merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Mehr Platz für die Tagespflege

Jahrelang betreute die Vital Hauskrankenpflege ihre Tagesgäste in der Altstadt. Nun zog das Team an den Stadtrand. Das bringt Vorteile.

Die Tagespflege "Charlotte" ist aus der Kamenzer Altstadt an den Stadtrand zur Zentrale der Vital Hauskrankenpflege gezogen. Chefin Manuela Schubert (2.v.r.) freut sich mit ihrem Team, darunter Denise Skatula, Julia Micklich und Fahrer Waldemar Lesche.
Die Tagespflege "Charlotte" ist aus der Kamenzer Altstadt an den Stadtrand zur Zentrale der Vital Hauskrankenpflege gezogen. Chefin Manuela Schubert (2.v.r.) freut sich mit ihrem Team, darunter Denise Skatula, Julia Micklich und Fahrer Waldemar Lesche. © Matthias Schumann

Kamenz. Heute gibt es Bratwurst mit Kartoffelbrei und Sauerkraut. Selbst gekocht. Noch fünf Minuten, dann hat Denise Skatula das Essen fertig. Die Patienten der Tagespflege "Charlotte" haben es sich gewünscht. Mal was Deftiges! So wie früher, als sie noch selbst in der Küche stehen konnten.

Bis der Tisch gedeckt ist, beschäftigt Julia Micklich die Tagespflege-Gäste. Sie liest aus der Zeitung vor, man spricht miteinander. Kleine Übungen stehen auf dem Vormittagsprogramm, die die Beweglichkeit und Konzentration anregen. Menschen mit Multipler Sklerose, mit Parkinson, Demenz oder nach Schlaganfällen sitzen hier. "Wir haben alles von Pflegestufe zwei bis fünf vor Ort. Es sind Frauen und Männer jeden Alters. Und sie kommen aus der näheren Region um Kamenz", erzählt Manuela Schubert, Chefin der Vital Hauskrankenpflege. So seien sie nicht allein, könnten aktiv am Leben teilnehmen, soweit es ihnen möglich ist. Das ist die Hauptsache. Auch für ihre Angehörigen.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Nur zwölf Frauen und Männer können zu Corona-Zeiten in der Tagespflege "Charlotte" aufgenommen werden. Eine Hand voll sind es an diesem Vormittag. Bei Vollbelegung in Normalzeiten beträgt die Kapazität 17.
Nur zwölf Frauen und Männer können zu Corona-Zeiten in der Tagespflege "Charlotte" aufgenommen werden. Eine Hand voll sind es an diesem Vormittag. Bei Vollbelegung in Normalzeiten beträgt die Kapazität 17. © Matthias Schumann

Sechs Jahre im alten "Feinschmecker"-Geschäft

Ihnen wird durch die Tagespflege einiges abgenommen. Seit 2014 gibt es die unter dem Namen "Charlotte" in Kamenz. Der ambulante Pflegedienst ist hingegen schon fünf Jahre länger am Start. "Insgesamt ist unser Team etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter groß. In der Tagespflege leisten allein sechs ihren Dienst - inklusive zwei Fahrern, die die Patienten früh von zu Hause abholen und nachmittags wieder heim bringen", erzählt Manuela Schubert.

Gerade ist die 39-Jährige mal aus dem Büro der Hauptzentrale rübergekommen, um nach dem Rechten zu schauen bei ihren Mädels. Dass "Vital" nun räumlich zu einer Einheit gewachsen ist, sei dem Betriebsklima förderlich. Es gibt kurze Wege, Absprachen sind praktischer zu händeln. Das Problem der Parkplätze in der Altstadt ist behoben. Und die Anmeldezahlen bei der Tagespflege seien gestiegen.

Bis Dezember wurden die Tagesgäste noch im früheren "Feinschmecker"-Geschäft in der Kamenzer City betreut. "Das war ursprünglich unser Konzept: Mittendrin sein. Der Ort hat uns immer gefallen", sagt Chefin Manuela Schubert. Vor der Tagespflege war dort auch der ambulante Pflegedienst untergebracht, ehe dieser nach Jesau zog.

