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Ärger am Kamenzer Steinbruch

Immer wieder gibt es Beschwerden von Anwohnern wegen Staub und Lärm. Was die Stadt nun unternehmen will.

Der Steinbruch in Kamenz sorgt immer wieder für Diskussionsstoff wegen Lärm- und Staubbelastung. Jetzt wieder verstärkt, denn es ist eine neue Anlage geplant.
Der Steinbruch in Kamenz sorgt immer wieder für Diskussionsstoff wegen Lärm- und Staubbelastung. Jetzt wieder verstärkt, denn es ist eine neue Anlage geplant. © René Plaul

Kamenz. Beim Thema Steinbruch im Kamenzer Ortsteil Bernbruch kommt Ortsvorsteher Falk Schnappauf schnell in Rage. Er spricht von Lärm, Staub und Erschütterungen, die Anwohner nicht nur in Bernbruch sondern auch in anderen Ortsteilen quälen würden. Das war schon vor Jahren ein Reizthema. Jetzt hat die Debatte wieder Zündstoff bekommen durch eine neue Anlage für die Produktion von Edelsplitt in den Natursteinwerken Weiland.

Die hat das Oberbergamt in Freiberg bereits genehmigt, wie Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer bestätigt. Es seien damit auch Auflagen zur „Lärm- und Staubemission“ erteilt worden. Doch für viele Anlieger und auch den Kamenzer Stadtrat ist die Sache damit nicht erledigt.

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Stadt verzichtet auf eine Klage

So stand sogar eine Klage der Stadt gegen das Genehmigungsverfahren zur Diskussion. Die Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile (WV) forderte, die Stadt solle das gesamte Planverfahren noch einmal prüfen lassen. Doch davon nahm die Stadt letztlich wieder Abstand. Es sei rechtlich nicht möglich. Das Gericht würde die Klage als unzulässig abweisen, ist man im Rathaus überzeugt. Nur Anlieger selbst oder eine Bürgerinitiative hätten dieses Recht.

Die müssten dann Fakten in der Hand haben, falls es soweit kommen sollte, also nachweisen können, dass die Vorwürfe den Tatsachen entsprechen. Dazu fasste der Stadtrat auf Vorschlag der WV den Beschluss, eine Messanlage aufzustellen. Damit sollen die Belastungen gemessen werden.

Allerdings kann diese Station nur die Staubbelastung ermitteln. Die Stadt arbeite aber daran, zumindest noch eine Lösung für die Lärmmessungen zu finden.

Anwohner wollen das Gespräch suchen

Der Lückersdorfer Ortschaftsrat Dr. Matthias Busch spricht von mehr als 1.000 Betroffenen aus mehreren Ortsteilen und dem Stadtgebiet. Vor allem der Geräuschpegel, das Wummern von Anlagen in der Nacht, raube ihnen den Schlaf. Busch hat sich hinter die Sache geklemmt. Er sei auch selbst schon in der Nacht zum Steinbruch gefahren, um die Lärmquelle festzustellen. Dass sie dort zu finden ist, daran besteht für ihn kein Zweifel.

Die Anwohner, so Matthias Busch, würden aber nicht die Konfrontation suchen. Eine Bürgerinitiative oder der Rechtsweg seien derzeit noch nicht geplant, allerdings als nächste Stufe durchaus eine Option. Fürs Erste wolle man einen Ortstermin erreichen und gemeinsam mit Vertretern der Stadt das Gespräch mit den Steinbruch-Verantwortlichen suchen.

Die wichtigste Forderung: „Es muss eine Ruhezeit in der Nacht festgelegt werden“, sagt Busch. Die sollte von 22 bis 6 Uhr reichen. Verärgert seien die Bürger zudem, weil sie im Planverfahren nicht gehört wurden.

Aus Sicht des Oberbergamtes ist das Planverfahren jedoch völlig korrekt gelaufen, das hat es dem Kamenzer Oberbürgermeister mitgeteilt. Eine Bürgerbeteiligung sei aus Sicht der Bergbehörde nicht nötig gewesen, weil keine wesentlichen Änderungen zu genehmigen wären. Das sehen die Bürger anders.

Oberbergamt: Grenzwerte werden eingehalten

Das Amt beruft sich im Planverfahren auf Zahlen aus dem Jahr 2012 und entsprechende aktuelle Lärm- und Staubprognosen. Alle Grenzwerte würden danach unterschritten. Im Übrigen sei man Beschwerden zum Lärm nachgegangen. Letztlich habe die Quelle jedoch nicht unmittelbar dem Steinbruch zugeordnet werden können. Oder es seien andere Verursacher festgestellt worden.

Durch die neue Anlage werde der Steinbruch weder räumlich erweitert, noch die jährliche Produktion erhöht, so Oberberghauptmann Cramer. Es gehe um die Erweiterung der Produktpalette. Untersagt worden sei das Verladen von Gestein in der Nacht. Der Betrieb bestimmter Bereiche der Aufbereitungsanlage sei aber im Nachtbetrieb zugelassen, räumt die Behörde ein.

In der Vergangenheit wurden Mängel festgestellt

Förderbänder müssten zusätzlich befeuchtet werden, um den Staub zu bremsen. Alle Auflagen würden per Dokumentationen und durch Kontrollen vor Ort überprüft – auch durch unangemeldete. „Das Oberbergamt wird dies auch künftig tun, sowohl routinemäßig als auch anlassbezogen“, teilt Cramer mit. Bei Verstößen werde man auch Ordnungsverfahren einleiten. Mängel habe der Unternehmer abzustellen.

Die seien durchaus in der Vergangenheit festgestellt worden, zum Beispiel verschlissene Gummimatten in der Aufbereitungsanlage. Die sollen den Lärm dämpfen, was sie aber tatsächlich eben nur leisten können, wenn sie intakt sind.

Das Unternehmen selbst äußerte sich nicht auf eine Anfrage von Sächsische.de. In der Vergangenheit hatte es Anwohner-Kritik zurückgewiesen und betont, den Steinbruch vorschriftsmäßig zu betreiben.

Erster Messcontainer wird noch im Frühjahr aufgebaut

Dr. Matthias Busch sagt, natürlich wisse er, dass Baustoffe gebraucht werden: „Und das Unternehmen soll ja auch produzieren.“ Er wünsche sich nur ein faires Nebeneinander mit den Bürgern. Die fordern unter anderem auch mehr unangemeldete Kontrollen. Und bestimmte Anlagen könnten eingehaust werden, um Lärm zu reduzieren, so ein Vorschlag.

Momentan habe das, was Anlieger des Steinbruchs erleben, mit Lebensqualität nichts mehr zu tun. Matthias Busch bezweifelt auch, dass die erwähnten Prognosen im Planverfahren realistisch sind. Es wird sich zeigen: Noch im Frühjahr soll der erste Messcontainer aufgebaut werden.

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