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Kamenz erhält ungewöhnliche Erbschaft

Zugreifen oder nicht? Darüber sollte jetzt der Stadtrat entscheiden. Doch unklar ist, ob die Stadt mit dem Erbe überhaupt etwas anfangen kann.

Erbschaften können voller Schwierigkeiten stecken. Das spürt gerade auch die Stadt Kamenz.
Erbschaften können voller Schwierigkeiten stecken. Das spürt gerade auch die Stadt Kamenz. © dpa-Zentralbild

Kamenz. Es ist wie mit manchen Weihnachtsgeschenken: Der Beschenkte weiß nicht, ob er sich freuen soll. So geht es der Stadt Kamenz derzeit mit einer Erbschaft. Die Information dazu geisterte schon vor Wochen durch den Stadtrat, aber hinter verschlossenen Türen. Auf Nachfrage von Sächsische.de gab sich Stadtsprecher Thomas Käppler geheimnisvoll: „Sie sollten nicht zu viel erwarten.“ Dann wieder Stille im Informationsäther. Bis jetzt.

Nun ist klar: Es geht um zwei Stücke Land im Wert von insgesamt 600 Euro, dabei ein Flecken Wiese nahe der Pulsnitzer Straße. Die Stadt schreibt von landwirtschaftlich genutztem Grünland - schräg gegenüber des Brauereiteichs. Manchmal stehen auch Tiere auf dem weitläufigen Areal. Derzeit sind vor allem die Maulwürfe aktiv. Das Lange Wasser plätschert quer durch das Weideland, das bald der Stadt Kamenz gehören könnte. Quasi ein Wassergrundstück, aber eine Enklave mitten im Grünland anderer Besitzer.

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Das zweite Grundstück befindet sich zwischen Kuckucksburg und Wohnbebauung an der Fabrikstraße. An sich auch schön gelegen, aber derzeit ein Streifen Ackerland eingeklemmt zwischen weiteren Äckern. So ist wohl auch der überschaubare Wert einzuschätzen. Denn es sind immerhin fast 3.000 Quadratmeter.

Mehr Kosten, als das Erbe wert ist?

Nun sollten die Stadträte über das Erbe beziehungsweise die Schenkung entscheiden: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, den Schenkungsvertrag notariell zu vollziehen.“ Das war die Ansage. Aber, ob das tatsächlich gut ist? Daran gibt es Zweifel.

Das Erbe sollte am Ende nicht teurer werden, als es wert ist, forderte etwa Stadtrat André Maak (FDP). Dann wäre er eher nicht begeistert. Wenn Aufwand und Nutzen nicht in einem angemessenen Verhältnis stehen, sollte die Stadt Abstand nehmen, lautete der Rat. Die rechnete schon mal mit 300 Euro an Notarkosten, es könnte aber auch noch teurer werden. Außerdem müssten die Miterben zustimmen, insbesondere wenn das Erbe als Schenkung abgewickelt werden soll, was die Stadt bevorzugt.

Die Rechtslage sei nicht geklärt, befand auch die Linke: „Die Miterben könnten zum Problem werden“, sagte Stadtrat Alex Theile. Er sehe Risiken, auch wenn die Schenkung gut gemeint sei. Am Ende kämen auf die Stadt Verpflichtungen zu, ohne über die Ländereien verfügen zu können. Das Grasmähen etwa, fiel dem unbeteiligten Beobachter ein.

Es sei kein Sinn zu erkennen, wo der Vorteil für die Stadt liegen sollte, einen halben Hektar Grasland zu übernehmen, hieß es aus den Reihen der CDU von Thomas Uslaub.

Ein Vorschlag kam von der Besucherbank: Vielleicht könnten ja im Sommer hier ein paar Schafe friedlich grasen. Damit wäre auch das Problem mit dem Mähen vom Tisch.

Stadt will Schenkung nur, wenn alle Erben zustimmen

Aber Spaß bei Seite. Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) räumte ein, dass der Schenkungsgedanke ja nicht aus der Stadtverwaltung gekommen sei. Aber die Entscheidung des Schenkenden zeuge doch auch von seiner Verbundenheit zu Kamenz. Das Areal an der Kuckucksburg zum Beispiel könnte perspektivisch als Wohnbaustandort interessant werden. Welche Voraussetzungen dafür nötig wären, lasse sich derzeit noch nicht sagen.

So habe es durchaus Sinn für die Stadt Kamenz, in die Erbengemeinschaft einzutreten, heißt es aus dem Rathaus. Allerdings sieht die Verwaltung wohl bereits Anzeichen, dass sich Erben querstellen könnten. Also soll die Schenkung nur angenommen werden, wenn alle Erben zustimmen.

Ein Teil der Räte war wohl letztlich eher ratlos in der Erbsache, wie das Votum offenbarte. Der Beschluss wurde mit zehn zu drei Stimmen angenommen. Aber elf Räte enthielten sich. Und der OB kam zur Erkenntnis: Es sei nicht leicht, etwas geschenkt zu bekommen.

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