merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Extrembergsteiger sucht neue Abenteuer

Früher bestieg Reinhard Richter die höchsten Berge der Welt, heute lässt er die Achttausender links liegen. Doch das Fernweh trieb ihn jetzt wieder raus.

Der Kamenzer Bergsteiger Reinhard Richter war Ende August unterwegs am Mont Blanc. Eigentlich sollte es eine Umrundung werden. Doch anhaltende Regenfälle machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Im Hintergrund sieht man die Europabrücke.
Der Kamenzer Bergsteiger Reinhard Richter war Ende August unterwegs am Mont Blanc. Eigentlich sollte es eine Umrundung werden. Doch anhaltende Regenfälle machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Im Hintergrund sieht man die Europabrücke. © Privat: Reinhard Richter

Kamenz. Wenn ein Extrembergsteiger ins Rentenalter kommt, ist noch lange nicht Schluss mit Abenteuern: Reinhard Richter aus Cunnersdorf bei Kamenz ist das beste Beispiel dafür. Zwar lässt er die Acht- und Siebentausender dieser Wellt mittlerweile links liegen. Doch sein Fernweh, die Sehnsucht nach Bergen und vor allem nach den Menschen, die dort leben, ist ungebrochen.

"Mit 64 Jahren muss es nicht mehr unbedingt ein Gletscher sein, aber eine Mont-Blanc-Umrundung ist noch drin", sagt er schmunzelnd. So fuhr Richter Ende August mit dem Auto nach Frankreich. Dort wollte er eigentlich drei Wochen lang den höchsten Berg der Alpen sowie der Europäischen Union umwandern. Doch es kam anders - wie so oft in seinem Abenteuererleben.

QF Passage Dresden
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert
Dresdens schönste Einkaufs-Passage feiert

Die QF-Passage am Neumarkt wird 15 Jahre alt. Grund genug für eine große Party - und jede Menge exklusive Geschenke.

Dauerregen am Mont Blanc

Nur wenige Tage nach Tourstart begann es, in Dauerschleife zu regnen. "Ich kam gar nicht mehr raus aus meinem Zelt, habe tagelang drin gelegen - rund um die Isomatte stieg das Wasser. Ich konnte meinen Schlafsack nur noch mühsam mit einer Plane abdecken", erzählt er. Völlig durchnässt musste Reinhard Richter die gewählte "Tour du Mont Blanc" nach nur einer Woche abbrechen. Das war kurz vor der französisch-italienischen Grenze.

Doch mit Schlechtwetterfronten hatte er schon umzugehen gelernt. Nicht nur einmal musste er runter vom Berg. Wie 2019 auf der Expedition im Pamir. Der Pik Lenin lehrte ihn und seine Seilschaft vor zwei Jahren Demut am Berg. Schlechtes Wetter und Schicksalsschläge zwangen die Männer zum Abbruch in der Eishölle. "Wir wären sonst erfroren." Dass diese Einschätzung der Lage nicht übertrieben war, mussten sie auf dem Rückweg schmerzhaft erleben, als die Sherpas gerade einen toten Bergsteiger einer anderen Expedition wegbrachten, der es nicht in eines der Basislager geschafft hatte. Keine schönen Bilder, doch sie gehören zur Realität.

Reinhard Richter hat schon die halbe Welt gesehen, jedenfalls ihre Bergregionen. Nepal ist zum Beispiel seine Herzensheimat. Elf Mal war er schon dort. Wenn der Cunnersdorfer von seinen Reisen berichtet, schwingt immer Glück mit. "Das ist so ein wunderschönes Land, mit den wunderbarsten und freundlichsten Menschen", schwärmt er.

Und er weiß durchaus, wovon er spricht. Reinhard Richter ist reiseerfahren. An die 15 Expeditionen hat er bewältigt, zwei Achttausender bezwungen. Dazu kommen zahlreiche Trekking-Touren. Inzwischen konzentriert er sich auf Reisen, die zwar fordernd sind, aber möglichst keine extreme Belastung mehr bedeuten.

