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Kamenz: AfD und Linke in der Altstadt - es blieb friedlich

Alexander Gauland sprach in Kamenz vor etwa 250 Menschen. Gegendemonstranten reagierten mit Sprechchören und Trillerpfeifen.

Die AfD hatte zur Kundgebung nach Kamenz eingeladen. Zu den Rednern gehörte Bundespolitiker Alexander Gauland.
Die AfD hatte zur Kundgebung nach Kamenz eingeladen. Zu den Rednern gehörte Bundespolitiker Alexander Gauland. © Matthias Schumann

Kamenz. Mit einer Bühne auf Rädern rückte am Donnerstag die AfD auf dem Kamenzer Markt an. Die Partei hatte zu einer Kundgebung eingeladen, um an die Opfer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR zu erinnern. Die Kamenzer Linken, SPD und Grünen hatten auf dem angrenzenden Buttermarkt zur Gegendemo aufgerufen. Dort musste ein Tapeziertisch für die Lautsprecher-Technik ausreichen.

Eisenzäune trennten beide Veranstaltungen, Zufahrtsstraßen waren gesperrt. Es lag schon etwas von Ausnahmezustand in der Luft - mit bewaffneter Polizei, Beamten von Landes - und Bundeskriminalamt.

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Etwa 250 Menschen hatten sich auf dem Markt versammelt, als Alexander Gauland, Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, mit etwas Verspätung auf die Bühne trat. Gauland brachte gleich seine Beziehung zu Kamenz und seinen Vater ins Spiel, der hier wohl Kadett war in Zeiten des Kaiserreichs. Damals sei es doch nicht so schlecht gewesen, fand Gauland. Die Gräuel des Ersten Weltkriegs und das beschämende Erbe der Kolonialzeit hatte er wohl vergessen.

150 Menschen bei der Gegendemo

Später zog Gauland Parallelen von der Niederschlagung des Volksaufstandes in der DDR zur Gegenwart. Den Menschen werde die Freiheit scheibchenweise genommen, weil sie mit Klimaabgaben, Corona-Auflagen, Gender-Sprache, Biodiesel im Benzin und Flugverboten drangsaliert würden.

Zur bunten Gegendemo hatten Linke, Grüne und SPD aufgerufen.
Zur bunten Gegendemo hatten Linke, Grüne und SPD aufgerufen. © Matthias Schumann

Kritik übte er sowohl am Ostbeauftragten Marco Wanderwitz als auch an Grünenchefin Annalena Baerbock und der Migrationspolitik. Ähnlich waren die Worte der anderen Redner gelagert, so von Sachsens AfD-Chef Jörg Urban oder dem Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse. In Richtung der Gegendemo kam der Vorwurf, dass man den Sozialismus wieder installieren wolle.

Dort konterten die Teilnehmer mit Sprechchören wie „Nazis raus“ sowie mit Rasseln und Trillerpfeifen. „AfD wählen ist so wie 1933“ stand auf einem Plakat. 150 Menschen waren nach Polizeischätzung auf dem Buttermarkt versammelt. Sie hatten angekündigt, sich mit buntem Protest rechter Hetze entgegen zu stellen.

Die Landtagsabgeordnete Antonia Mertsching (Linke) und der Linken-Kreisvorsitzende Silvio Lang warfen der AfD Heuchelei vor, wenn sie vorgeben, etwas für die kleinen Leute zu tun. So habe die AfD gegen ein Mindest-Kurzarbeitergeld gestimmt und gegen Verbesserungen des Mieterschutzes. Wer etwas für die Bevölkerung erreichen wolle, müsse eine andere Politik machen.

Polizei war mit 40 Beamten vor Ort

Die Fronten waren klar, aber die Veranstaltung blieb friedlich. Am Rande kam es über den Eisen-Zaun hinweg auch zu angeregten Diskussionen zwischen den Parteien zum Thema Klima.

Etwa 250 Menschen versammelten sich nach Schätzungen der Polizei auf dem Kamenzer Markt. Nach der Gauland-Rede verließ ein Teil der Zuhörer die Kundgebung.
Etwa 250 Menschen versammelten sich nach Schätzungen der Polizei auf dem Kamenzer Markt. Nach der Gauland-Rede verließ ein Teil der Zuhörer die Kundgebung. © Matthias Schumann

Michael Kummer, der Leiter des Kamenzer Polizeireviers, resümierte: Wenn es so laufe, Meinungen ausgetauscht würden, sei es gelebte Demokratie. Die Polizei war mit 40 Beamten vor Ort. Es seien einige Verstöße festgestellt worden und habe eine Anzeige gegeben, aber keine Straftaten. Der überwiegende Teil aller Teilnehmer habe sich an die Auflagen gehalten. Zu Zusammenstößen zwischen den Lagern kam es nicht.

Nach einer guten Stunde rollten Linke und Grüne ihre Transparente ein. Kurz danach klappte die AfD ihre Bühne zusammen. Eine Markt-Anwohnerin meinte, so eine Kundgebung brauche Kamenz nicht, schon gar keinen Gauland. Kamenz sei nicht umsonst Lessing-Stadt und im Sinne des Dichters weltoffen. Am Wochenende werde die Stadt mit ihrem Genuss-Wochenende hoffentlich positiver auf sich aufmerksam machen.

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