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So verhilft Kamenz Senioren zum Impftermin

Eine Stadtmitarbeiterin unterstützt Ältere, die mit Hotline und Online-Buchungsportal nicht klarkommen. Bei ihrer Arbeit ist es mit Geduld allein nicht getan.

Beate Jannasch sitzt im Kamenzer Rathaus an Computer und Telefon und vermittelt Senioren ab 70 Jahren, die mit dem Prozedere nicht klarkommen, Termine im Impfzentrum.
Beate Jannasch sitzt im Kamenzer Rathaus an Computer und Telefon und vermittelt Senioren ab 70 Jahren, die mit dem Prozedere nicht klarkommen, Termine im Impfzentrum. © Matthias Schumann

Kamenz. Beate Jannasch kümmert sich in der Kamenzer Stadtverwaltung um Themen der Senioren. Derzeit hat sie besonders viele an der Strippe. Manchmal klingelt sich das Telefon richtig heiß. Denn Beate Jannasch hat jetzt eine Spezialaufgabe: Sie betreut das Impfttermin-Telefon der Stadt Kamenz.

Seit zweieinhalb Wochen ist es geschaltet. Es entstand aus dem Gespräch mit einer Kamenzerin, so Stadtsprecher Thomas Käppler. Die Frau beschrieb ihre Probleme, einen Impftermin per Telefon für ihren Mann zu ergattern. Und sie berichtete von einem Beispiel aus dem Erzgebirge, wo die Stadt den Bürgern mit einem Impftelefon hilft. „Das können wir auch“, dachte sich Thomas Käppler.

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Angesprochen sind Senioren ab 70 Jahren, die niemanden haben, der sie unterstützt, die keinen Computer oder Internetanschluss besitzen und auch mit der Telefonhotline nicht klarkommen. Das Angebot habe gleich in den ersten Tagen eingeschlagen. Manche Senioren waren nach 20 oder 30 erfolglosen Anrufen bei der sächsischen Impftermin-Hotline schlicht verzweifelt und heilfroh, dass sich endlich jemand ihrer Sorgen annimmt, erzählt Beate Jannasch. Sie macht weiter, wo die alten Leute aufgegeben haben.

Über 100 Menschen haben schon angerufen

Bis zu 20 Senioren melden sich an manchem Tag in der Telefonzeit bis Mittag. Dann wird die Nebenaufgabe zum Fulltime-Job. Denn mit dem Telefonat mit den Senioren ist es ja nicht getan. Inzwischen hat Beate Jannasch Unterstützung von Azubis bekommen. Etwas über 100 Seniorinnen und Senioren hatten die Impftermin-Vermittler bisher an der Strippe. Inzwischen hat der Ansturm etwas nachgelassen.

Eine Vorzugsbehandlung für den Rathaus-Service gibt es nicht. Auch Beate Jannasch muss über das Impf-Portal des Freistaates und des sächsischen DRK die vorgeschriebene Tippel-Tappel-Tour gehen. Das laufe nicht jeden Tag. Dann sehen sie und ihre Helfer auf dem Computer-Bildschirn Anzeigen, die jeder kennt, der in dem Buchungs-Prozedere für die Impftermine schon Nerven gelassen hat. Das Portal sei überlastet, kein Impfstoff vorrätig. Man solle es an einem anderen Tag wieder probieren. Zum Verzweifeln für ältere Leute.

Aber Beate Jannasch bleibt hartnäckig. In der Vorwoche sei zwei Tage gar nichts gegangen. Dann sei sie am späten Nachmittag nochmal ins Amt gefahren, weil die Leitungen plötzlich frei und Termine buchbar waren. Dranbleiben ist alles. Besser wäre es natürlich, wenn das System reibungsloser funktionieren würde, so Stadtsprecher Thomas Käppler.

Manchmal ist Zuhören die größte Hilfe

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) ist froh, dass die Stadt zahlreichen Bürgern helfen kann. Die Hotline sei sogar ein bisschen zum Sorgentelefon geworden. Denn mitunter seien die Betroffenen auch psychisch „angekratzt“. Dann ist das Telefonat mit Beate Jannasch so etwas wie der Rettungsanker, um endlich überhaupt die Chance auf Impftermine zu bekommen.

Gerade bei alten Menschen ist die Sorge vor der Ansteckung mit dem Virus groß. Die Rathausmitarbeiterin hört sich ihre Geschichten an. Oft seien die Gespräche lang und manche Frage nicht zu beantworten. Dabei geht es bei vielen Senioren um die Vorerkrankungen, ob dann überhaupt eine Impfung möglich ist. „Das kann nur der Hausarzt beantworten“, sagt Beate Jannasch. Aber manchmal helfe eben auch ein einfaches Zuhören. Stadtsprecher Käppler ist sich sicher, das Telefonangebot erfülle auch eine soziale Funktion.

Beate Jannasch bespricht mit den Senioren, wie der Termin am günstigsten liegen sollte und welche Möglichkeiten es gibt, das Impfzentrum in Kamenz am Flugplatz zu erreichen. Den meisten Senioren habe sie bisher helfen können, sagt sie. Bei manchen sei es aus technischen Gründen aber nicht möglich: „Zum Beispiel, wenn sie bereits eine Registriernummer haben.“ Dann sei eine Anmeldung online über das Rathaus nicht mehr möglich.

Service ist auf Kamenzer Einwohner beschränkt

Auch beschränke sich der Service wirklich auf Kamenzer Einwohner. Die Stadt sei sich des Bedarfs bewusst. Anrufe habe es unter anderem auch aus Bernsdorf oder Ottendorf-Okrilla gegeben. Das sei aber nicht zu stemmen, weil der Service viel Zeit in Anspruch nehme. Was Kamenz anbieten könne, so OB Dantz: Falls Kommunen einen ähnlichen Service anbieten wollen, dann könne die Stadt aufgrund der Erfahrungen Unterstützung geben. Denn es sei auch ein Lernprozess.

Auch Rückmeldungen nach erfolgreicher Impfung habe es gegeben: „Die Leute wollten einfach berichten, dass es prima geklappt habe und sich bedanken.“ Erst einmal läuft dieser Service bis Ende des Monats. Ob noch länger, werde rechtzeitig entschieden.

Das Impftermin-Telefon der Stadtverwaltung steht Kamenzer Senioren ab 70 Jahren unter der Nummer 03578 379232 montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr zur Verfügung. Für die Anmeldung ist unbedingt der Personalausweis bereitzuhalten.

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