Vermieter errichtet Wunsch-Neubau für die Tagespflege

Doch das Konzept der Stadtnähe ging auf die Dauer nicht auf. "Uns fehlte vor allem ein Platz im Grünen, den werden wir hier im neuen Domizil haben", so Manuela Schubert. Im Frühjahr soll ein kleiner gartenähnlicher Park vor dem Haus entstehen. Nicht nur die Mobilität draußen soll sich verbessern. Auch im großzügig geschnittenem Neubau können sich die Gäste der Tagespflege nun besser bewegen.

Auf über 300 Quadratmetern rollt es sich viel besser mit dem Rollator oder Rollstuhl durch die breiten Gänge. Die behindertengerechten Toiletten und Bäder sind gut erreichbar und die tolle Küche mit Essensbereich begeistert.

Carsten Reimer, dem die Immobilie an der Neschwitzer Straße 33 gehört, baute der Vital Hauskrankenpflege das Objekt nach Wunsch neu. "Ein großes Lob an unseren Vermieter, der kräftig investiert hat", sagt die Vital-Chefin. "Wir konnten von Anfang an alles mitgestalten. Das war praktisch und zahlt sich nun aus!" Auch alle Mitarbeiter leisteten ganze Arbeit in den letzten Dezemberwochen. Der Umzug aus der Kamenzer Altstadt war kurz vor Weihnachten oft schweißtreibend. "Unser Team hat prima mitgezogen und auch mal Sonderschichten geschoben", sagt Manuela Schubert.

Vor allem die geschmackvoll eingerichtete Wohnküche und der gemeinsame Essbereich wurden großzügig gestaltet. Vor den Fenstern entsteht im Frühjahr noch ein gartenähnlicher Park. Auf dem Flachbau gibt es außerdem große Terrassen.
Vor allem die geschmackvoll eingerichtete Wohnküche und der gemeinsame Essbereich wurden großzügig gestaltet. Vor den Fenstern entsteht im Frühjahr noch ein gartenähnlicher Park. Auf dem Flachbau gibt es außerdem große Terrassen. © Matthias Schumann

Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. "Es ist so toll in unserem neuen Haus", schwärmt Denise Skatula - und kümmert sich schnell noch in der weiträumigen Küche um die letzte Bratwurst. Es ist 11.30 Uhr. Hunger ist da. Wegen Corona ist die Truppe am Anfang des Jahres aber ziemlich ausgedünnt. Es wird also gemütlich am Tisch.

Zwölf Frauen und Männer können momentan aufgenommen werden. Eine Handvoll sind es an diesem Dienstagvormittag nur. Bei Vollbelegung in Normalzeiten beträgt die Kapazität eigentlich 17. "Aktuell werden wir überhäuft von Anmeldungen, corona-bedingt müssen die Leute leider warten", so Manuela Schubert.

Corona-Zeiten fordern Personal und Angehörige

Die ständigen Änderungen in Regelungen und Vorschriften machen der Branche zu schaffen. "In der Pflege gibt es akut zu tun. Zu den normalen Fällen kommen die Corona-Kranken. Außerdem schlagen wir uns mit eigenem Krankenstand oder überteuerten Hilfsmitteln herum. Wenn die Gummihandschuhe plötzlich das Vierfache kosten, ist das ärgerlich. Hier müsste die Regierung manchem Anbieter einen Riegel vorschieben", wünscht sich die Vital-Chefin.

Vor allem die Angehörigen der Patienten seien froh, dass die Tagespflege weiterläuft. "Es ist eine enorme Zusatzbelastung, wenn man plötzlich die Betreuungsaufgabe ganztags übernehmen soll", weiß Manuela Schubert. Und auch den Erkrankten selbst würde vieles weggenommen. Die Tagespflege sei für viele das Tor zum Leben.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz