beginnende Impfung durch die Hausärzte: „Dort kann am besten ausführlich beraten werden.“ In den ersten beiden Wochen soll an die Praxen zunächst Biontech geliefert werden, so Theresa Schmotz. Insofern sei der Impfstart bei den Ärzten durch die Situation mit dem Impfstoff von Astrazeneca nicht gefährdet.

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