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Mit 80 Fledermäusen unter einem Dach

Bei Familie Peters in Lückersdorf bei Kamenz haben Dutzende Zwergfledermäuse ihr Quartier. Wie funktioniert das Zusammenleben?

Unterm Dach von Familie Peters in Lückersdorf bei Kamenz leben zurzeit 72 Zwergfledermäuse.
Unterm Dach von Familie Peters in Lückersdorf bei Kamenz leben zurzeit 72 Zwergfledermäuse. © René Plaul

Lückersdorf. Start. Kurzes Getrappel. Start. Getrappel, Geraschel. Nächster Start. Die Zwergfledermäuse von Familie Peters haben an diesem Abend wieder Flugtag. Oder besser Flugnacht, denn es dämmert schon lange. Im Schutz der Dunkelheit kommen insgesamt 72 Zwergfledermäuse aus der schmalen Brettleiste am Giebel. Das dauert. Und ein gewisses "Nachrücken" der Tiere hinter den Schindeln ist durchaus zu hören.

Angelika Peters kann es selbst kaum fassen, dass es in diesem Jahr so viele sind. "Man stellt sich vor, dass sie anstehen, bevor sie raus dürfen", lacht sie. "Aber wir haben uns kürzlich die Mühe gemacht, uns auf eine Bank gesetzt und gezählt", sagt sie. Fast 80 Fledermäuse kamen zusammen! Eine stattliche Menge, mit der die Lückersdorfer nicht gerechnet hatten. Die so genannte Wochenstube muss randvoll sein. Viel Platz unterm Dach ist nicht. Die Fledermäuse scheinen es zu lieben.

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Quartierpaten seit zwei Jahren

Bereits seit Jahren waren ihnen die Tiere aufgefallen. "2019 waren es etwas über 40", erinnert sich die 64-Jährige. Jetzt fast doppelt so viele. Die Peters sind seitdem auch Quartier-Paten im Fledermaus-Projekt des Vereines Fledermausschutz Sachsen. Sie melden regelmäßig die Zahlen. Und Jürgen Peters brachte sogar zusätzliche Fledermauskästen am Haus an.

In Deutschland kommen 25 Fledermausarten vor – davon 22 in Sachsen. Bianka Schubert vom Verein kam vor zwei Jahren extra vor Ort. Und mit einem speziellen Schallgerät konnte sie die Fledermausart feststellen. Seitdem wissen die Peters, dass sie unterm Wohnhausdach viele Zwergfledermäuse beherbergen. Und obendrein noch ein Paar Abendsegler am Giebel der alten Scheune.

Fledermäuse nie stören oder anfassen

Fledermäuse sind die am meisten gefährdeten Säugetiere Europas und stehen unter strengem gesetzlichen Schutz. Ihren Ruf als kleine Vampire haben sie zu Unrecht, denn alle einheimischen Fledermausarten ernähren sich ausschließlich von Insekten, sind also harmlos. Pro Nacht fängt eine Fledermaus viele Mücken, Fliegen, Motten und anderes - etwa die Hälfte ihrer Körpermasse. "Das ist enorm, kein Wunder, dass sie erst frühmorgen zum Sonnenaufgang wieder unters Dach fliegen", sagt Angelika Peters. Kürzlich blieb eine auch an der Giebelwand hängen. Am Abend war sie wieder verschwunden."

Diverse Naturschutzstationen und auch das Museum der Westlausitz in Kamenz bekommen in den Sommermonaten häufig Anrufe, wenn Menschen verletzte oder abgestürzte Tiere finden. "Wir haben bei Fledermäusen leider oft den Fall, dass die Jungtiere dann regelrecht von Wänden abgepflückt werden. Das ist eher ungünstig und man sollte sie hängen lassen, meistens klärt sich das von allein", so Mitarbeiter Bodo Plesky.

Ihre perfekte Anpassung an das Leben in der Dunkelheit sei beeindruckend. Die heimischen Fledermäuse können etwa 30 Jahre alt werden, die kleinsten sind weniger als fünf Zentimeter lang und nur fünf Gramm schwer. In ihren Sommerquartieren finden sich die Weibchen zu Gesellschaften zusammen, den sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen.

Nach vier bis sechs Wochen, wenn die Jungtiere kräftig genug sind, lernen sie von der Mutter das Insektenjagen und alles, was sie zum Überleben brauchen. "Diesen Umstand haben wir jetzt sicher vor Kurzem erlebt. Die Tiere sind groß genug, um auszufliegen. Ein bisschen habe ich schon den Eindruck, dass sie bald endgültig weg sein werden. Es war so still die letzten Tage", erzählt Jürgen Peters.

Dreiseithof mit Tieren und viel Grün

Dass sich Tiere im ehemaligen über 200 Jahre alten Dreiseithof am Walberg wohl fühlen, wissen Jürgen und Angelika Peters. Im Dach über der Garage brüten Falken. "Dieses Jahr waren wieder vier Eier im Nest, aber leider gab es keinen Nachwuchs", sagt er. Herr Fuchs spaziert mittlerweile schon mitten am Tag am Gartenzaun vorbei, über angrenzenden Feldern schweben Rote Milane. Vier Hühner zogen kürzlich ebenfalls ein. Dazu summt ein Bienenvolk hinterm Haus.

Und der Garten der Familie ist ein Traum. Die Peters engagieren sich auch von Beginn an bei der Offenen Gartenpforte Kamenz.

Da es seit einiger Zeit keine Fledermaus-Plaketten mehr fürs Haus gibt, haben sie sich sogar ein eigenes Schild "Fledermausfreundliches Haus" angefertigt.
Da es seit einiger Zeit keine Fledermaus-Plaketten mehr fürs Haus gibt, haben sie sich sogar ein eigenes Schild "Fledermausfreundliches Haus" angefertigt. © René Plaul

Die stolzen Fledermaus-Quartierpaten mögen es gern natürlich und grün. Dass der Mensch leider aber oft den größten Schaden verursacht, wissen sie auch. "Vielerorts werden Gebäude saniert oder abgerissen sowie Bäume gefällt, ohne dass jemand auf die tierischen Untermieter achtet", so der Verein Fledermausschutz Sachsen. Umso mehr freut man sich über Menschen wie Angelika und Jürgen Peters.

Da es seit einiger Zeit keine Fledermaus-Plaketten mehr fürs Haus gibt, haben sie sich sogar ein eigenes Schild "Fledermausfreundliches Haus" angefertigt.

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