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Zirkus geht das Futter aus

Das Mondial-Team hängt wegen Corona seit acht Monaten im Winterquartier bei Kamenz fest. Es hat keine Einnahmen - und dadurch viele Probleme.

Artistin Kassandra Spindler ist froh, dass es Kamel Sambo nach einer Erkrankung wieder gut geht. Gern würde sie jetzt wieder vor Publikum stehen.
Artistin Kassandra Spindler ist froh, dass es Kamel Sambo nach einer Erkrankung wieder gut geht. Gern würde sie jetzt wieder vor Publikum stehen. © Matthias Schumann

Kamenz/Nebelschütz. Regen prasselt auf die Wagen des Circus Mondial. Der sitzt nun schon seit März bei Kamenz im Nebelschützer Ortsteil Piskowitz fest; nach dem Winter- im Corona-Quartier auf dem Areal eines Landwirtschaftsbetriebes. Damals setzte die erste große Virus-Welle mit Lockdown ein. Die Zirkuswagen konnten nicht auf Tour gehen. Die Hoffnung ruhte auf dem Herbst, hat sich aber zerschlagen. Das ganze Zirkusgerät samt Manege ist in den großen Transportanhängern mit dem Schriftzug des Zirkus verstaut, ohne Aussicht bald ausgepackt zu werden.

Einige Zirkusse hätten im September/Oktober einen Neustart versucht, aber auch wieder eingestellt, berichtet Zirkuschefin Carola Spindler. Mit der extrem reduzierten Besucherzahl und den ganzen Auflagen sei das kaum wirtschaftlich gewesen. Und nun sowieso wieder kompletter Stillstand. Das anhaltende Auftrittsverbot zerre an den Nerven und gehe an die Substanz, es fehlt die Manege, der Applaus. „Wir wünschen uns, endlich wieder vor Besuchern aufzutreten“, sagt Carola Spindler.

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Für die Tiere wird um Spenden gebeten

So eine lange Zwangspause und Notlage habe ihr Zirkus in 55 Jahren noch nie erlebt, ist sich auch Seniorchefin Luzie Spindler sicher, die mit fast 85 Jahren die Fäden in der Hand hält. An einen besonders langen und frostigen Winter kann sich die Truppe erinnern. Aber was jetzt läuft, sei ein Novum.  Es werde immer schwieriger, über die Runden zu kommen, sagt Tochter Carola. Es fehlen die Einnahmen, die  die Truppe in der Manege verdient hätte. Sie werden gebraucht für den Fahrzeug-Tüv und vor allem für das Tierfutter. 

Die Mannschaft schlage sich derzeit mit Hartz IV durch. Aber auch die Tiere müssten ja überleben, so Spindler. So bittet der Zirkus nun erneut um Spenden, um die Pferde, die Ziegen, das Kamel, die Hängebauchschweine, die Lamas  und die dressierten Hunde über die kommenden Monate zu bringen. Mehrere Hundert Euro koste eine Monatsration Futter. Natürlich sind die Zirkusleute auch für Futterangebote dankbar: Heuballen, Rüben, Hafer oder Möhren und Äpfel. Die mampft auch Kamel Sambo wieder zufrieden. Eine Magenschleimhautentzündung hatte  ihm heftig zugesetzt. Heu als Schonkost, eine Wurmkur und auch Spritzen brachten das Trampeltier wieder auf die Beine.

„Sambo ist wieder fit“, sagt Carola Spindler. Nur vors Publikum darf er nicht. Aber geprobt wird natürlich, um im Training zu bleiben, während der Zirkus weiter im Winterquartiert ausharrt. „Wir wüssten ja auch nicht wohin.“ 

Landwirt stellt Gelände zur Verfügung

Der Zirkus sei froh, dass ein Landwirt das Gelände mit Stall für die Tiere weiter zur Verfügung stelle. Sie stehe auch mit anderen Zirkussen im Kontakt, die alle in einer Art Quarantäne festhängen würden. Für alle sei das furchtbar, so Carola Spindler. Was bleibt, ist die Hoffnung, im Frühjahr wieder durchstarten können. Dann muss auch der Fahrzeugpark wieder flott sein. Vielleicht finde sich eine Werkstatt, die den Zirkus unterstütze.

Den Zirkusleuten gehe es ähnlich wie den Schaustellern, die ja sogar schon zu Demos aufgerufen hatten. Carola Spindler: „Wir werden vergessen. Der Staat muss uns doch eine Perspektive aufzeigen, nicht nur zumachen und das war’s.“ So drohe das Gewerbe unterzugehen. Noch habe aber kein Zirkus, den sie kenne, aufgegeben. Auch sie denke nach wie vor nicht dran: „Wir sind doch Zirkuskinder, ich bin hier groß geworden, es ist mein Leben.“

Wer helfen möchte : Circus Mondial, derzeit am Am Eichelberg 12 in Piskowitz, Telefon 0174 7140141, Spendenkonto DE21 1001 0010 0789 601126

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