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Kamenz klebt ab

Eine Flut von Dynamo-Aufklebern überschwemmt seit Wochen die Stadt. Dagegen wird jetzt etwas unternommen.

Heiko Dietrich ist der neue Leiter des Kamenzer Ordnungsamtes. Ihn beschäftigt derzeit auch eine Flut von Aufklebern, die das Stadtbild verschandeln.
Heiko Dietrich ist der neue Leiter des Kamenzer Ordnungsamtes. Ihn beschäftigt derzeit auch eine Flut von Aufklebern, die das Stadtbild verschandeln. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Fans sind eine Macht. Doch in Kamenz macht es der Ordnungsbehörde Sorgen, was einige Dynamo-Dresden-Fans mit der Stadt machen. Eine Flut von Dynamo-Aufklebern überschwemmt derzeit Lampenmasten, Strom- und Telekomkästen - vor allem in der Kernstadt. Auch Schaufenster sind vor ihnen nicht sicher.

Es ist wie eine Seuche, die das Stadtbild verschandelt. Die begann so massiv mit der anderen Seuche, mit Corona, und hält nach wie vor an, schätzt Katrin Andrews ein, Dezernentin für Stadtentwicklung. Die sinnlose Kleberei sei nicht nur Sachbeschädigung, sondern im Zweifelsfall sogar eine Gefährdung des Straßenverkehrs. Wenn Verkehrsschilder so beklebt sind, dass sie nicht mehr genau erkennbar sind, könne das ernste Folgen haben.

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Dazu kommen die unzähligen Schmierereien. Das alles nervt nicht nur in der Stadtverwaltung, sondern auch viele Bürger. Die haben sich nun zusammengetan und nennen ihre Initiative „Kamenz klebt ab“.

Aufkleberflut ist im Rathaus jetzt Chefsache

Einige schöne Abklebe-Beispiele lassen sich schon online begutachten. Da stehen Frauen auf der Leiter und befreien ein Schaufenster von der klebrigen Flut. Eine Familie dokumentierte ihren Spaziergang mit den Kindern, wobei gleich ein Teil der Haberkornstraße und der Haydnstraße abgeklebt wurde.

Im Kamenzer Rathaus hat der neue Leiter des Ressorts Ordnung und Sicherheit, Heiko Dietrich, die Aufkleberflut zur Chefsache gemacht - und sich jetzt mit der Initiative zusammengesetzt. Schließlich sei solches Engagement keine Selbstverständlichkeit.

„Während sich viele Kamenzer Bürgerinnen und Bürger und unsere kommunalen Dienste um eine saubere und attraktive Stadt bemühen, verunstaltet der Aufkleber-Wahnsinn vor allem im Straßenraum und an öffentlichen Plätzen massiv unser Stadtbild“, schreibt die Bürgerinitiative. Sie will auch andere ermuntern: „Bis du auch genervt? Dann tue selbst etwas dagegen und mach mit bei der Aktion ,Kamenz klebt ab!‘.“

Bürger sollen die Augen offenhalten

Zivilcourage für eine saubere Stadt, die werde jetzt gebraucht. Das sieht man auch im Rathaus so. "Niemand hat das Recht, Dinge zu verunstalten", sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos).

Die Stadt legt den Bürgern ans Herz, die Augen offen zu halten und die Verwaltung und die Polizei zu verständigen. Um vielleicht endlich mal Täter zu erwischen. Auch die Stadt prüfe Strafanzeigen, und Heiko Dietrich will die Polizei sowieso mit ins Boot holen.

So gebe es Auffälligkeiten. Teilweise seien es Aufkleber, bei denen der Bezug zu einer Kamenzer Szene nahezuliegen scheint. Oder Bildchen, die zwar in Kamenz verbreitet sind, aber nicht im Dresdner Dynamo-Umfeld zu finden seien, hat die Dezernentin festgestellt. Beispielsweise grassiere in Kamenz ein ganz bestimmter Dynamo-Aufkleber. Vielleicht sei der Täterkreis aber auch außerhalb von Kamenz zu suchen und hier auf der Durchreise, spekuliert Heiko Dietrich.

Ex-Polizist sorgt jetzt in der Stadt für Ordnung

Der 53-jährige Radebeuler hat selbst an der Polizeihochschule in Rothenburg studiert und Polizei-Erfahrung gesammelt, bevor er in die kommunale Verwaltung wechselte. Als Leiter des Sachgebiets Ordnung und Sicherheit in Kamenz freue er sich über ein neues interessantes Aufgabenfeld. Mit der Bürgerinitiative habe es jetzt einen ersten Termin gegeben, um das Abkleben ein bisschen zu koordinieren. „Wir haben Ideen gesammelt, was machbar ist“, sagt Dietrich.

Dabei solle das „Abkleben“ möglichst sensibel passieren, um keinen neuen Ärger heraufzubeschwören. Denn beim Schaben mit Kratzern könnten Spuren auf Oberflächen zurückbleiben. Die Stadt orientiere daher auf ein geeignetes Lösungsmittel und will das unbürokratisch samt Gummihandschuhen zur Verfügung stellen. Der Kamenzer OB könnte sich auch gut vorstellen, den Frühjahrsputz zur Abklebe-Aktion zu erweitern.

Mit kreativen Ideen gegen unschöne Graffiti

Bei den Graffiti ist dagegen nicht das Entfernen das Ziel. Es sei teuer, und die Stadt stehe kurze Zeit später wieder vor dem selben Dilemma, schätzt Dietrich ein. Der Gedanke sei, bestimmte dauerbeschmierte Objekte zu verkleiden und zu gestalten. Dabei setzt der Amtsleiter auf ein Prinzip bei den Sprayern: Dass nichts besprüht werde, was bereits besprüht ist. Heiko Dietrich sieht darin eine Art Pilotprojekt, das auch von anderen Kommunen nachgenutzt werden könnte.

Zu den Initiatoren von „Kamenz klebt ab“ gehört Fotografin Anne Hasselbach. Sie brachte das Thema jetzt auch in den Kamenzer Kunstverein Metamorphose ein. Dort gebe es schon ein paar kreative Gestaltungsideen, sagt sie. Den Schmierfinken keine Fläche zu bieten und noch einen Mehrwert für die Kamenzer zu erzeugen – das wäre es. Das habe ja auch etwas mit Verwandlung, also mit Metamorphose, zu tun.

Für den OB ist es kaum zu glauben, dass es nun schon nötig sein soll, Schaltschränke einzuhausen, um solchen Klebe-und Schmierorgien beizukommen. „Wir brauchen die Botschaft: ,Du sollst nicht das Eigentum anderer bekleben‘“, fordert er.

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