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Kamenz: Citymanagement auf dem Prüfstand

Seit acht Jahren leistet sich die Lessingstadt eine Stelle, die andere Städte längst abgewählt haben. Nun läuft die aktuelle Förderung aus. Wie geht es weiter?

Seit acht Jahren ist Anne Hasselbach Citymanagerin in Kamenz. Im Mai dieses Jahres läuft die Förderung für die Stelle aus - doch die Stadt will daran festhalten.
Seit acht Jahren ist Anne Hasselbach Citymanagerin in Kamenz. Im Mai dieses Jahres läuft die Förderung für die Stelle aus - doch die Stadt will daran festhalten. © Matthias Schumann

Kamenz. Seit mittlerweile fast acht Jahren hat die Große Kreisstadt Kamenz ein Citymanagement. In Persona ist dies Anne Hasselbach. Doch Ende Mai 2021 läuft die aktuelle Förderung für diesen Posten offiziell aus. Pro Jahr fließen rund 34.000 Euro in das Honorar. Nun könnte es kurzzeitig zu Überbrückungsproblemen kommen.

Doch vor allem an den Finanzen soll der manchmal umstrittene Posten nicht scheitern. Das machte am Donnerstag Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) in einem Pressegespräch deutlich. "Die Stadt Kamenz hatte sich zuletzt 2017 für das Citymanagement bis mindestens Ende 2021 positioniert, und wir sehen gute Chancen, die Stelle darüber hinaus besetzen zu können", so Dantz.

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Neue Förderung wird beantragt

Der Knackpunkt des Fördergeldes sollte also kein Grund für Verunsicherungen sein, heißt es. Zumal ein neues Förderprogramm in Aussicht sei und man mit der Zusage im dritten Quartal dieses Jahres rechnet. Die städtebauliche Förderung von Bund und Land konzentriert sich zukünftig auf die drei Programme "Lebendige Zentren", "Sozialer Zusammenhalt" und "Wachstum und nachhaltige Erneuerung". Insgesamt wird die Städtebauförderung mit Bundesmitteln in Höhe von 790 Millionen Euro fortgesetzt, 300 Millionen werden allein für "Lebendige Zentren" bereit gestellt.

Daraus sollen künftig die Gelder für das Kamenzer Citymanagement geordert werden. "Wir sind optimistisch, dass uns das gelingt. Der Antrag ist in Arbeit", so Doreen-Charlotte Hantschke, Wirtschaftsreferentin im Kamenzer Rathaus.

Wirksamkeit wird analysiert

Dennoch lohnt es sich, von Zeit zu Zeit einen Blick auf Pläne und Ziele, aber auch Geleistetes des Citymanagements zu werfen. Immerhin flossen in den acht vergangenen Jahren hochgerechnet rund 272.000 Euro dafür. Die Stadt selbst stemmte davon einen Eigenanteil von etwa einem Drittel - also rund 90.700 Euro.

Deshalb wurde vom Rathaus und den beteiligten Protagonisten vor einiger Zeit eine Analyse zur Wirksamkeit des Citymanagements in Auftrag gegeben. "Hätten wir nicht Corona, hätte dieses Papier bereits auf den Tischen verschiedener Gremien gelegen", so Oberbürgermeister Roland Dantz. Zurzeit sind - wenn man sich trifft - andere Dinge wichtiger. Doch das Projekt Citymanagement sollte zwischenzeitlich auf den Prüfstein.

Laden-Leerstand ist Maßstab

"Wir wissen alle, dass es durchaus kritische Stimmen von Einzelnen gibt, ob die Arbeit überhaupt etwas bringt", meint OB Roland Dantz. "Hier möchte ich jedoch einmal deutlich sagen: Alle, die sich anstrengen, das Zentrum unserer Stadt zu beleben, können nicht zaubern. Und sie kochen alle nur mit Wasser", sagt er.

Der größte Maßstab, mit dem gemessen würde, ist nach wie vor der Laden-Leerstand in der Altstadt. Dieser ist auch im Kamenzer Stadtkern noch hoch. Viele Bemühungen scheiterten über die Jahre. Neues Gewerbe anzusiedeln, ist schwer. Experimente, wie beispielsweise der Test-Shop, endeten vorzeitig.

Immerhin zwölf dauerhafte Neunutzungen stehen trotzdem zu Buche. Neben einem Busreiseanbieter, dem Bistro Plan B., einem künftigen Frühstücks-Café, Knopf's Holzwerkstatt und dem Bekleidungsgeschäft "Mangelware", waren es vor allem auch Parteibüros, ein Kunst-Atelier, Vereinsräume, Versicherungsagenturen, ein Hostel, die Caritas, Büros und eine Genossenschaft, die einzogen. Dazu kam zehn Räume beziehungsweise Schaufenster mit zeitweisen Zwischennutzungen.

Es sei kein Geheimnis, dass in zahlreichen deutschen Städten nach der Wende vieles in die falsche Richtung entwickelt wurde. Dies wieder auszumerzen, bedeute in der heutigen Zeit auch umzudenken. Gerade werde wieder aktuell laut darüber diskutiert, dass Stadt- und Ortsteilzentren attraktiver und zu identitätsstiftenden Standorten entwickelt werden sollen.

"Schon lange spricht man dabei nicht mehr nur von Gewerbe. Es schließt alles ein - lebenswertes Wohnen, Denkmalschutz, Grünflächen, Erlebnisbereiche, Arbeiten, Wirtschaft und Kultur. Das müssen wir begreifen. Die Innenstädte verändern sich", sagt die Kamenzer Citymanagerin Anne Hasselbach.

24 Events organisiert und Wettbewerbe gewonnen

Die Stadt Bautzen hatte den Zuschuss für ihr Citymanagement letztes Jahr gekürzt. Auch daraufhin hatte der Innenstadtverein seiner Citymanagerin gekündigt, weil er den Posten nicht mehr finanzieren konnte. Bis jetzt gibt es weder neue Ansprechpartner, noch ist klar, wie es mit Aktionen für den Handel weitergeht.

Die Stadt Kamenz steht hinter dem Citymanagement, denn man müsse sich fragen: Was wäre, wenn man Anne Hasselbach nicht hätte? Wäre dann irgend etwas besser? "Ich glaube, das können wir verneinen", so der Oberbürgermeister. Ihre Aufgabe sei es auch, die Kamenzer City-Initiative und andere bei Veranstaltungen zu unterstützen. 24 tolle Events seien so erlebbar geworden, viele Ideen erst aus ihrer Kreativität heraus entstanden. "Außerdem haben wir nie zuvor an so vielen Wettbewerben teilgenommen und sie obendrein gewonnen", lobt Roland Dantz.

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