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Einer der letzten Kürschner

Der Kamenzer Handwerksmeister Jörg Bäuerle feiert sein 30. Firmenjubiläum. In vierter Generation verarbeitet er Pelze und Leder. Jetzt hat er vor allem eine Sorge.

Kürschnermeister Jörg Bäuerle ist einer der letzten seiner Zunft in der Lausitz. Vor 30 Jahren übernahm er das Geschäft an der Bautzner Straße in Kamenz vom Vater. Noch immer liebt er seinen Beruf.
Kürschnermeister Jörg Bäuerle ist einer der letzten seiner Zunft in der Lausitz. Vor 30 Jahren übernahm er das Geschäft an der Bautzner Straße in Kamenz vom Vater. Noch immer liebt er seinen Beruf. © Matthias Schumann

Kamenz. Mitten in der Corona-Krise feierte der Kamenzer Kürschnermeister Jörg Bäuerle dieser Tage sein 30. Firmenjubiläum. Etwas stiller als gewünscht. Doch die Freude wog alles auf. Immerhin blickt er auf ein arbeitsreiches Leben zurück. Und wenn es nach ihm geht, wird dieses noch lange nicht enden. "Ich liebe meinen Beruf, habe große Freude an dem, was ich tue. Und solange es geht, werde ich jeden Morgen aufstehen und meine Arbeit machen", sagt der 67-Jährige.

Die Kundschaft aus nah und fern dürfte das freuen, denn der Kamenzer ist einer der letzten Kürschnermeister der Lausitz. Viele Werkstätten haben bereits in den letzten Jahren aufgegeben. Einige verkaufen nur noch Pelzwaren und bieten den dazu gehörigen Service nicht mehr an. "Unsere Innung hat sich bereits vor Jahren aufgelöst", sagt Jörg Bäuerle.

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In den 90iger-Jahren habe der Lederverkauf geboomt. Überall schossen Geschäfte aus dem Boden. "Viele meiner Berufskollegen haben in dieser Zeit umgestellt, das Handwerk aber vernachlässigt. Das hat sich gerächt. Denn Anfang der 2000er-Jahre gab es eine Trendwende. Die Kundschaft hat doch wieder mehr Sonderwünsche", so Bäuerle.

In vierter Generation befindet es sich an der gleichen Stelle an der Bautzner Straße - das Kamenzer Kürschnergeschäft.
In vierter Generation befindet es sich an der gleichen Stelle an der Bautzner Straße - das Kamenzer Kürschnergeschäft. © Matthias Schumann

Während nach der Wende also überall Verkaufsräume erweitert wurden, und man die eigenen Werkstätten abschaffte, hielt der junge Kamenzer Kürschnermeister damals an den alten Traditionen fest. "Pelze aus unserem Hause sind keine Wegwerfartikel", lautet das Motto. Das Geschäftsprofil blieb so, wie es schon sein Vater 1950 übernommen hatte. Und damit ist Jörg Bäuerle bis heute gut gefahren. Kleine und große Reparaturen, Reinigung, Änderungen von Kleidung bis hin zur maßgeschneiderte Sonderanfertigung ausgefallener Wünsche - bei ihm ist man damit an der richtigen Adresse.

Der Kamenzer übernahm 1990 die Werkstatt vom Vater Rolf Bäuerle. Lange hatte man die Übernahme vorbereitet. Damals schmeckte alles nach Aufbruchstimmung im Land. Überall war Euphorie zu spüren. Das war die Zeit, die sich Jörg Bäuerle immer gewünscht hatte. Als Sohn eines Handwerkers hatte er es nicht so leicht, konnte das Abitur beispielsweise nur auf dem zweiten Bildungsweg absolvieren.

Feste Prinzipien beim Kauf von Fell und Leder

Dass die Tradition in Familienhand bleiben sollte, war hingegen schon immer erklärte Absicht. "Heute ist das nicht so einfach, ich habe zwei Töchter. Und niemanden, der in meine Fußstapfen treten wird", sagt er. "Obwohl die Stadt Kamenz Handwerker wohlwollend unterstützt und wir den Glauben an eine Geschäftsnachfolge noch nicht ganz verloren haben", verrät Jörg Bäuerle. Dieses Engagement seitens der Stadt lohne sich, denn Kamenz hat laut Handwerkskammer die größte Handwerker-Dichte Sachsens. Ein Pfund, mit dem man künftig wuchern will.

"Und außerdem betreibe ich das wahrscheinlich älteste Handwerk der Welt", meint der Kürschnermeister mit einem Augenzwinkern. "Noch bevor man Häuser baute und andere Gerätschaften bearbeitete, kleideten sich die Ur-Menschen schließlich mit Fellen und Leder."

Doch der Kürschner hat auch Prinzipien: Er kaufe zum Beispiel kein Fell und Leder von artgeschützten Tieren und nichts, was nicht gut und gesund aussieht. "Wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden und es ihnen schlecht geht, dann sieht man das als allererstes am Fell und an der Haut", sagte er. "Und niemand sollte schlechte Züchter unterstützen. Solche Ware kauft man nicht als guter Kürschner."

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