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Klinik-Verkauf ist vom Tisch

Die Malteser wollten sich von ihren Krankenhäusern in Kamenz und Görlitz trennen. Das sorgte bei Personal und Patienten für Verunsicherung. Nun gibt es eine klare Ansage.

Das Kamenzer Krankenhaus St. Johannes bleibt - wie auch das St. Carolus in Görlitz - unter dem Dach der Malteser. Geschäftsführer Sven Heise ist froh über diese Lösung.
Das Kamenzer Krankenhaus St. Johannes bleibt - wie auch das St. Carolus in Görlitz - unter dem Dach der Malteser. Geschäftsführer Sven Heise ist froh über diese Lösung. © SZ/Reiner Hanke

Kamenz/Görlitz. Vor fast genau einem Jahr wurden die Kamenzer Krankenhaus-Mitarbeiter von der Nachricht kalt erwischt: Die Malteser wollten das Krankenhaus St. Johannes verkaufen und mit der hiesigen Klinik noch fünf weitere Einrichtungen, darunter auch das Görlitzer Krankenhaus St. Carolus. Ein Jahr später ist der Plan offenbar vom Tisch.

Schon im Sommer hatte Krankenhaus-Geschäftsführer Sven Heise angedeutet, dass sich viele Mitarbeiter wünschten, die Kamenzer Klinik bliebe in der Trägerschaft der Malteser. Das Krankenhaus sei in Kamenz gut aufgestellt und „kommt als Klinik allein gut zurecht“. Trotz der unsicheren Lage seien die Mitarbeiter hoch motiviert und kämpften für ihr Haus, so Heise.

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Das war auch die Strategie des Geschäftsführers. „Es ist die gemeinsame Intention, für jedes Haus die beste Lösung zu finden.“ Auf Nachfrage von Sächsische.de sagt Sven Heise jetzt: „Für die beiden Standorte in Kamenz und Görlitz haben wir nun den Verkaufsprozess gestoppt.“ 

Gute Botschaft fürs Klinikpersonal

Die Klinikmannschaft sei sehr erleichtert angesichts dieser Entscheidung und auch froh über Ausbaupläne durch die Malteser. Für sie „ist das sicherlich eine gute Botschaft“, so Heise. „Allerdings ist auch allen klar, dass sich die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen nicht grundlegend verbessert haben und wir weiterhin alles geben müssen, um in einem schwierigen Umfeld zu bestehen.“

Das Krankenhaus St. Johannes in Kamenz hat knapp 330 Beschäftigte und durchschnittlich 23.000 Patienten im Jahr. Mit dem angeschlossenen Ärztehaus, dem im letzten Jahr gegründeten Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und der in diesem Jahr eröffneten Geriatrie sei bereits ein gut ausgebautes Profil vorhanden, schätzt der Chef ein: „Hier werden wir ebenfalls in die Weiterentwicklung der Schwerpunkte und die ambulant-stationäre Versorgung investieren.“ Dabei gehe es insbesondere um die Notfallmedizin. So ist geplant, eine neue Notfallaufnahme zu bauen. Zu den Schwerpunkten gehören die Chirurgie, die Geriatrie ebenso wie die Innere Abteilung und die Geburtshilfe.

Heise: Stopp des Verkaufs ist die beste Lösung

Um das zu erreichen, habe es in den vergangenen Monaten einen engen Austausch mit dem Träger des Kamenzer Krankenhauses, der Malteser Deutschland gGmbH in Köln, gegeben. Den Verkauf zu stoppen, sei in der jetzigen Situation die beste Lösung gewesen, schätzt Sven Heise ein: „Damit beenden wir die latente Unsicherheit für unsere Mitarbeiter, unsere Patienten, unsere Kooperationspartner, die Politik und die Kostenträger.“

Die beiden Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz hätten sich in der Corona-Krise bewährt und in Ostsachsen außerhalb Dresdens die Hauptlast der ersten Corona-Welle getragen, sagt Heise. Trotz der Verkaufsverhandlungen seien alle Patienten uneingeschränkt versorgt und der Betrieb durch die Klinikmannschaften in hoher Qualität aufrecht erhalten worden. 

Görlitz als Klinik für demente Patienten ausbauen

Um sicherzustellen, dass die beiden Häuser und die Mitarbeiter in eine gute Zukunft geführt werden können, soll das Profil des Akutkrankenhauses in Görlitz weiter ausgebaut und in beide Standorte investiert werden, betont der Geschäftsführer. Die Priorität liege in Görlitz darauf, den großen Erfahrungsschatz und die Kompetenz der Klinik in der Versorgung dementer Patienten weiter auszubauen. Ziel sei ein Zertifikat als „Demenzsensibles Krankenhaus“. Das wäre einzigartig in Deutschland.

Vor einem Jahr hieß es, der Verkauf sei alternativlos für die Malteser. In der Malteser-Zentrale wurden insbesondere finanzielle Gründe für die Verkaufsabsichten angeführt. Gerade für kleinere Klinikbetreiber werde es immer schwieriger, kostendeckend zu arbeiten. Die Kostensteigerungen könnten nicht mehr abgedeckt werden. Nun die Rolle rückwärts? 

An den Gründen habe sich nichts geändert, erklärt Sven Heise. Die stationäre Krankenversorgung basiere auf Vergütungen, die die Kostensteigerungen nur teilweise abdecken würden. Außerdem sei die öffentliche Förderung erforderlicher Investitionen unzureichend. Dies mache es eben gerade für Betreiber einzelner Krankenhäuser schwierig, einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten. 

Kamenz hat ein stabiles Einzugsgebiet

„In den etablierten Strukturen und mit der finanziellen Ausstattung können die Malteser daher nicht an allen Standorten eine hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung nachhaltig sicherstellen“, so Heise. In Kamenz sei die Situation etwas anders. Es gebe ein sehr stabiles Einzugsgebiet und eine hohe Verbundenheit in der Bevölkerung mit der Klinik. Außerdem habe die Klinik sehr effiziente Strukturen.

Nicht zu vergessen das Personal, für das vom Geschäftsführer viel Lob kommt. Weil sich die Mannschaft „nicht  habe verunsichern lassen“. Trotz schwieriger Monate habe sich das Klinikpersonal „mit voller Kraft auf die Patienten konzentriert. Das verdient Hochachtung“, so Sven Heise. Unsicherheit entstehe im Übrigen vor allem immer dann im Gesundheitswesen, wenn im fernen Berlin über den Abbau von Krankenhausbetten und Strukturbereinigung gesprochen werde, statt Perspektiven aufzuzeigen, stellt der Klinikchef kritisch fest.

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