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Ärger um Stellenbesetzung im Kamenzer Rathaus

Binnen weniger Monate stand das Sachgebiet Ordnung und Sicherheit zwei Mal ohne Führung da. Stadträte fordern Konsequenzen.

Unter dem Dach des Kamenzer Ordnungsamtes herrscht Unruhe. Schon zwei Mal wechselte binnen weniger Monate der Chef im Sachgebiet Ordnung und Sicherheit.
Unter dem Dach des Kamenzer Ordnungsamtes herrscht Unruhe. Schon zwei Mal wechselte binnen weniger Monate der Chef im Sachgebiet Ordnung und Sicherheit. © Matthias Schumann

Kamenz. Erst Anfang Mai hatte Sächsische.de den neuen Leiter der Kamenzer Ordnungsbehörde vorgestellt: ein Ex-Polizist aus Radebeul, der sich auf ein neues interessantes Aufgabenfeld in Kamenz freute.

Dann kam der Bruch überraschend schnell. Auf einer nicht öffentlichen Sitzung im Juni wurde der Stadtrat über Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit und die beabsichtigte Trennung von dem Mitarbeiter informiert. Über Details herrscht Stillschweigen.

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Aber im Stadtrat hat es nach Darstellung der Hintergründe wohl keinen Zweifel gegeben, dass triftige Dinge keine andere Möglichkeit als die Kündigung zulassen. So hat der Rat schließlich mehrheitlich für die kurzfristige Abberufung gestimmt. Ihre Fraktion hätte sich allerdings auch eine Darstellung der Gegenseite gewünscht, so Sylvia Horn, Fraktionschefin von Stadt-Land-Frau.

Dem Vernehmen nach ging es um Vorfälle im Umgang mit den Mitarbeitern. Von unvorstellbaren Dingen ist die Rede, sodass es keine lange Diskussion gegeben habe, heißt es aus der Linken-Fraktion. Maik Weise, Fraktionschef CDU/FDP, formuliert vorsichtig, dass fachliche Kompetenz eben nicht immer ausreiche.

„Das Kriterium der Wahrheit entsteht in der Praxis“, stellt Weise fest. Die ist in dem Fall offenbar nicht so gut gelaufen. Die Personalführung sei das Problem gewesen, berichten Beobachter. Der Mann sei menschlich nicht geeignet gewesen.

Linke kritisiert irritierendes Auftreten des Bewerbers

Schon im Auswahlverfahren habe sie unter anderem der ungewöhnliche Jobverlauf des Ex-Polizisten im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft stutzig gemacht, heißt es aus der Linken-Fraktion. „Wir hielten den Mann für diese Stelle nicht für geeignet, und das ist ja nun eingetreten“, sagt Fraktionschef Alex Theile. „Er hatte auch ein irritierendes Auftreten.“ Seine Fraktion habe eine offizielle Anfrage gestellt zu den Hintergründen, um die Vorgänge aufzuarbeiten, so Theile.

Denn der schnelle Rauswurf des neuen Chefs der Ordnungsbehörde war innerhalb weniger Monate schon die zweite Pleite. Bereits im Vorjahr hatte es Knatsch gegeben, nachdem die langjährige Chefin des Ressorts in den Ruhestand gegangen war und das Sachgebiet neu besetzt werden musste.

Zuerst sorgten das Verfahren und die Auswahl einer bestimmten Kandidatin für Fragen. Dann warf die neue Chefin selbst schon nach wenigen Wochen hin. Nach Informationen von Sächsische.de soll es wohl Unstimmigkeiten darüber gegeben haben, was zu den Aufgaben des Sachgebietsleiters gehört.

Ein Mitarbeiter leitet jetzt zwei Sachgebiete

Die Linken-Fraktion hält es für wichtig, dass es künftig für die Räte bei den Bewerbern mehr Auswahl gibt, um eine sachgerechte Entscheidung treffen zu können. Zumindest in der ersten Bewerbungsrunde habe es deutlich mehr Bewerber gegeben als nur die eine Kandidatin, die dann nach einem verwaltungsinternen Verfahren präsentiert wurde. Es dürfe nicht so stark vorausgelesen werden, fordert auch Sylvia Horn von Stadt-Land-Frau.

Derweil hat die Ordnungsbehörde bereits wieder einen neuen und doch schon bekannten Leiter erhalten. Mit Joachim Hoyer ist es ein langjähriger Mitarbeiter der Verwaltung. Interimsmäßig hatte er den Posten bereits in der Vergangenheit inne.

„Herr Hoyer ist ein sehr erfahrener Verwaltungsmitarbeiter und eine erfahrene Führungspersönlichkeit. Damit ist die Arbeitsfähigkeit des Sachgebietes Ordnung und Sicherheit gegeben“, sagt Stadtsprecher Thomas Käppler. Bisher hatte Hoyer den Bereich Service zu verantworten mit der Allgemeinen Verwaltung, dem Meldewesen sowie dem Gewerbe- und dem Standesamt.

Joachim Hoyer sei nun als Sachgebietsleiter für den Bereich Service und gleichermaßen für den Bereich Ordnung und Sicherheit verantwortlich. Die Stadt hält sich darüber hinaus zu weiteren Fragen bedeckt, zum Beispiel, ob das dauerhaft so sein wird oder eine Ausschreibung zu erwarten ist. „Zu Personalfragen äußern wir uns grundsätzlich und insbesondere aus Datenschutzgründen nicht.“

Stadträte wollen beim Personal mehr mitreden

Er gehe davon aus, so Maik Weise, dass es wohl noch keine klare Ansage im Rathaus gibt, ob es eine kommissarische oder eine dauerhafte Lösung sein soll. Aber er könne sich nicht vorstellen, dass beide Ämter einfach so in der Kombination zu stemmen sind. Hoyer sollte mit einem Amt genug an der Backe haben, formuliert es Sylvia Horn salopp.

Es werde wohl einen größeren Umbau geben müssen, schätzt Weise ein. Die Linke will ihrerseits ein Personalkonzept von der Verwaltung einfordern. So werden wohl schon Veränderungen in der Personalstruktur diskutiert. „Wir wollen nach den zwei Pleiten als Räte enger einbezogen und nicht zum Ja-sage-Verein degradiert werden“, sagt Alex Theile. Und Maik Weise geht davon aus, dass wohl auch Personal im Ordnungsressort fehlt. Das könne ebenfalls Spannungen erzeugen, worunter Mitarbeiter leiden. Weise: „Ich denke, es gibt Gesprächsbedarf.“

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