"Man muss ein bisschen wahnsinnig sein, um diesen Sport zu betreiben", stellt der mittlerweile 64-Jährige fest. Dass er bisher immer wieder heil vom Berg herunter kam, dafür sei er sehr dankbar. Doch der Körper habe sich jede einzelne Strapaze gemerkt. Das Extreme klinge nach.

Raus aus dem Hamsterrad

Ende vorigen Jahres zog Reinhard Richter einen endgültigen Schlussstrich unter sein arbeitsreiches Leben. Nun ist noch mehr Zeit für Dinge, die er liebt. "46 Arbeitsjahre hatte ich voll. Es war Zeit, aus dem Hamsterrad auszusteigen", sagt er. Seitdem ist Einiges passiert, denn - man ahnt es - Richter kann nicht stillsitzen.

So treibt es ihn immer wieder weg aus dem beschaulichen Cunnersdorf. "Man muss ein Zuhause haben. Eine Basisstation, das ist für Leute wie mich ganz wichtig. Aber meistens dauert es nicht lange, und man will dringend wieder los", sagt er lachend.

Käserei auf der Täschalp im Wallis.
Käserei auf der Täschalp im Wallis. © Privat: Reinhard Richter
Blick von der Aiguille du Midi mit der Seilbahn der Superlative.
Blick von der Aiguille du Midi mit der Seilbahn der Superlative. © Privat: Reinhard Richter
Im Hintergrund ist der Diamant des Wallis zu sehen - das Weißhorn, 4.505 Meter hoch.
Im Hintergrund ist der Diamant des Wallis zu sehen - das Weißhorn, 4.505 Meter hoch. © Privat: Reinhard Richter
Typisch Wallis, die Steinplatten sollen das Eindringen von Ratten und Mäusen verhindern.
Typisch Wallis, die Steinplatten sollen das Eindringen von Ratten und Mäusen verhindern. © Privat: Reinhard Richter
Blick zum Mont Blanc, höchster Berg der Alpen.
Blick zum Mont Blanc, höchster Berg der Alpen. © Privat: Reinhard Richter
Ein Denkmal für die Erstbesteiger des Mont Blanc in Chamonix.
Ein Denkmal für die Erstbesteiger des Mont Blanc in Chamonix. © Privat: Reinhard Richter

Im vergangenen Herbst probierte er sich bei der Bergbauernhilfe Südtirol aus, arbeitete dort auf einem entlegenen Hof mit. Über den Verein "Freiwillige Arbeitseinsätze" wurde ihm der Kontakt vermittelt. Die Erfahrung in der rauen Bergwelt hat ihm gefallen. Dass Richter technisch versiert ist, kam ihm dabei zu Gute. Und auch dem Bauern. Weitere Einsätze könnte er sich durchaus vorstellen, aber zwischendurch wurde bereits ein neuer Gedanke geboren.

"Nach der abgebrochenen Mont-Blanc-Tour fuhr ich noch nicht heim, sondern lernte andere Landstriche kennen, habe schöne Bergtouren unternommen. Zum Beispiel auf die Täschalp. Vor allem im Mattertal im Wallis in der Schweiz hat es mir gefallen. Die dortige Mentalität hat mich beeindruckt", erzählt Richter. Auch das kleine Fürstentum Liechtenstein habe ihm imponiert.

Überall kam er mit Menschen ins Gespräch, ob auf Bauernhöfen oder auf dem Campingplatz. Die Arbeit liege dort sozusagen auf der Straße. "Ich bin noch nicht am Ende angekommen. Ich denke, dort wird es mich nächstes Jahr zum Arbeiten auf Zeit hinziehen. Oder schon im Winter. Skifahren wollte ich ja immer richtig lernen", sagt der Bergsteiger schmunzelnd.

Mehr zum Thema Kamenz