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Neustart für Kamenzer Caravan-Standort

Reisen mit dem Wohnmobil liegt im Trend. Ein Radeberger investiert am Ochsenberg - und baut das Angebot aus.

Der Caravan-Standort im Gewerbegebiet am Kamenzer Ochsenberg hat einen neuen Eigentümer und einen neuen Namen. Verkaufsleiter Lutz Haase (l.), Anja Röschke (Shop und Vermietung) und Werkstattleiter Matthias Welzel kümmern sich um die Kunden.
Der Caravan-Standort im Gewerbegebiet am Kamenzer Ochsenberg hat einen neuen Eigentümer und einen neuen Namen. Verkaufsleiter Lutz Haase (l.), Anja Röschke (Shop und Vermietung) und Werkstattleiter Matthias Welzel kümmern sich um die Kunden. © SZ/Reiner Hanke

Kamenz. Reisen mit dem Wohnmobil liegt im Trend. Ein Ehepaar ist gerade mit seinem Fahrzeug bei Daniel Sperling vorgefahren – zu einer Inspektion. Sie lieben die Unabhängigkeit, sagen die beiden aus Torgau. Diese Liebe haben jetzt noch mehr Menschen für sich entdeckt – in Corona-Zeiten, da Reisen schwierig ist, Hotel und Pensionen geschlossen waren oder noch sind.

Der Radeberger Daniel Sperling ist Chef des Unternehmens Radeberger Reisemobile. Er hat nun auch in Kamenz eine Niederlassung eröffnet. Der Standort ist nicht ganz unbekannt. Es ist der von Caravan Eyke am Ochsenberg - jetzt Radeberger Reisemobile Lausitz. Eykes zogen sich aus dem Geschäft zurück, um mit 65 Jahren neben dem Campingplatzgeschäft am Großteich in Deutschbaselitz etwas kürzer zu treten.

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Die Branche sei wie eine Familie, da würden sich solche Verkaufsabsichten herumsprechen, so Daniel Sperling. Ein Spontankauf sei es nicht gewesen, sondern die Idee reifte zwei Jahre. Schließlich sei es eine erhebliche Investition. Das Geschäftsgebäude in Kamenz ist bereits renoviert und umfirmiert.

Der Radeberger Geschäftsmann Daniel Sperling investiert jetzt in den neuen Standort seines Unternehmens in Kamenz.
Der Radeberger Geschäftsmann Daniel Sperling investiert jetzt in den neuen Standort seines Unternehmens in Kamenz. © SZ/Reiner Hanke

Der Zubehörshop für Camping-Artikel sei neu aufgestellt worden. Da gebe es alles von der Campingtasse bis zur Toilettenchemie. Der komplette Reparaturservice bis zum Tüv werde ebenfalls vorgehalten, was bisher nicht ganz so ausgeprägt gewesen sei. Die sieben Mitarbeiter von Eykes habe er alle übernommen, sagt Daniel Sperling. Insgesamt seien es jetzt 31 Leute an beiden Standorten.

Außerdem werde er noch kräftig investieren. Für rund 700.000 Euro soll eine neue Verkaufshalle entstehen, so, wie man es sich in einem Autosalon vorstellt. Der Verkauf von Reisemobilen sei ja nichts anderes. Bis zu 30 Fahrzeuge sollen auf 1.000 Quadratmetern Platz haben. Statt bei Wind und Wetter draußen, sollen die Käufer ganz entspannt unterm Dach die Mobile besichtigen können.

Der Branche gehe es gut, aber auch nicht so gut, wie es manchmal den Anschein haben könnte, schätzt Daniel Sperling ein. Corona habe einen Schub gegeben, aber auch negative Spuren hinterlassen. So habe er jetzt 30 Fahrzeuge an beiden Standorten in der Vermietung. Zehn bis 15 davon seien derzeit allerdings nur unterwegs, obwohl schon Juni sei.

Wartezeit auf Neufahrzeuge beträgt ein Jahr

Im April gehe die Saison normalerweise los. Zwei Monate seien quasi weggebrochen, weil die Campingplätze nicht öffnen durften. Ohne diese Anlaufpunkte sei es mit dem Parken und übernachten schwierig: „Sie können überall schauen und entdecken die Verbotsschilder für Reisemobile auf den Parkplätzen.“ Bei der Reisemobil-Vermietung gebe es deshalb Verluste.

Im Verkauf sei die Nachfrage dagegen da. „Die Leute wissen ja nicht, was sie sonst machen sollen in der jetzigen Situation, zumal es auch mit Kreuzfahrten schwierig ist.“ Er habe Bestellungen für 70 Autos, könne aber nicht verkaufen, weil die Fahrzeuge derzeit nicht lieferbar seien: „Die Hersteller kommen nicht hinterher mit dem Bauen. Und wir wissen nicht, ob wir auch alle Fahrzeuge kriegen.“ Die Wartezeit liege derzeit bei einem Jahr. Ein Hintergrund sei dabei auch, dass wegen der Corona-Krise Teile fehlen – so zumindest die Begründung.

Wenn die ganzen Autos tatsächlich unter die Leute kommen sollten, dann werde es auf den deutschen Campingplätzen eng, denkt der Caravan-Fachmann. Wobei er Neueinsteigern empfehle, erst einmal zu mieten, um die eigenen Ansprüche kennenzulernen.

Ehepaar hat Hobby zum Beruf gemacht

Seine Expansion nach Kamenz hat vor allem einen Grund: Mit seinen vier Marken komme er in der Region Radeberg an die Grenzen. Das Geschäft sei ausgeschöpft. So könne das Unternehmen mit der Übernahme in Kamenz weitere Markt-Bereiche und Kundenkreise bis ins Brandenburgische hinein erschließen, das Angebot erweitern. Es sei ähnlich wie in der Pkw-Branche, wo jeder Händler sein Gebiet habe.

Von Hause aus Fliesenleger hatte der 47-Jährige gemeinsam mit seiner Frau vor 17 Jahren quasi das Hobby zum Beruf gemacht. Schon seit vielen Jahren waren Sperlings mit dem Caravan unterwegs, vor allem in der Toskana und auf Sizilien. „Es sind die Ruhe, die Natur, die Freiheit, die wir genießen, und man lernt Leute kennen“, beschreibt Daniel Sperling die Faszination. Warum sollten sie dafür nicht auch andere begeistern können und Wohnmobile vermieten, fragten sich die beiden.

So fing alles mit drei Fahrzeugen auf einer Wiese in Feldschlösschen zwischen Wachau und Radeberg an und dem Büro in der Garage. 2008 bezog die Firma ihre neuen Räume in Feldschlösschen und begann mit dem Verkauf von Reisemobilen. Gerade in der Zeit der Finanzkrise.

„Viele Händler haben damals gejammert, wenn sie nur drei Fahrzeuge im Monat verkaufen konnten, wir waren glücklich.“ Vor vier Jahren kam eine Filiale an der Nordseeküste dazu. Der Chef spricht von familiären Gründen, die Sperlings immer wieder an die Nordseeküste verschlagen haben, so sei eines zum anderen gekommen. Und nun in Kamenz der nächste Schritt. Perspektivisch sehe er hier einiges Wachstumspotenzial. Gerade auch durch die Industrie, die sich entwickle.

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