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Kamenz: Künftig noch länger warten an den Schranken?

Die Bahn fährt bald öfter zwischen Kamenz, Pulsnitz und Dresden - eine Strecke mit vielen Bahnübergängen. Was Autofahrer befürchten und was die Bahn dazu sagt.

Von Reiner Hanke
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An der Bahnhofstraße in Pulsnitz müssen Autofahrer viel Geduld haben, wenn die Schranke unten ist. Wird das durch den Halbstundentakt der Bahn künftig noch öfter der Fall sein?
An der Bahnhofstraße in Pulsnitz müssen Autofahrer viel Geduld haben, wenn die Schranke unten ist. Wird das durch den Halbstundentakt der Bahn künftig noch öfter der Fall sein? © Matthias Schumann

Kamenz. Ab dem kommenden Sonntag gibt es für Kamenz bessere Zugverbindungen. Mit dem Fahrplanwechsel erfolgt auch ein Wechsel auf der Strecke Dresden-Kamenz. Dort verkehrt dann wieder die Deutsche Bahn (DB), und das sogar im Halbstundentakt. Aus der Strecke 34 wird die S-Bahn-Linie 8. Der Wunsch nach einem dichteren Bahnverkehr besteht in der Kamenzer Region schon seit etlichen Jahren und hat viel Unterstützung erfahren. So soll auch Autoverkehr von der Straße auf die Schiene gelenkt werden.

Doch was viele freut, wirft bei einigen auch Fragen und Bedenken auf. Es geht um das Thema Bahnübergänge. Allein zwischen Kamenz und Pulsnitz gibt es an den Staatsstraßen 95 und 104 vier beschrankte Übergänge, teilweise in kurzem Abstand. Wer dort regelmäßig unterwegs ist, macht sich nun Gedanken.

Denn wenn in den Hauptverkehrszeiten künftig doppelt so viele Züge pro Stunde unterwegs sind, dürften sich auch die Wartezeiten an den geschlossenen Schranken verlängern. Oder es bilden sich größere Staus, wenn zum Beispiel zwei Züge in kurzem Abstand rollen. Dabei denkt mancher auch an die museumsreife Anlage an der Bahnhofstraße in Pulsnitz, wo die Schranken noch per Hand heruntergekurbelt werden.

Bürgermeisterin fordert Schranken-Modernisierung

So freut sich die Pulsnitzer Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) zwar darüber, dass mehr Züge fahren. Sie mahnt in diesem Zusammenhang aber auch dringend die Modernisierung der Schranke an der Bahnhofstraße an. Die „verursacht schon jetzt unverhältnismäßig hohe Schließzeiten“ für den Straßenverkehr.

Dabei sehe sie das größte Problem in der Behinderung von Einsatzfahrzeugen, die zu groß seien, um eine andere Route nehmen zu können. Die Feuerwehr müsse häufig die Bahnlinie queren. Für sie zähle letztlich jede Minute.

Die Deutsche Bahn erklärt, dass es sich – in der Mehrheit – auf der Strecke um automatisierte Anlagen handele: „Die Schließzeiten sind relativ kurz“, versichert Bahnsprecher Jörg Bönisch. Er rechne nicht mit einem Rückstau. Die Bahn erwarte keine zusätzlichen Auswirkungen für die Straßenverkehrsteilnehmer.

Fünf Minuten Wartezeit - dabei soll es bleiben

Es sei nicht wahrscheinlich, „dass bei einer Fahrt von Kamenz nach Großröhrsdorf für den Straßenverkehrsteilnehmer alle Schranken geschlossen sind“.

Allerdings sei durch die zusätzlichen Züge auf der eingleisigen Strecke eine Kreuzung am Bahnhof Pulsnitz erforderlich. Dafür wurde dort schon vor Jahren eine Ausweichstelle samt Bahnsteig gebaut. Der Bahnübergang Bahnhofstraße soll nun in kurzem Abstand vom ein- und ausfahrenden Zug befahren werden. Dabei bleibe die Schranke unten. Bisher liege die Zeit bei fünf Minuten. Das solle sich auch mit zwei Zügen nicht ändern.

Bahn will Schranke in Pulsnitz nicht modernisieren

Zumindest nicht, wenn es nach Fahrplan läuft. Für den ist der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) verantwortlich. Der erklärt an einem Beispiel, wie es nun laufen soll: Der Zug aus Kamenz kommt 5.10 Uhr in Pulsnitz an und fährt 5.15 Uhr weiter. Er wartet zugleich auf die S-Bahn aus Dresden. Die rollt 5.13 Uhr ein und fährt schon eine Minute später wieder los, das mache insgesamt fünf Minuten.

Eine Modernisierung der Schranken am Bahnhof sei auch perspektivisch nicht vorgesehen, stellt die Bahn klar. Der Zustand sei regelkonform.

Sven Sielaff hat da seine Bedenken, der Pulsnitzer Feuerwehrmann ist auch ausgebildeter Lokführer. Die Anzahl der Schranken-Schließungen am Bahnhof bleibe vielleicht gleich. Da sich aber zwei Züge kreuzen, werde sich die Schließzeit durchaus verlängern, schätzt er ein. Fünf Minuten sei zu optimistisch geplant.

Auch die Feuerwehr muss sich darauf einstellen

Er rechne mit bestimmt zwei Minuten mehr, so Sielaff. Und das alles habe letztlich auch Auswirkungen auf die unweit entfernte Anlage auf der Dresdner Straße, der viel befahrenen S 95. Dort würde sich die Schranke zwar zwischen zwei Zügen öffnen, aber nur kurz, vielleicht für ein, zwei Minuten.

Eine Modernisierung der Anlage am Bahnhof würde aus Sielaffs Sicht kaum einen Zeitgewinn bringen. Die Kameraden müssten sich eben darauf einstellen, die Wartezeit auf den Fahrzeugen noch so gut wie möglich zu nutzen und sich auf den Einsatz vorzubereiten.

VVO-Sprecher: "Wir wollen die Verkehrswende"

Und natürlich werde sich auch an den anderen Übergängen etwas ändern, sagt Sielaff. Wenn mehr Züge fahren, würden die Signale zwischen Kamenz und Pulsnitz zwangsläufig in den Hauptverkehrszeiten öfter auf Rot für die Kraftfahrer stehen.

"Für den öffentlichen Nahverkehr und die Klimaziele ist die Taktverdichtung das richtige Zeichen", argumentiert Bahnsprecher Bönisch. Nur mit einem attraktiven Angebot werde es gelingen, Autofahrer zum Umstieg auf den Nahverkehr zu bewegen. Das sieht auch Sven Sielaff so.

„Wir wollen die Verkehrswende“, sagt auch VVO-Sprecher Christian Schlemper. Dafür müssten Kraftfahrer eben etwas länger an den Schranken warten.