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Kamenz: Wolfsangriff im Wildgehege

Drei Tiere hat der Eigentümer der Anlage am Flugplatz verloren. Die restlichen will er nun besser schützen. Doch ihn treibt noch eine andere Sorge um.

Im Wildgehege am Kamenzer Flugplatz tummelt sich Rot- und Damwild. Nach einem Wolfsangriff ist nun wieder Ruhe eingezogen.
Im Wildgehege am Kamenzer Flugplatz tummelt sich Rot- und Damwild. Nach einem Wolfsangriff ist nun wieder Ruhe eingezogen. © René Plaul

Kamenz. Etwa 150 Tiere - Rot- und Damwild - weiden friedlich im Wildgehege von Jörg Mietz in Kamenz. Das gibt es schon seit etlichen Jahren neben dem Flugplatz. Umso größer sei der Schock für ihn gewesen, als er vor Kurzem nach dem Wild schaute. Jörg Mietz zeigt verstörende Fotos, die er an jenem Tag schoss: ausgeweidete Tiere, bis auf die Knochen abgenagte Gerippe, regelrecht skelettiert. Das sei typisch für den Wolf. Und Wolfsspuren habe er auch gefunden, davon ist Jörg Mietz überzeugt.

Er zog einen Sachverständigen von der sächsischen Fachstelle Wolf hinzu. Der bestätigte die Vermutung und stellte auch schriftlich fest: Der Mindestschutz war durch einen Festzaun erfüllt. Der ist eigentlich unüberwindbar hoch für Wölfe. Für den Kamenzer ist deshalb klar, die Raubtiere müssen sich darunter hindurch gegraben haben. Entsprechende Spuren seien zu finden und auch als Foto dokumentiert.

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Zwei trächtige Alttiere hätten die Wölfe völlig zerrissen und einen Spießer, wie das männliche Tier heißt. Allein durch die drei Tiere liege der Verlust bei über 800 Euro. Das seien die Preise beim Verkauf lebender Tiere. Dazu kommen die ungeborenen Kälber, die auch verloren sind.

Tierhalter will Schadensersatz

Er werde nun Schadensausgleich beantragen, sagt Mietz. Er habe schon gewusst, dass Wölfe in der Region unterwegs sind, aber "nicht gedacht, dass es so extrem werden könnte". Er habe auch sofort Tierhalter in der Nähe informiert. Alarmierend sei für ihn, dass die Wölfe so nah an bewohnte Teile der Stadt herangerückt sind. Nebenan gibt es die Unterkunft für Asylbewerber mit vielen Kindern, die auch abends gern gucken kämen. Er hoffe, dass nichts passiere.

Die Wölfe ließen von den drei Tieren - alles Damwild - nur die Knochen und das Fell überig.
Die Wölfe ließen von den drei Tieren - alles Damwild - nur die Knochen und das Fell überig. © privat

Jörg Mietz will den Schutz seiner Tiere im Wildgehege nun deutlich verbessern. Er habe bereits elektrischen Schutz montiert, was wohl auf Dauer nicht reichen werde. Deshalb wolle er noch einmal Geld für weitere Schutzanlagen in die Hand nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Wolf in Kamenz gesichtet wurde und Schaden anrichtete. An der Eselsburg wurden in der Vergangenheit Nutztiere Opfer des Raubtieres und auch am Tuchmacherteich. In Wiesa riss der Wolf etliche Kamerunschafe. Gerade im Januar wurden aus der Region um Kamenz wieder einige Wolfsrisse gemeldet: Aus Panschwitz-Kuckau, Elstra und Räckelwitz – allein dort sieben.

Experten bitten: Wolfssichtungen melden

Die Angst des Menschen vor Wolfsangriffen, die auch beim Kamenzer Tierhalter Mietz anklingt, will die Fachbehörde zerstreuen: Der Wolf sei auf seine spezielle Beute fokussiert und interessiere sich nicht für den Menschen, schätzen die Wolfsfachleute ein, Übergriffe seien höchst selten. Das Gefahrenpotenzial sei aus ihrer Sicht auch nicht gestiegen, heißt es.

Auffälliges Verhalten von Wölfen sei aber möglich. Aus diesem Grund sei es wichtig, Sichtungen und Begegnungen mit Wölfen zeitnah an das Wolfsmanagement zu melden. So könnten frühzeitig Erkenntnisse gesammelt, und es könne reagiert werden. Dazu würden sogenannte Vergrämungsaktionen gehören, im Einzelfall könne auch der Abschuss eines Tieres eingeleitet werden.

Das stehe nur auf dem Papier, meint allerdings der Kamenzer Jäger Dietrich Schniebel. Er wisse von keinem Antrag im Landkreis, der genehmigt wurde. Er fordert daher Änderungen im Wolfsmanagement und beim Schutzstatus des Wolfes. Es sei auch eine Forderung vieler Nutztierhalter.

Solche Spuren (mit dem Feuerzeug daneben als Größenvergleich) fand Jörg Mietz im Wildgatter. Die stammen auch nach Aussagen von Fachleuten vom Wolf.
Solche Spuren (mit dem Feuerzeug daneben als Größenvergleich) fand Jörg Mietz im Wildgatter. Die stammen auch nach Aussagen von Fachleuten vom Wolf. © privat

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