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Kamenz: Wilde Bebauung im Wald sorgt für Unmut

Ein Kamenzer entdeckt auf einem Spaziergang mit seinem Enkel eine Bretterbuden- und Müllsiedlung in der Natur. Nun reagiert die Stadt.

Uwe Mittrach entdeckte bei einem Spaziergang mit seinem Enkel diese wild bebaute "Müllecke" in einem Waldstückchen von Kamenz-Bernbruch. Er fragt: Ist so etwas eigentlich erlaubt?
Uwe Mittrach entdeckte bei einem Spaziergang mit seinem Enkel diese wild bebaute "Müllecke" in einem Waldstückchen von Kamenz-Bernbruch. Er fragt: Ist so etwas eigentlich erlaubt? © Ina Förster

Kamenz. Nils will es ganz genau wissen. "Opa, ist das eine Festung? Oder wohnt hier eine Hexe?", fragt der Fünfjährige und schaut staunend auf die Bretterburg mitten im Waldstückchen im Kamenzer Ortsteil Bernbruch. Und Opa Uwe Mittrach kommt in Erklärungsnot. Was das hier sein soll, weiß er auch nicht so genau. Ein verwilderter Waldgarten? Eine private Müllhalde? Ein Abenteuerspielplatz von Jugendlichen? Bauwagen, ruinöse Bretterbuden und Tierställe, abgestellte Farbeimer, dazwischen Metall-Gerümpel und Essensreste - er kann sich keinen Reim darauf machen.

"Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als ein Grundstück mit richtig viel Müll, der schon ewig hier herumliegen muss", sagt der Kamenzer. "Ich bin kein Grüner, kein Meckerer und Nörgler. Ich will auch keinen Stress. Aber diese Müll-Siedlung im Wald hat mich nachhaltig beschäftigt", sagt er.

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Gibt es keine Auflagen für solche Bebauungen?

Deshalb wendet sich Uwe Mittrach erst an seine User auf Facebook - und später an Sächsische.de. Das Gelände liegt versteckt im Busch. Der Drahtzaun ist heruntergetreten. Ein bisschen Stacheldraht liegt noch herum. Die Besitzer beziehungsweise Mieter des Grundstückes wollten sich wohl abschotten. Doch die Natur und die Zeit haben dagegen gearbeitet. Die Tür des Bauwagens ist unverschlossen. Dahinter hat Mittrach mehrere alte Kühlschränke erspäht.

"Ich frage mich, ob so etwas überhaupt erlaubt ist", meint der Kamenzer. Überall, in jeder kleinen Gartensparte gebe es viele Auflagen, wie man etwas zu bauen hat. Und ob man es überhaupt darf. "Wie ist hier die Sachlage?", fragt sich Mittrach.

Die Situation vor Ort ist wahrlich chaotisch. Doch frische Essensreste zeugen davon, dass hier ab und zu Bewegung ist. Vielleicht werden Tiere gefüttert?
Die Situation vor Ort ist wahrlich chaotisch. Doch frische Essensreste zeugen davon, dass hier ab und zu Bewegung ist. Vielleicht werden Tiere gefüttert? © Privat / Mittrach
Bretterverschläge und uralte Bauwagen "zieren" das umzäunte Areal mitten in der Natur.
Bretterverschläge und uralte Bauwagen "zieren" das umzäunte Areal mitten in der Natur. © Privat / Mittrach
Kein schöner Anblick mitten im Wald, findet Uwe Mittrach.
Kein schöner Anblick mitten im Wald, findet Uwe Mittrach. © Privat / Mittrach

Auf Nachfrage beim Umwelt- und Forstamt des Landkreises ist schnell klar, dass das Areal so höchstwahrscheinlich nicht legal bebaut wurde: " Grundsätzlich ist es ohne Privilegierung nicht zulässig, Gebäude im Wald zu errichten beziehungsweise Bauwagen dauerhaft abzustellen. Auch das Lagern von Abfällen entspricht nicht einer ordnungsgemäßen Waldwirtschaft", teilt Pressesprecherin Sabine Rötschke mit. Dem Amt sei das betreffende Grundstück aber noch nicht gemeldet worden.

Und was sagt die Stadt Kamenz dazu? "Es handelt sich um ein Privatgrundstück und kein städtisches", erklärt Stadtsprecher Thomas Käppler, nachdem sich die Verantwortlichen das Grundstück angesehen haben. "Auf den ersten Blick geht davon keine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit aus, auch wenn es chaotisch aussieht. Wir sind dabei herauszufinden, wer unser Ansprechpartner ist, da es sowohl ein Pächter als auch Eigentümer sein könnte. Ist diese Angelegenheit geklärt, werden wir den Betreffenden anschreiben und ihn mit Nachdruck auf die wahrlich nicht schöne Situation aufmerksam machen", sagt Käppler weiter.

Kritiker bietet Hilfe beim Aufräumen an

Uwe Mittrach bekam auf seinen Facebook-Post übrigens etlichen Gegenwind zu spüren. "Für mich ist dies aber kein Einmischen in Privatangelegenheiten, sondern ein Einsatz für die Umwelt. Ich bin gern bereit zu helfen, wenn es nötig sein sollte. Vielleicht schaffen es die Grundstückspächter oder -besitzer nicht mehr allein, dort aufzuräumen. Ich habe bereits bei anderen solchen Aufräumaktionen angepackt", sagt der Kamenzer.

Ihm sei es wichtig, aufmerksam zu machen auf solcherlei Umstände. "Kamenz ist schön, hat sich entwickelt, aber es gibt auch immer wieder solche Ecken in der Stadt. Das muss nicht sein", findet er. Für Enkel Nils möchte er gern Vorbild sein.

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