merken
PLUS Kamenz

Eine Erfolgsgeschichte am Kamenzer Bahnhof

Hier gibt's Tickets, Snacks und Beratung. Seit zehn Jahren hat Kamenz etwas, was in vielen anderen Kleinstädten fehlt - jetzt mit einem neuen Angebot.

Seit zehn Jahren betreiben Alexander Maschke (l.) und Mario Lorenz das Kamenzer Büdchen am Bahnhof. Jetzt hat ihr Laden sogar einen Online-Shop.
Seit zehn Jahren betreiben Alexander Maschke (l.) und Mario Lorenz das Kamenzer Büdchen am Bahnhof. Jetzt hat ihr Laden sogar einen Online-Shop. © René Plaul

Kamenz. Unterkriegen ist nicht! Schon gar nicht bei Alexander Maschke und Mario Lorenz vom "Kamenzer Büdchen". Über die letzten zehn Jahre haben sich die beiden Geschäftsleute ein stabiles Fundament für ihren Laden aufgebaut. Viele Bahn- und Busreisende freuen sich über ihr Engagement in durchaus auch mal holprigen Zeiten. Erst kürzlich kämpften die beiden Männer mit einer Strafzahlung an den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO).

Grund dafür waren kürzere Öffnungszeiten während der Corona-Krise. Deshalb sollten sie einen Teil der Provisionszahlungen für den Ticketverkauf zurück überweisen. "Da rutscht einem schon mal kurz das Herz in die Hose. Aber nach einem langen Gespräch wurde diese Forderung glücklicherweise zurückgenommen", erzählt Mario Lorenz erleichtert.

Elbgalerie Riesa
Hier macht Shoppen glücklich!
Hier macht Shoppen glücklich!

"Alles bekommen. In Riesa." – dieses Motto lebt die Elbgalerie Riesa.

Negative Gegenbeispiele in anderen Städten

Der Kamenzer Bahnhof hat mit dem "Büdchen" und dem dazu gehörigen Ticketservice eine Aufwertung bekommen. Schaut man in andere Kleinstadt-Bahnhöfe der Umgebung wie in Pulsnitz, Königsbrück oder Radeberg, findet man viele negative Gegenbeispiele. Wer ab Kamenz in die weite Welt verreist, kann vorher zumindest gepflegt Kaffee, Brötchen, Bockwurst sowie Zeitschriften, Süßigkeiten und Getränke ordern.

"Aktuell haben wir unser Sortiment um einige Drogerieartikel vergrößert. Die Krise brachte andere Befindlichkeiten mit sich", sagt Alexander Maschke. Deswegen gibt's jetzt beispielsweise auch Toilettenpapier und Mund-Nase-Masken.

Für Kundenfreundlichkeit sogar schon ausgezeichnet

Das zehnjährige Jubiläum des "Büdchens" hätten die Beiden sicherlich gern größer gefeiert, doch die Corona-Krise lässt derzeit dafür keinen Spielraum. "Wir sind aber natürlich stolz auf uns und freuen uns mit unseren Kunden über das Geschaffte", sagt das Paar. Nicht nur Service und Freundlichkeit der Betreiber am Bahnhof imponieren vielen. Auch das Flair passt. 2015 gab es für die Kundenfreundlichkeit sogar den "Goldenen Mobilius" vom VVO.

Im Februar 2011 war Eröffnung des Büdchens. Zwei Jahre später kam der komplette Fahrschein-Service mit dazu. Denn der VVO gab damals seine Mobilitätszentrale auf. Seitdem werden die Kunden von den Büdchen-Betreibern an einem liebevoll gestalteten Ticketschalter beraten. Kurz vor "um" ist immer besonders viel los. Da platzt das Büdchen aus den Nähten. Jedenfalls in Nicht-Krisenzeiten.

Die Corona-Flaute genutzt, um etwas Neues aufzubauen

"Corona hat für einige Umsatzeinbußen gesorgt", sagt Alexander Maschke. Im ersten Lockdown seien die Züge und Busse teilweise gespenstig leer gewesen. Mittlerweile boome zumindest der Berufsverkehr auf altem Niveau. Besonders in den frühen Morgenstunden. Bereits 3.30 Uhr werden die Beiden von der ersten Städtebahn geweckt. Denn sie wohnen auch auf dem Bahnhofsgelände. Danach muss es schnell gehen - die Frühaufsteher-Kunden brauchen Kaffee und Proviant.

Noch immer hat das " Büdchen" nur bis 12 Uhr geöffnet. Die verkürzten Zeiten seien nötig. Denn am Nachmittag sei nicht viel los. Wohin sollten die Menschen auch groß fahren? "Wir waren aber nicht untätig und haben die Krise genutzt, um unsere Digitalisierung voranzutreiben", berichtet Alexander Maschke.

Der 38-Jährige zeigt stolz den Online-Shop auf der Homepage. Vor allem die kleinen Modellbusse und -bahnen, auf die sich das "Büdchen" spezialisiert hat, werden so in alle Welt vermarktet. Auch schon mal bis nach Amerika. "Wir verschicken eigentlich alles, was die Kunden haben wollen", sagt Mario Lorenz. Auch sämtliche Tickets gehen, wenn gewünscht, per Post ins Umland.

Halbstundentakt kommt im Dezember

Dass der Kamenzer Bahnhof sich entwickelt, finden alle gut. Auch einen Monitor, auf dem die Abfahrtszeiten angezeigt werden, gibt es seit 2018 in der Wartehalle. Dafür haben sich die Büdchen-Betreiber stark gemacht. So können Fahrgäste einen Überblick bekommen und gleich sehen, ob Bus und Bahn pünktlich sind oder nicht.

"Ab Dezember 2021 kommt dann endlich der langersehnte Halbstundentakt für unsere Bahnstrecke", freut sich Alexander Maschke. Das sei vor allem attraktiv für Pendler von außerhalb, die erst einmal mit dem Bus nach Kamenz kommen und dann mit dem Zug weiter nach Dresden fahren. "Wenn sie Pech hatten, fuhr ihnen bislang der Zug vor der Nase weg, und sie mussten eine Stunde warten. Das wird besser!"

Großer P+R-Parkplatz entsteht ab 2023

Und dann steht da noch ein großes Projekt an: der Bau eines großflächigen P+R-Platzes im Bereich des Güterbahnhofs der Deutschen Bahn. Inklusive einer Brücke, damit die Fahrgäste über die Gleise kommen. Die Kosten von etwa drei Millionen Euro kann die Stadt Kamenz nicht allein stemmen. Freistaat und Verkehrsverbund sitzen mit im Boot. Baustart soll 2023 sein.

"Wir freuen uns, dass der Bahnhof weiter an Bedeutung gewinnt. Das kommt auch uns entgegen", sagt Maschke.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz