SZ + Kamenz
Merken

Kamenz bekommt eine neue Tagespflege

Der Arbeiter-Samariter-Bund hat am Garnisonsplatz investiert. Bis zu 17 Senioren können dort bald betreut werden - in einem geschichtsträchtigen Gebäude.

Von Reiner Hanke
 5 Min.
Teilen
Folgen
Maria Korch (r.) leitet die neue Kamenzer Tagespflege am Garnisonsplatz. Grit Klee kümmerte sich maßgeblich um eine freundliche Ausstattung der Räume.
Maria Korch (r.) leitet die neue Kamenzer Tagespflege am Garnisonsplatz. Grit Klee kümmerte sich maßgeblich um eine freundliche Ausstattung der Räume. © Matthias Schumann

Kamenz. Es riecht noch nach frischer Farbe in den Räumen der neuen Tagespflege am Garnisonsplatz in Kamenz. Ein bisschen versteckt hinter der Bowlingbahn und dem Amtsgericht liegt das Gebäude.

Der ASB Dresden-Kamenz eröffnet die Räume am 3. Januar. Bis dahin sorgen die Mitarbeiterinnen und Handwerker noch für den letzten Schliff. Aber es ist fast alles schon bereit für die ersten Gäste. Sogar die Kissen und Decken liegen bereits auf den Sesseln für die Seniorinnen und Senioren. Die Tische sind winterlich mit Laternen und Zweigen dekoriert.

Anfang der 1990er-Jahre übernahm der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) das um 1900 erbaute Kasernengebäude und sanierte die Räume für seine Sozialstation. Die zog allerdings vor etwa fünf Jahren um nach Kamenz-Ost ins Ärztehaus auf der Fichtestraße.

Geld kam von der Deutschen Fernsehlotterie

Dort passt sie nach Ansicht des ASB besser ins medizinische Umfeld und liegt zudem viel zentraler in einem Wohngebiet mit vielen Menschen. Seitdem nutzte der Verband die Räume am Garnisonsplatz nur noch als Archiv und damit deutlich unter den Möglichkeiten für den repräsentativen Bau.

Jetzt eröffnet der ASB dort die Tagespflege - seine siebente in der Region, neben der in Königsbrück zum Beispiel. Damit reagiere man auf den Bedarf an solchen Angeboten. Dass es eine Nachfrage danach gibt, sei auch über den eigenen Pflegedienst und das betreute Wohnen festgestellt worden. Also habe man sich entschlossen, an der Stelle eine Versorgungslücke zu schließen.

Rund 230.000 Euro investierte der ASB in die Räume, unterstützt durch einen Zuschuss aus der Deutschen Fernsehlotterie, einem Hilfsfonds der ARD für soziale Projekte, sagt Grit Klee. Sie ist die Verantwortliche beim ASB für die Sozialstationen des ambulanten Pflegedienstes, die Tagespflege und Begegnungsstätten.

Alle Räume seien renoviert und die Elektrik komplett erneuert worden. Etliche Durchbrüche mussten geschaffen werden, um die Räume für das neue Konzept herzurichten. Das sei in dem denkmalgeschützten Kasernengebäude nicht ganz einfach gewesen.

Jeder Bereich hat seine spezielle Farbe

Grit Klee nennt noch einen außergewöhnlichen Fakt: Entstanden ist vielleicht die Tagespflege mit den meisten Toiletten – insgesamt neun. Das sei schlicht ein Erbe aus Kasernenzeiten – natürlich saniert: für Personal, Gäste, die Senioren, für Damen und Herren. Zwei Toiletten wurden barrierefrei ausgestattet.

Mit dem Umbau ist zudem eine Terrasse entstanden. Die Gartenmöbel stehen schon bereit für die kommende Sommersaison. Ein großes Wandbild empfängt die Gäste im Foyer. Dort sollen noch zwei Sessel und ein Tisch zum Verweilen einladen, erklärt Grit Klee. Sie hat sich maßgeblich um die passende Einrichtung gekümmert und einige Farbtupfer dabei gesetzt.

Farbe sei wichtig, gerade für ältere Menschen, sagt Maria Korch, Pflegedienstleiterin und Chefin des kleinen Tagespflegeteams. Farbe diene alten Menschen zur Orientierung, gerade, wenn sie unter Demenz leiden. Und natürlich mache Farbe den Alltag lebendiger, sagt Maria Korch.

So sind die Tische und die Küche in einem kräftigen Dunkelrot gehalten. Die Liegesessel in den Ruheräumen sind grün und orange. In Blau ist das Bettenzimmer ausgestattet. Falls es Gästen mal gesundheitlich nicht so gutgeht oder sie sich einfach mal ausstrecken wollen, können sie sich dort zurückziehen.

Zur Mannschaft gehören bisher vier Mitarbeiterinnen aus dem Bereich der Pflege und Alltagsbetreuung. Eine ausgebildete Pflegekraft werde noch gesucht, sagt Grit Klee. Mit dem Zuwachs an Gästen werde aufgestockt. Bis zu 17 Senioren können hier ihren Tag verbringen. Die ersten erwartet Maria Korch gleich am Jahresanfang.

Für weitere Angebote ist noch Platz

Die Tagespflege sei ein Angebot für Menschen, die allein leben, aber auch zur Entlastung von Angehörigen, wenn sie mal etwas in Ruhe zu erledigen haben. Und Berufstätige könnten mit der Gewissheit ihrem Job nachgehen, dass Mutter oder Vater nicht allein zu Haus sind, sondern in Gesellschaft, so Maria Korch.

Dort soll der Alltag abwechslungsreich gestaltet werden, damit die Gäste geistig wie körperlich beweglich bleiben. Es sei dabei wichtig, immer wieder Bezüge zum Leben der Senioren herzustellen, beim Kochen und Backen zum Beispiel. Draußen gehört noch ein Stück Wiese zum Areal. Dort sollen vielleicht Hochbeete entstehen, denn mancher hat ja früher selbst gegärtnert.

Die Archiv-Regale sind nun in einen hinteren Trakt des Gebäudes umgezogen. Dieser Flügel wartet noch darauf, weiter ausgebaut zu werden. Es sei eine finanzielle Frage, sagt Grit Klee. Natürlich wäre eine Nutzung für soziale Zwecke am besten. So würde zum Beispiel betreutes Wohnen gut passen, was auch im Zusammenspiel mit der Tagespflege perfekt wäre.

Die Tagespflege öffnet ab 3. Januar, jeweils Montag bis Freitag von 7.30 bis 17 Uhr. Mehr Informationen gibt es unter 0170 5698342 oder per Mail an [email protected]