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Kamenz: Vereine wollen wieder trainieren

Sportler fordern Lösungen für das Training unter Corona-Bedingungen. Doch an ihrer jüngsten Aktion gibt es auch Kritik.

Bereits im vorigen Sommer machten junge Mitglieder von Kamenz can Dance mit einem Flashmob auf dem Schulplatz auf die Situation von Sportvereinen in der Corona-Krise aufmerksam. Auch jetzt sind weitere Aktionen geplant.
Bereits im vorigen Sommer machten junge Mitglieder von Kamenz can Dance mit einem Flashmob auf dem Schulplatz auf die Situation von Sportvereinen in der Corona-Krise aufmerksam. Auch jetzt sind weitere Aktionen geplant. © Archivfoto: Matthias Schumann

Kamenz. Hunderte Luftballons stiegen in den Kamenzer Himmel. Auf dem Schulplatz Diskomusik. Über 100 Kinder und Jugendliche tanzten, dazu kamen Aktionen an sechs weiteren Standorten in der Stadt. So sah es am Sportler-Protesttag Ende März in Kamenz aus. Im Fokus standen die Auswirkungen der Corona-Einschränkungen insbesondere für den Sportnachwuchs. Der stand im Mittelpunkt, und einige der jungen Sportler schilderten selbst, wie sie sich fühlen.

Jetzt legten die Organisatoren nach, um auf die Situation von Vereinen und in der Kinder- und Jugendarbeit aufmerksam zu machen. Maik Weise, CDU-Stadtrat und Vorstand im Kinderschutzbund Kamenz, hatte zum Pressegespräch eingeladen. Auch der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) war dabei.

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Beteiligt an der Aktion sind vier große Kamenzer Sportvereine: der Ostsächsische Schwimmverein (OSSV), das Sport- und Freizeitzentrum Tomogara, der Polizeisportverein Kamenz (PSV) und der Tanzverein „Kamenz can Dance“. Dazu kommen der Kinderschutzbund und das Sport-/Gesundheitszentrum My Gym.

Motivation für den Sport schwindet

Einige Themen seien permanent in der Öffentlichkeit, sagt Weise – die Kitas, die Schulen, Handel, Gastronomie, Ausgangssperren. Aber ein großer Teil der Betroffenen werde kaum wahrgenommen. Dazu gehörten die Vereine, die sich um die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen kümmern, insbesondere auch im Sport. Die Organisatoren möchten aber auch andere Vereine einladen, sich einzubringen, und Gruppen wie die behinderten Menschen, die kaum im Fokus stehen. Gerade beim OSSV, so die Vorsitzende Diana Karbe, gebe es eine aktive Truppe, die schwer mit der Situation zu kämpfen habe.

Online-Angebote könnten das Gruppen-Training und soziale Kontakte im Sport nicht kompensieren. So trete inzwischen eine gewisse Lethargie ein, das sei keine gute Entwicklung. Die Motivation, etwas zu tun, schwinde.

Jan Geppert von Tomogara erklärt, was die Mitglieder vereint - der gemeinsame Sport und die Kontakte. Beides sei derzeit kaum möglich. Gerade die Kinder hätten es schwer, ein Podium für ihre Wünsche und Emotionen zu finden. „Aber sie haben ein großes Bedürfnis, sich zu treffen, Sport zu treiben“, so Geppert.

Der Verein habe gute Mitgliederzahlen, nun aber Sorge, dass das durch den Lockdown abbricht. Schon jetzt gebe es Studien zur Generation der dicken Kinder. Es müsse andere Lösungen geben, als die Kinder zu Hause zu lassen. „Wir müssen miteinander reden, wie das machbar ist“, so Gepperts Ansage an die Politik.

OB schlägt einen Modellversuch vor

Denn, so Diana Karbe für den OSSV: „Wir können unseren Sport ohne Schwimmhalle nicht ausüben.“ Sie fordert mehr Gehör für wissenschaftliche Erkenntnisse. Demnach seien die Viren in Schwimmhallen nicht das Problem. Die Vereine wollen wieder aktiv sein. Dazu müssten die Corona-Regeln und Hygiene-Konzepte angepasst werden, so Weise. Er spricht auch von der großen psychischen Belastung für Kinder.

OB Roland Dantz sagt dazu: „Wir haben doch jetzt eine völlig andere Situation als vor Impfbeginn.“ Aus dem Protest könnte seiner Meinung nach ein Modellversuch hervorgehen, wie in Gruppen mit Tests und klaren Hygieneregeln trainiert werden kann. Das würde zur Entspannung beitragen, weil es eine Perspektive eröffnen würde. Im Tanzhaus von „Kamenz can Dance“ wäre das gut möglich. Dantz kritisiert, dass es bisher allerdings in dieser Richtung gar keine Bewegung gebe.

Um die anzuschieben, so Weise, soll es voraussichtlich Ende des Monats einen Sternmarsch geben und eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund.

Stadtratsfraktion der Linken übt Kritik an der Aktion

Kritik kam unterdessen von der Linken-Fraktion im Stadtrat. Die reagierte jetzt mit einem offenen Brief auf den Protest-Tag und das Resümee der Organisatoren dazu: Die Fraktion lehne eine politische Instrumentalisierung von Kindern und Jugendlichen ab.

Irritiert zeigte sich die Fraktion in Bezug auf Zitate aus dem Liedtext „Kinder“ der bekannten Liedermacherin Bettina Wegner: „Leute ohne Rückgrat, hab‘n wir schon zuviel“ war unter anderem in dem Resümee der Protesttag-Organisatoren zu lesen. Kamenzer, die sich nicht beteiligen, würden als rückgrat-, als tatenlos hingestellt, so die Kritik der Linken. Auch die Lebensgeschichte der Liedermacherin spielte im Resümee der Sportvereine eine Rolle. So entstand ein Bezug zum Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes 1968 in der Tschechoslowakei und den Protest dagegen.

Dazu stellt Maik Weise klar, die Bemerkung sollte nur der Erklärung dienen, in welchem zeitlichen Zusammenhang das Lied entstanden ist. Es sollte auf keinen Fall ein Vergleich mit den Corona-Einschränkungen hergestellt werden: „Die Situation ist heute natürlich eine völlig andere“, so Weise. Die Sängerin habe bei ihrem Protest damals an ihr Kind gedacht. Es sei die Intention gewesen, an die Kinder und ihre Zukunft zu denken.

Demos haben eine Ventilfunktion

Das sei auch das Anliegen der Vereine. Kinder und Jugendliche seien der Inhalt der Bemühungen im Vereinsleben, beim Training oder bei Spielen. Gewissermaßen würden die Kinder damit auch instrumentalisiert, aber im positiven Sinne, sagen Maik Weise und Diana Karbe. Und gerade die Liedzeile sei eben nicht als Vorwurf zu verstehen, sondern als Einladung, aktiv zu werden.

OB Dantz sagt, er sieht in der Aktion ein Signal, sich einzubringen und nicht alles hinzunehmen. Das richte sich auch schon an die Kinder: „Sie können lernen, dass es Sinn hat, sich zu engagieren.“ So sei das mit dem geraden Kreuz zu verstehen, es gehe ums Mitdenken. Er sehe in solchen Demos zudem eine Ventilfunktion. Selbst wenn sie im ersten Moment nichts bewirken, sei es wichtig, dass Dampf aus dem Kessel kommt.

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