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Kamenz: Bundeswehr hilft im Krankenhaus

Soldaten sind am Freitag zum Einsatz in der Malteser-Klinik angetreten. Die behandelt immer mehr Corona-Patienten - eine Trendwende ist noch nicht in Sicht.

Vom Bundeswehrstandort Bad Salzungen rückten Freitagnachmittag Soldaten zur Unterstützung im Kamenzer Krankenhaus an. Sie werden auch in der Klinik wohnen.
Vom Bundeswehrstandort Bad Salzungen rückten Freitagnachmittag Soldaten zur Unterstützung im Kamenzer Krankenhaus an. Sie werden auch in der Klinik wohnen. © René Plaul

Kamenz. Angetreten zum Einsatz im Krankenhaus: Die ersten Soldaten sind am Freitagnachmittag am Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes eingetroffen. Das hatte über den Landkreis um Unterstützung durch die Bundeswehr gebeten. Eine Situation, die es noch nie gab, erklärt Geschäftsführer Sven Heise. Die steigenden Corona-Zahlen hätten den Ausschlag gegeben, die Hilfe anzufordern. „Wir arbeiten eng mit der Uniklinik in Dresden zusammen. Nach deren Prognosen ist noch nicht mit einer Entlastung zu rechnen, eher noch mit steigenden Zahlen“, beschreibt Heise die Aussichten.

Die Zahl der Patienten ist im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Die Corona-Station füllt sich. Mit Stand vom Donnerstag werden auf der Isolierstation inzwischen 21 Patienten - 13 waren es Ende voriger Woche - mit Corona-Bezug stationär behandelt, bei drei Verdachtsfällen steht das Ergebnis noch aus. Damit ist bereits ein großer Teil der 30 zur Verfügung stehenden Betten belegt.

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Personal ist motiviert, aber an der Belastungsgrenze

Hinzu kommen noch mehrere Covid-19-Patienten auf der Intensivstation mit sechs Betten. Die Behandlung sei sehr aufwendig und binde sehr viele Mitarbeiter. „Diese müssen wir aus anderen Bereichen abziehen“, erklärt Heise. Der Aufwand sei auch durch die Corona-Schutzmechanismen sehr hoch. Zudem sei Krankenhauspersonal selbst von dem Virus betroffen, durch Infektionen oder als Kontaktpersonen. So falle derzeit etwa doppelt so viel Personal durch Krankheit aus wie in normalen Zeiten. Das betreffe alle Bereiche: vom Einkauf über die Verwaltung und die Pflege bis zu den Ärzten.

Sven Heise: „Unsere Mitarbeiter arbeiten motiviert, aber teilweise an der Belastungsgrenze. Deshalb wollen wir sie mit zusätzlicher Unterstützung von außen zumindest teilweise entlasten, damit wir unsere Patienten weiterhin gut versorgen können.“ Außerdem müsse die Grund- und Regelversorgung aufrechterhalten werden können. So treten Schlaganfälle, Herzkreislaufprobleme oder Unfälle unabhängig von Corona weiterhin auf. Alle Patienten müssten gut versorgt werden. Das sei auch gewährleistet. 

Bisher nur wenige Operationen verschoben

Nur bei verschiebbaren Operationen setze man derzeit Prioritäten. Es sei aber bisher nur ein überschaubarer Teil betroffen. Die meisten OPs könnten stattfinden. Es werde von Tag zu Tag im Einzelfall vom Ärzteteam entschieden. „Alle Notfälle können behandelt werden“, versichert Heise. Das sei zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt gewesen. Aber die Klinik habe sich jetzt entschieden, die Hilfe der Bundeswehr anzufordern, um sinkenden Kapazitäten rechtzeitig vorzubeugen. Die Soldaten müssten ja auch eingearbeitet werden, erklärt der Geschäftsführer, auch das koste Kraft.

Die Soldaten sind kein ausgebildetes Personal für medizinische oder pflegerische Aufgaben, erklärt Oberstleutnant Eric Gusenburger, Sprecher der Bundeswehr in Sachsen. „Sie unterstützen durch helfende Tätigkeiten.“ Das wird dringend gebraucht. Die Soldaten können Botengänge erledigen, für Materialnachschub sorgen, Essen verteilen, in der Notaufnahme zur Hand gehen.

Dort sei der Zustrom von Patienten gestiegen, die eigentlich in Hausarztpraxen gehören, die offenbar wegen Corona nicht wie gewohnt geöffnet sind, vermutet der Klinikchef. Die Soldaten können auch den Kontakt zu Angehörigen pflegen, die ihre Patienten derzeit nicht besuchen können, zum Beispiel Telefonate oder Sachen entgegennehmen.

Jeder Patient wird auf Corona getestet

In der Regel kommen die Patienten bereits mit einer bekannten Covid-19-Erkrankung in die Klinik. Oft nach einer ambulanten Behandlung, wenn sich ihr Zustand verschlechtert. Ein Teil der Corona-Patienten komme aber auch wegen anderer Beschwerden und werde dann beim routinemäßigen Test als Corona-positiv erkannt: „Wir testen seit Wochen alle Patienten, die stationär aufgenommen oder im Krankenhaus operiert werden“, sagt Heise. Manchmal stelle man dann fest, dass der Patient nicht nur einen gebrochenen Oberschenkel, sondern auch Covid-19 hat. Er werde dann bereits in der Notaufnahme unter Isolierbedingungen therapiert und auf die Isolierstation verlegt.

Aber der größte Teil der Covid-19-Fälle werde nicht ins Krankenhaus eingewiesen, sondern ambulant behandelt. Erst bei akuter Atemnot, hohem Fieber, Kreislaufbeschwerden oder anderen schwerwiegenden Symptomen erfolge eine Krankenhausbehandlung bis hin zur intensivmedizinischen Versorgung und invasiven Beatmung mit Beatmungsschlauch. Die werde aber so lange wie möglich vermieden.

Laut Heise gibt es auch einen Plan, falls die Corona-Kapazitäten knapp werden. Das wäre dann möglicherweise mit Einschränkungen im Regelbetrieb verbunden. Davon gehe die Klinik derzeit aber nicht aus, wenn die Fallzahlen nicht deutlich steigen. Außerdem habe Kamenz bereits jetzt einen vergleichsweise hohen Anteil Corona-Patienten. Aktuell sei die Klinik dennoch voll handlungsfähig.

Dazu trägt nun eben auch die Bundeswehr bei. Die ersten acht Soldaten kommen vom Standort Bad Salzungen. Am Mittwoch erwartet die Klinik weitere sieben Soldaten. 

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