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Polizei löst Kinderfest in Kamenz auf

Der Kinderschutzbund wollte fleißigen Bastlern ein Dankeschön sagen, musste die Veranstaltung aber abbrechen. Nun droht der Vorsitzenden ein Verfahren.

Mit Geschenken und einem kleinen Fest im Freien wollte sich der Kinderschutzbund in Kamenz bei Mädchen und Jungen für das Schmücken von Weihnachtsbäumen bedanken. Doch die Polizei löste die Veranstaltung auf.
Mit Geschenken und einem kleinen Fest im Freien wollte sich der Kinderschutzbund in Kamenz bei Mädchen und Jungen für das Schmücken von Weihnachtsbäumen bedanken. Doch die Polizei löste die Veranstaltung auf. © Symbolfoto: dpa

Kamenz. Für eine weihnachtliche Überraschung schien der Zeitpunkt am 22. Dezember perfekt. Die sollte es für etwa 30 Kinder im ehemaligen Kamenzer Stadtbad geben. So hatte es der Kinderschutzbund geplant, berichtet die Kamenzer Vorsitzende Marita Lehmann. Doch Polizei und Ordnungsamt rückten an, um die Kinderaktion zu unterbinden. Marita Lehmann ist noch immer aufgebracht.

Doch warum überhaupt die Einladung zu der Aktion? In diesem Jahr zieht sich ein Parcours von Weihnachtsbäumen durch die Kamenzer Innenstadt. Um beim Schmücken zu helfen, startete der Kinderschutzbund Anfang Dezember einen Aufruf an Kamenzer Mädchen und Jungen. Der schlug ein. Etliche Kinder bastelten fleißig und halfen mit, den Bäumchen und somit der Stadt trotz Corona-Einschränkungen weihnachtlichen Glanz zu verleihen.

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Punsch und Zuckerwatte besorgt

Bei ihnen wollte sich der Kinderschutzbund bedanken. Parallel hatte eine große Handelskette angefragt, ob es eine Möglichkeit gebe, über den Verband Kamenzer Kindern eine weihnachtliche Freude zu bereiten. Das habe gut zusammengepasst. Der Händler „stellte kleine Geschenke zur Verfügung“, berichtet Marita Lehmann und bedankt sich herzlich dafür. Diese sollten an dem Nachmittag verteilt werden. „Wir hatten auch Kinderpunsch gekocht und Zuckerwatte vorbereitet.“ Gut 20 Mädchen und Jungen sowie einige Eltern seien der Einladung ins ehemalige Stadtbad gefolgt.

Die Stimmung war gut, bis Ordnungsbehörde und Polizei anrückten. Letztere sei von einem Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes informiert worden, teilt die Polizeidirektion in Görlitz mit. Es hatte wohl auch Hinweise von Bürgern gegeben, erfuhr der Kinderschutzbund. Marita Lehmann: „Der Vorwurf war, dass die Dankeschön-Aktion nicht als Veranstaltung angemeldet gewesen sei. Von einer verbotenen Menschen-Anhäufung war die Rede und von Hygienevorschriften.“ Die habe man aber eingehalten – sowohl beim Abstand als auch beim Mund-Nasen-Schutz.

Ordnungsverfahren eingeleitet

Der Charakter dieser Veranstaltung habe für die Öffentlichkeit zum Verweilen eingeladen, schildert die Polizei ihre Einschätzung. Etwa 30 Personen seien gezählt worden. Auch Musik habe die Veranstaltung begleitet. Ein Weihnachtsmann verteilte „gesponserte Geschenke an die Kinder“, so Polizeisprecherin Franziska Schulenburg.

Die Familien hätten sich in Gruppen von bis zu zwei Hausständen aufgehalten und überwiegend Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Die Polizei schreibt vom „augenscheinlichen Veranstaltungscharakter“. Das habe den Verdacht erhärtet, das die Aktion gegen die Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates verstoße. Dabei geht es um die „verbotswidrige Durchführung einer Veranstaltung“. Der Vereinsvorsitzenden sei der Tatvorwurf eröffnet worden. Ihr drohe nun ein Ordnungswidrigkeitensverfahren.

Marita Lehmann: „Es ging um eine kleine Aktion, für die wir eine gute Stunde geplant hatten - auf einem großen freien Gelände. In den Lebensmittelmärkten drängen sich die Menschen, das ist nicht nachvollziehbar“ Die Polizei stellt ihrerseits klar: Ziel der geltenden sächsischen Corona-Schutzverordnung sei es, Kontakte auf das absolute Minimum zu reduzieren. Die Verordnung lasse keinen Ermessensspielraum zu. „Auch wenn es sich um eine schöne Geste zur Freude der Kinder handelte, verstößt es gegen die aktuell geltenden Regeln“, so die Sprecherin. Die Gesundheit aller stehe im Vordergrund: „Die sofortige Beendigung der Veranstaltung war somit zwingend geboten.“

Geschenke noch schnell ausgegeben

Sie habe die Aktion beendet, so Marita Lehmann. Die Geschenke seien in aller Eile noch am Tor zum ehemaligen Stadtbad ausgegeben worden. Alles sei friedlich verlaufen. Das bestätigt die Polizei. Der Kamenzer Oberbürgermeister Rolands Dantz will sich erst ein genaues Bild von den Vorgängen an jenem Nachmittag machen, bevor die Ereignisse gewertet werden können. Das sei erst Anfang des neuen Jahres möglich, heißt es aus dem Rathaus.

Beim Kinderschutzbund bleibt Unverständnis. „Es sollte eine kleine Anerkennung für die fleißigen Schmuckbastler sein und in diesen düsteren Corona-Zeiten ein Lichtblick. „Was geblieben ist, das ist Frust. Die Kinder waren traurig, die Eltern empört über diesen Ausgang der Aktion. Wir waren im Verein richtig am Boden, aber die Eltern haben uns Mut gemacht“, sagt Marita Lehmann. Für sie bleibt der Polizeieinsatz auch unter Corona-Bedingungen unangemessen. So werde Kindern eine kleine Freude verdorben. Es brauche gerade in diesen Zeiten auch etwas Augenmaß der Verantwortlichen beim Durchsetzen von Verordnungen. Das habe hier gefehlt.

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