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Schwimmhalle: Verpasst Kamenz eine Chance?

Rosemarie Göbel war viele Jahre Schwimmmeisterin im Hallenbad, über die aktuellen Umbaupläne kann sie nur den Kopf schütteln.

Die ehemalige Schwimmmeisterin Rosemarie Göbel hat 24 Jahre in der Kamenzer Schwimmhalle gearbeitet. Auch sie kritisiert die abgespeckte Sparvariante des Neubaus. "Hier sollte man noch einmal dringend reden", meint sie.
Die ehemalige Schwimmmeisterin Rosemarie Göbel hat 24 Jahre in der Kamenzer Schwimmhalle gearbeitet. Auch sie kritisiert die abgespeckte Sparvariante des Neubaus. "Hier sollte man noch einmal dringend reden", meint sie. © René Plaul

Kamenz. Die Chancen standen bestens, es hätte etwas richtig Gutes werden können. Endlich ein großes Freizeitbad für Kamenz, endlich ein weiterer attraktiver Anziehungspunkt, der seit Jahrzehnten von den Einwohnern herbeigesehnt wird. Doch die Gelegenheiten zogen für die Große Kreisstadt ungenutzt vorüber. Die Pläne für ein Bad mit Außenbereich wurden bereits vor Monaten verworfen. Der Kreistag lehnt das Ansinnen, ein Wellnessbad vor Ort zu errichten, ab. Was übrig bleibt, ist ein aufs Notwendigstes abgespeckter Schwimmhallen-Neubau - und enttäuschte Menschen. 

Eine davon ist Rosemarie Göbel. Die ehemalige Schwimmmeisterin ist vor Ort bekannt wie ein bunter Hund. Ob Seepferdchen- oder Aquakurse - Rosi war immer am Start, ganze 24 Jahre lang. Zuerst als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Und im Jahr 2000 absolvierte sie noch einmal die Meisterschule. Auch wenn sie seit vier Jahren im Ruhestand ist - die Schwimmhalle Kamenz war über lange Zeit ihre zweite Heimat. "Die Leute sind enttäuscht, dass wir nun doch kein Freizeitbad bekommen sollen", sagt die 67-Jährige. 

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Kamenz brauche dringend ein Allwetterbad. "Es wäre sinnvoll, über eine solche Variante wenigstens noch einmal nachzudenken. Eine solche Einrichtung beinhaltet alle Komplexe: Sport, Freizeit für alle, Angebote in jede Richtung mit Außenbecken, Liegewiese, Rutsche, Sauna mit Außenbereich. Und das das gesamte Jahr über", sagt die vielfache Mutter und Oma.

Fehlendes Freibad seit Jahrzehnten Aufreger

Kamenz möchte Wachstumsregion sein und mehr Touristen locken. "Schon deshalb gehört ein Allwetterbad her", fordert die ehemalige Schwimmmeisterin. Damit spricht sie unzähligen Kamenzern aus der Seele. Seit Jahrzehnten fehlt es an einem Freibad in der Lessingstadt. 1986 schloss das Stadtbad an der Goethestraße. 

Im Kamenzer SZ-Archiv findet man unzählige Artikel dazu. Vor allem Anfang der neunziger Jahre nahm das Thema noch einmal Fahrt auf. Der damalige Bürgermeister Lothar Kunze sagte gegenüber der Tagespresse 1994: "Das Stadtbad ist überhaupt nicht vergessen! Sofern sich eine Gelegenheit bietet, das Bad zu finanzieren, werden wir diese ergreifen." Damals hoffte man auf die Unterstützung vom Freistaat.

Wasserspielplatz statt Freibad

Noch mehrere Kommunalpolitiker beschäftigten sich in den letzten Jahrzehnten mit dem fehlenden Bad. Vergebens. Vor 20 Jahren schwenkte die Stadt um, baute im alten Stadtbad einen Skater- und Freizeitpark, da sich alle Finanzierungskonzepte als aussichtslos erwiesen. Zumindest einen Wasserspielplatz gibt es dort jetzt. In kleineren Gemeinden wie Königsbrück, Bischheim, Großnaundorf und Burkau wurden Nägel mit Köpfen gemacht und ein Freibad gebaut.

"Man sollte doch auch an die älteren Menschen oder Familien mit Kindern denken. Sie können im Sommer nicht in den Steinbrüchen baden", sagt Rosemarie Göbel. "Und nicht jeder kann mit der Familie 25 Kilometer in das nächste große Freizeitbad nach Hoyerswerda fahren. Alle wollen etwas für den Klimaschutz tun - so klappt das nicht!" 

Kreistag entscheidet im Frühjahr 2021

In ihrer langen Dienstzeit im Hallenbad gab es außerdem großes Bedauern über die wochenlange Sommerschließzeit. "Hortgruppen sind betroffen, Ferienlager, Omas und Opas, die Enkeldienste übernehmen", meint die Kamenzerin. "Mit einem Allwetterbad wäre auch die Diskussion über das Freibad verschwunden. Und der Technik täte es gut, wenn sie nicht wochenlang ausgeschalten bliebe." In ihrer Meisterausbildung hat sie gelernt, dass ein Allwetterbad die wirtschaftlich sinnvollste Nutzung ist. "Wenn man schon neu baut, warum dann nicht richtig?", fragt sie.

Der Kreistag tat sich dagegen von Anfang schwer mit dem Thema. Heftige Diskussionen wurden zwischen den Parteien geführt und Standortanalysen in Auftrag. Mittlerweile favorisiert man ein Hallenbad für Vereins- und Schulsport, da dies die einzige finanziell machbare Variante sei. Die Variante einer sechsten Bahn steht zur Debatte. Ein Nichtschwimmerbecken mit abfallender Tiefe sei geplant, ebenso eine Sauna. Mehr nicht. Sogar über die jetzt vorhandene Rutsche wird nicht mehr gesprochen. 

Das neue Hallenbad soll noch maximal 15 Millionen Euro kosten. Welche Variante gebaut wird, soll der Kreistag voraussichtlich im Frühjahr 2021 entscheiden.

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