merken
PLUS Kamenz

Königsbrück: Aus für den Solarpark

Seit zehn Jahren gibt es Pläne für das Areal der früheren Panzerschule. Jetzt hat die Stadt den Vertrag mit dem Investor gekündigt - aus mehreren Gründen.

Auf dem Gelände der alten Panzerschule in Röhrsdorf bei Königsbrück sollte ein Solarpark entstehen. Doch daraus wird nichts.
Auf dem Gelände der alten Panzerschule in Röhrsdorf bei Königsbrück sollte ein Solarpark entstehen. Doch daraus wird nichts. © Matthias Schumann

Königsbrück. Jetzt ist es amtlich: Im Königsbrücker Ortsteil Röhrsdorf wird kein Solarpark entstehen. Der Stadtrat zog auf seiner Sitzung am Dienstag endgültig die Reißleine. Zu lange passierte nichts auf dem Gelände hinter dem Röhrsdorfer Park. Der potenzielle Investor, das Unternehmen Helios Energie, zeigte bisher kaum Aktivitäten am Standort. Aber auch Naturschutz-Belange spielen bei der Entscheidung der Stadträte eine wichtige Rolle. 

Die Geschichte des geplanten Solarparkes auf dem Gelände der ehemaligen Panzerschule in Röhrsdorf reicht weit zurück. "Bereits im Jahr 2010 gab es Bemühungen, das Gelände der ehemaligen Kaserne zur Aufstellung einer Photovoltaikanlage zu nutzen", erklärt der Königsbrücker Bürgermeister Heiko Driesnack (CDU). Im selben Jahr verkaufte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) die Fläche von etwa 97.000 Quadratmetern an die Firma Solmotion. Ein Jahr später gab es einen Investoren-Wechsel. Die Helios Energie GmbH mit Sitz in Friedrichsdorf im Taunus übernahm das Gelände und hielt am Aufbau einer Photovoltaikanlage fest. 

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Aufgabe der Stadt war es lediglich, der Aufstellung des Bebauungsplanes "Solarpark Röhrsdorf" zuzustimmen. Den Plan selbst und alle dadurch entstehenden Kosten sollte der Investor tragen. 2011 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Königsbrück und der Helios GmbH geschlossen, der genau dies festlegt.

Kaum ernsthafte Bemühungen des Investors

Fast zehn Jahre sind seitdem vergangen. "Bis zum heutigen Tag wurden trotz jahrelanger nachdrücklicher Aufforderungen durch die Stadtverwaltung Königsbrück  keine Planungsunterlagen vorgelegt. Eine ernsthafte Betreibung des Vorhabens lässt dieses Verhalten nicht erkennen", hieß es jetzt in der Stadtratssitzung. Die Stadt habe mehrere Versuche unternommen, um bei dem Investitionsvorhaben zu helfen. "Ich war sogar mit potenziellen Interessenten mehrfach im Landratsamt, um das Vorhaben zu besprechen", so Heiko Driesnack.

Ist die Helios GmbH  gar nicht mehr an der Errichtung eines Solarparkes in Röhrsdorf interessiert? Diese Frage stellte Sächsische.de Helios-Chef Klaus Dieter Steffens. "Wir haben unsere Pläne eigentlich nicht aufgegeben", erklärt er am Telefon. Man sei schon seit ewiger Zeit an dem Projekt dran, "aber Naturschutzbehörden, insbesondere die Verwaltung des Naturschutzgebietes (NSG) Königsbrücker Heide, legen uns immer wieder Steine in den Weg". Es werde ein "Biotop-Szenario" aufgebaut, um den Bau zu verhindern. Klaus Dieter Steffens spricht sogar von "Zwangsenteignung". Eine Betonfläche sei plötzlich eine besondere Naturregion. 

Fakt ist, dass die Fläche für die Solaranlage an das Naturschutzgebiet angrenzt. Um den Strom ins Netz zu speisen, würden Leitungen durch das Naturschutzgebiet in Richtung Schmorkau verlaufen. Nach Jahren des Stillstandes ist die Fläche der ehemaligen Panzerschule so verwildert, dass sich dort eine besondere Flora und viele seltene Tiere angesiedelt haben.     

Kabeltrasse sollte durchs Naturschutzgebiet führen

Diesen Fakt bestätigt Jürgen Stein, Leiter der NSG-Verwaltung. Die Verwaltung hatte im Dezember 2015 ein erstes Schreiben von der Solarfirma erhalten, in dem diese über ihr Vorhaben informierte und um Unterstützung bat. Knackpunkt war damals bereits die reichlich fünf Kilometer lange unterirdische Kabeltrasse, die durch das Naturschutzgebiet führen sollte. Ein Jahr später fand eine Beratung zwischen dem potenziellen Investor und der Verwaltung des Naturschutzgebietes statt. 

Jürgen Stein betont, dass die Verlegung von Leitungen aller Art durch das Naturschutzgebiet verboten ist. Das sei rechtlich geregelt. "Die Verwaltung ist rechtlich somit nicht in der Lage, mit der Helios Energie GmbH einen Vertrag über die Verlegung der Kabeltrasse durch das Naturschutzgebiet abzuschließen", so Jürgen Stein. 

Seltene Arten leben mittlerweile auf dem Areal

Bleibt die Frage nach der inzwischen vorhandenen Flora und Fauna im Gebiet der ehemaligen Panzerschule. Dazu hatte der Investor selbst ein Gutachten bei einem Dresdner Naturschutzbüro in Auftrag gegeben. Im Ergebnisbericht heißt es unter anderem: "Wir haben die Flächen für den geplanten Solarpark zweimal begangen. Im Ergebnis empfehlen wir aus faunistischer Sicht den Abbruch des Projektes." Aufgrund der Größe und Spezifik hält das Büro das Projekt artenschutzrechtlich für nicht genehmigungsfähig. 

Das ist ein weiterer Grund, warum die Stadträte von Königsbrück das Projekt nicht weiter verfolgen wollen. Sie beschlossen die Kündigung des städtebaulichen Vertrages für einen Bebauungsplan mit der Helios Energie GmbH.

Die Verwaltung des Naturschutzgebietes begrüßt diesen Beschluss. "Damit werden der Natur weiterhin Möglichkeiten einer weitestgehend ungestörten Entwicklung in ihrer natürlichen Dynamik geboten", so Jürgen Stein. Investor Klaus Dieter Steffens äußerte sich nicht zur Kündigung des Vertrages.  

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz