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Kamenz: Weihnachten soll niemand allein zu Hause sitzen

Eine Kamenzerin organisiert für den ersten Weihnachtsfeiertag eine Feier für Menschen, die sonst einsam wären. Jeder kann etwas dazu beitragen.

Von Reiner Hanke
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Bäcker Dominik Selnack unterstützt die Weihnachtsfeier, die Franziska Petrick in Kamenz für einsame Menschen organisiert. Auch bei ihm stehen Spendenboxen dafür.
Bäcker Dominik Selnack unterstützt die Weihnachtsfeier, die Franziska Petrick in Kamenz für einsame Menschen organisiert. Auch bei ihm stehen Spendenboxen dafür. © Matthias Schumann

Kamenz. Sie stehen bei Bäckern, Ärzten oder Fleischern in Kamenz: hölzerne Sammelhäuschen und kleine rosa Sparschweinchen. Alle mit erläuternden Worten. Hier sollen bis Weihnachten Geldstücke klimpern. Das wünscht sich Franziska Petrick. Die Kamenzerin hat eine Weihnachtsaktion angeschoben und auch die Stadt dafür gewonnen.

Die Organisatoren wollen Singles, einsamen und alleinstehenden Menschen ein bisschen Freude in der Weihnachtszeit bringen und laden für den ersten Weihnachtsfeiertag ins Kamenzer Haus der Begegnung ein.

Mit dem Gedanken habe sie sich schon längere Zeit getragen, aus der beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit heraus, sagt Franziska Petrick. Als Rettungsassistentin habe sie in der Vergangenheit viel Kontakt zu Senioren gehabt. Und außerdem in der Freizeit ihre Omis und Opis besucht - und in einem Kamenzer Pflegeheim die Mitarbeiter unterstützt.

Stadtverwaltung unterstützt die Aktion

In den Einrichtungen sei auch an den Weihnachtstagen etwas los. Andere Menschen seien aber in ihren eigenen vier Wänden allein, deshalb die Idee. Neben Fernstudium und Arbeit hat sich Franziska Petrick nun auch auf die Vorbereitung der Feier gestürzt.

Zumal die Corona-Pandemie die Situation der Menschen noch weiter zuspitze durch Kontaktbeschränkungen. Außerdem seien solche Angebote schwierig geworden. Gerade gerade deshalb wolle sie die Feier.

So habe sie nun losgelegt und im neuen Fachbereich Familie/Soziales im Rathaus sofort Unterstützung gefunden. Es sei eine toll Sache, sagt Katrin Andrews, die Leiterin. Die Stadt wolle die Weihnachtsaktion unterstützen und plane, ein Spendenkonto einzurichten. Außerdem werde der Bürgerladen „Gemeinsinn“ auf der August- Bebel-Straße, ein städtisches Projekt, mit eingebunden.

Betroffene sollen direkt angesprochen werden

Dort kümmern sich Mitarbeiter um Menschen in dem Stadtgebiet, eben weil hier viele Leute allein in ihrem Zuhause lebten. Der Bürgerladen organisiere Nachbarschaftshilfe, sei als Ansprechpartner da und knüpfe Kontakte. Wer, wenn nicht die Leute vom Bürgerladen, wissen bescheid, wo die Einladung zum Weihnachtsfest an der richtigen Adresse ist.

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Katrin Andrews weiß, dass Menschen, die allein leben, nicht immer so leicht zu erreichen sind. Sie seien zurückhaltend. Manchmal brauchten sie aber auch nur einen kleinen Schubs oder eine Information, um einen schönen Tag verleben zu können, sagt Katrin Andrews. Einsamen Menschen falle es manchmal nicht leicht, über ihren Schatten zu springen und sich anzumelden. Dann sei es besser, sie direkt anzusprechen.

Gefeiert wird, wenn andere in Familie den Gänsebraten in den Ofen schieben. Genau dann sei es der richtige Zeitpunkt für dieses besondere Weihnachtsfest, sagt Franziska Petrick, für Menschen, die eben nicht gemeinsam mit der Familie oder mit Freunden feiern können. „Das kann nicht irgendwann stattfinden“, sondern dann, wenn Einsamkeit am schlimmsten wehtue.

Musizierende sind willkommen

Natürlich sei auch die eigene Familie wichtig an den Weihnachtstagen. Aber darüber hinaus „sollten wir nicht vergessen, wer besonders unter der Pandemie leidet" und andere Menschen unterstützen, ein bisschen Wärme und Zuneigung schenken.

Für die potenziellen Gäste soll es die eine oder andere Aufmerksamkeit geben, deshalb ist Franziska Petrick bei Firmen unterwegs. Ein Herz für einsame Menschen hätten eigentlich alle. Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass es in Folge von Corona etlichen Geschäftsleuten wirtschaftlich nicht gut gehe, sie gern spenden würden, aber es sich nicht leisten könnten.

Jede Kleinigkeit sei Gold wert. So würden große Schüsseln für den Kartoffelsalat gebraucht. Dazu soll es traditionell Würstchen geben, vielleicht auch Kamenzer. Natürlich müssen auch Getränke besorgt werden. Alles, was Freude bereitet, sei gefragt. Zum Beispiel auch, wenn jemand vorbei komme und musiziere.

Wer kann Lichterketten ausleihen?

Vielleicht haben Kita-Kinder Lust, für die Feier zu basteln, eventuell auch einen kleinen Bauschmuck für die Gäste als Erinnerung an den Tag. Schön wäre es, wenn Kamenzer vielleicht einfach nur Deko-Gegenstände oder eine Lichterkette leihweise zur Verfügung stellen könnten.

Franziska Petrick habe von anderen Städten gelesen, in denen es ähnliche Veranstaltungen gebe, in Pirna zum Beispiel und in Dresden. „Das hat sich gut eingespielt und findet viel Zuspruch, warum sollte das in Kamenz anders sein“, sagt die junge Frau.

Ab 11.30 Uhr stehen die Türen des Hauses der Begegnung am 25. Dezember offen. Franziska Petrick hofft, dass das trotz Corona möglich sein wird. Sie bittet die Gäste, möglichst schon mal zwei Tage vor dem Feiertag einen Corona-Test zu absolvieren. Am 25. werde sie auf jeden Fall genug Tests für alle Besucher vorrätig haben: „Dann können wir entspannt feiern.“

Die Anmeldung zur Feier sollte aus organisatorischen Gründen bis zum 12. Dezember erfolgen - unter: 03578 379233 oder [email protected]