merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Viele Ideen für alte Straßenmeisterei

Wohnen, Gewerbe oder ein Außengelände für Sportler? Der Kreis will das Grundstück verkaufen, doch wer das Rennen macht, ist noch längst nicht klar.

Die Hallen der früheren Straßenmeisterei des Kreises in Kamenz stehen ungenutzt. Der Landkreis will das Areal offenbar verkaufen.
Die Hallen der früheren Straßenmeisterei des Kreises in Kamenz stehen ungenutzt. Der Landkreis will das Areal offenbar verkaufen. © Matthias Schumann

Kamenz. Was war das für ein Betrieb im Sommer wie im Winter, als hier über 20 Straßenwärter ihren Stützpunkt hatten. Fast 300 Kilometer Straße betreute die Mannschaft im Raum Kamenz und rückte im Winter mit den Streufahrzeugen aus. Seit dem Umzug in die neue Straßenmeisterei in Königsbrück ist es auf dem Areal in Kamenz gegenüber vom Kaufland An der Windmühle ruhig geworden.

Das Grundstück samt Immobilien gehört dem Kreis. Der brauche das Grundstück nicht mehr, erklärt Cynthia Thor, Sprecherin im Landratsamt. Auf dem Areal befindet sich derzeit noch das Büro- und Unterkunftsgebäude der ehemaligen Straßenmeisterei sowie die Werkstatt. Dort wurden früher die Fahrzeuge und Geräte der Meisterei gepflegt. Zwei Hallen und Kleingaragen stehen noch auf der Fläche. Den Zustand schätzt die Kreisbehörde als gut ein.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Der Kreis will das Gelände nun mit den Gebäuden ausschreiben – in drei Teilen. Davon erhofft sich die Kreisverwaltung mehr Interessenten und auch effektivere Nutzungsmöglichkeiten. Insgesamt sind es fast 28.000 Quadratmeter, die angeboten werden. Die einzelnen Flächen sind rund 9.000, 8.800 und 9.900 Quadratmeter groß.

Stadt hat Kaufinteresse

Auch die Stadt Kamenz hat Interesse, im Stadtrat wurde bereits über die ehemalige Straßenmeisterei gesprochen, bisher ohne Öffentlichkeit. Auch Wolf-Dietrich Schomber - Chef der Kommunalen Dienste Kamenz (KDK) und der Städtischen Wohnungsgesellschaft SWG - formuliert vorsichtig. Man könne sich vorstellen, die Fläche am Siedlungsweg neu zu strukturieren, sagt er. Das könnte schon in Richtung Wohnungsbau deuten. Weiter ins Detail gehen Geschäftsführer und Stadt noch nicht.

Die prüft zudem, welche baurechtlichen Möglichkeiten es gibt, die Entwicklung im Sinne der Stadt zu steuern. Durchgerechnet werde auch der Kauf durch eine Eigengesellschaft. Dem Landkreis sei das Interesse der Stadt Kamenz grundsätzlich bekannt, so Schomber. Offenbar will der Kreis aber auch noch andere Interessenten ansprechen.

Vielleicht auch aus dem Handel? Das könnte weniger ins Stadtkonzept passen. Voraussichtlich im Juni soll das Areal auf der Internetplattform des Landratsamts angeboten werden. Wer das Rennen macht, ist längst nicht raus.

Wohnen für junge Familien

In den Stadtratsfraktionen hat unterdessen die konzeptionelle Arbeit für das große Areal begonnen. Die Wählergemeinschaft Kamenz und Ortsteile hält sich noch etwas bedeckt, weil das Thema zwar bekannt, aber bisher ohne die Öffentlichkeit beraten wurde.

Worauf schon das Engagement des Chefs der Wohnungs-Gesellschaft schließen lässt, beschäftigt auch Stadträte quer durch die Fraktionen. Es wäre ein geeigneter Standort, um Wohnungsbau zu entwickeln. Bei Stadt-Land-Frau hält Sylvia Horn fest: „Kamenz braucht attraktive Grundstücke für junge Familien, die sich hier niederlassen möchten. Aber dieser Vorschlag soll nur eine Variante sein“, erklärt sie. Es gibt noch mehr Ideen – in Richtung Sport. Immerhin sei das Stadion gleich um die Ecke. Das passe.

Oder Raum für Gewerbe?

Der Wunsch junger Leute wäre ein Freigelände für Außentraining. Trainings mit dem eigenen Körpergewicht sei ein Thema. Dieser Sport ist auch als Calisthenics bekannt mit unterschiedlichen Barren- und Reckstangen. Das Gelände könnte außerdem Anlaufpunkt für Familien mit kleineren Kindern werden mit Balancierbalken und Sitzecken zum Verweilen. „So ein Außengelände könnte die jüngsten und die älteren Generationen wunderbar zusammenbringen“, schlägt die Fraktion vor.

Es sind bisher alles Gedankenspiele. Maik Weise (CDU) stellt klar: „Ob man dort eine Wohnbebauung etabliert oder mit Gewerbeflächen das Angebot in diese Richtung ergänzt, muss noch beraten und entschieden werden.“ Vorstellbar sei auch beides in einer Mischform nebeneinander.

Kaufpreis ist entscheidend

„Wichtige Voraussetzung wäre natürlich der passende Kaufpreis“, so Maik Weise. Letztlich müsse so ein Projekt finanzierbar sein. „Wir müssen an die Haushaltslage in der Stadt denken, die angesichts des großen Finanzbedarfs für Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie jedenfalls nicht besser wird.“

Thomas Lieberwirth (Linke) sieht noch ein weiteres Problem. Nach vielen Jahren einer Straßenmeisterei auf dem Areal müsse die Stadt gut aufpassen. Eine Altlasten-Sanierung könnte teuer werden. Das sei genau zu prüfen. Seine Fraktion könne sich gut vorstellen, dass die Kommunalen Dienste Kamenz (KDK) das Areal nutzten, zum Beispiel für die Stadtgärtnerei, die was Neues brauchen könnte. Einfamilienhäuser seien ebenfalls denkbar.

Ein kleines Teilstück will der Kreis übrigens doch behalten - und zwar den Bereich der Salzhalle mit der umliegenden Fläche und dem Funkmast, sagt die Pressesprecherin. So hält der Kreis zumindest einen kleinen Stützpunkt für den Winterdienst, um bei Eis und Schnee rasch reagieren zu können.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz