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Was ist denn hier los? Hutbergturm verhüllt

Pilgerin Kerstin Boden aus Kamenz schaffte es mit vielen Helfern, den Aussichtsturm einzustricken. Die Aktion hatte gleich mehrere positive Effekte.

Der Lessingturm auf dem Kamenzer Hutberg wurde jetzt für einen Tag mit 6.000 Wollquadraten verhüllt.
Der Lessingturm auf dem Kamenzer Hutberg wurde jetzt für einen Tag mit 6.000 Wollquadraten verhüllt. © René Plaul

Kamenz. Während am vergangenen Wochenende in der Kamenzer Altstadt das dreitägige Stadtfest lief, spielten sich auf dem Gipfel des Hutberges nicht alltägliche Szenen ab. Nach monatelanger Vorbereitung wurde am Sonnabendvormittag der Lessingturm eingehüllt - und das mit ziemlich bunten Maschen und auf besondere Weise. Zahlreiche Neugierige waren angereist, zum Teil von weit her. Das hatte seinen Grund, denn an der Aktion waren auch Pilger aus ganz Deutschland beteiligt. Aufgerufen zur Kunstaktion hatte die Kamenzerin Kerstin Boden bereits vor ein paar Monaten.

Die verrückte Idee, den Aussichtsturm mit 6.000 Woll-Quadraten einzustricken, wurde nun in die Tat umgesetzt. Glücklicherweise spielte das Wetter mit und erfreute die "Strickliesel" mit bestem Sommerwetter. Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) war voller Lob über das Geleistete. "Wenn man von so einer Idee hört, dann denkt man erst einmal: Verrückt! Aber das klang so schräg, dass es schon wieder gut war", gestand er. Man denke sofort an Christo und andere Verhüllungs-Aktionen. Und man habe Bilder im Kopf.

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Doch so bunt und schön habe er sich das Ganze nicht vorgestellt. "Als wir die ersten Proben auf dem Markt gesehen haben, zu ebener Erde liegend vor ein paar Wochen, da war das schon toll. Das Endprodukt toppt aber alles. Nochmals ein Kompliment, was Kerstin Boden und ihren Mitstreitern da gelungen ist."

Pilgerherberge soll eine Dusche bekommen

Auch die Idee, das Ganze mit einer Spendensammlung zu verbinden, fanden viele Leute toll. Die kleine Pilgerherberge am Fuße des Turmes hat nämlich eine größere Sanierung nötig. Vor allem eine Dusche und ein neues WC werden dringend benötigt. Das Ganze kostet eine Menge Geld, welches weder die evangelische Kirchgemeinde Kamenz zur Verfügung, noch die Stadtverwaltung aktuell eingeplant hatte.

Als Hausherr war Pfarrer Michael Gärtner zur Verhüllung anwesend. Er freute sich stellvertretend für die Kirchgemeinde über das Engagement der Kamenzer. Initiatorin Kerstin Boden sagte: "Wir wollten ein Zeichen setzen dafür, dass wir direkt am Jakobsweg wohnen. Und dass die Leute wieder einmal daran erinnert werden, dass es hier so etwas Besonderes gibt." Auf ihren Pilgerreisen hatte sie die Vorzüge einer warmen Dusche und eines ordentlichen WC schätzen gelernt.

Rund 8.500 Euro wurden schon gespendet

Am Wochenende kamen rund 2.000 € in den Spendentopf. Da die Aktion aber bereits Wochen vorher lief, darf man sich über insgesamt etwa 8.500 € freuen. Natürlich reicht das noch nicht für die geplanten Arbeiten. Oberbürgermeister Roland Dantz bekräftigte zur Verhüllung, dass die Stadt den fehlenden Betrag zusteuern würde.

Der bunte Wollvorhang, der aus 6.000 aneinander gehäkelten Woll-Quadraten bestand und einen Tag lang hing, sorgte jedenfalls für Aufsehen. Dass alles technisch umsetzbar war, hatte man auch der Kamenzer Firma Sachsenfahnen zu verdanken, die das entsprechende Material zur Hängung bereitstellte. Auf jeder der Bahnen wurde übrigens ein bestimmtes Motto dargestellt. Es gab eine Pilger-Seite, eine zum 800-jährigen Stadtjubiläum von Kamenz, welches 2025 gefeiert wird, sowie eine Natur- und eine Glücksseite.

Bunte Schals verschwinden nicht in der Versenkung

Die Bahnen werden demnächst noch einmal in der Hauptkirche zu sehen sein. Spenden kann man also in den nächsten Wochen noch. "Die Verhüllung war nur ein Höhepunkt, sie ist an weitere Aktionen geknüpft", sagt Kerstin Boden. Bei aller Freude über die finanziellen Zuwendungen der Kamenzer und Gäste am Stadtfest-Wochenende sei aber vor allem der Zusammenhalt aller Beteiligten, die strickten, häkelten und knüpften, ganz besonders gewesen. "Es war so, als ob wir uns schon immer kennen würden," so die Pilgerin.

Am späten Sonnabendabend wurde der gigantische Strickschal abgenommen. Viele der Besucher übernachteten in der Crostwitzer Herberge. Sonntagmorgen gab es im Elisabeth-Saal der katholischen Kirche noch ein gemeinsames Frühstück. Spätestens zum 800. Stadtjubiläum wird es ein Wiedersehen der "Strickliesel" geben. Denn der Oberbürgermeister wünscht sich eine Wiederholung der Turm-Verhüllung.

Und wie man Kerstin Boden kennt, wird es bis dahin noch einige verrückte Ideen umzusetzen geben. "Am meisten freute mich, dass einige der Skeptiker extra auf dem Hutberg gekommen waren und sich dann doch positiv über das Ergebnis äußerten", so Kerstin Boden.

Eine geführte Wanderung unter dem Motto "10.000 Schritte auf dem Jakobsweg durch Kamenz" mit Kerstin Boden und Pfarrer Uwe Peukert findet am 4. September statt. Sie startet um 10 Uhr an der Fußgängerbrücke über die S 94 an der Nebelschützer Straße und endet 14.30 Uhr an der Pilgerherberge auf dem Hutberg. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Kerstin Boden (2.v.r.) hatte die besondere Spendenaktion für die Pilgerherberge am Turm initiiert. Auch Oberbürgermeister Roland Dantz (r.), Blütenkönigin Julia Petzold sowie Pfarrer Michael Gärtner zur Verhüllung anwesend. Und Kami, das Kamenzer Maskottc
Kerstin Boden (2.v.r.) hatte die besondere Spendenaktion für die Pilgerherberge am Turm initiiert. Auch Oberbürgermeister Roland Dantz (r.), Blütenkönigin Julia Petzold sowie Pfarrer Michael Gärtner zur Verhüllung anwesend. Und Kami, das Kamenzer Maskottc © René Plaul

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