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Drei Fotografen-Generationen stellen in Pulsnitz aus

Die Ostsächsische Kunsthalle in Pulsnitz zeigt in der Ausstellung „So gesehen“ die Arbeiten von 21 Künstlern. Was Kurator Jürgen Matschie über die Schau verrät.

Mit der Idee der Galeristin Sabine Schubert hat sich Ausstellungskurator Jürgen Matschie auf die Suche nach drei Fotografen-Generationen aus der Lausitz gemacht. Die neue Ausstellung versammelt nun 21 Handschriften von Künstlern mit der Kamera.
Mit der Idee der Galeristin Sabine Schubert hat sich Ausstellungskurator Jürgen Matschie auf die Suche nach drei Fotografen-Generationen aus der Lausitz gemacht. Die neue Ausstellung versammelt nun 21 Handschriften von Künstlern mit der Kamera. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Zu jedem seiner Kollegen kann Ausstellungskurator Jürgen Matschie Geschichten erzählen. Durch die Schau „So gesehen“ laufend, betrachtet der Bautzener die Fotografien an den Wänden. „Die Ausstellung vereint erstmals in der Ostsächsischen Kunsthalle in Pulsnitz 21 Künstler und Künstlerinnen aus drei Generationen, deren Medium die Fotografie ist. Alle haben ihren eigenen regionalen Bezug zur Ober- oder auch Niederlausitz“, sagt der Fotograf.

Schon der erste Blick in das Refugium zwischen Schwarz-Weiß, Grafik und Farbe verrät: Die Handschriften und Themen der Beteiligten sind so unterschiedlich, wie die Landschaft der Lausitz vielfältig ist.

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Ausgangspunkt der Fotoausstellung für Jürgen Matschie sind die drei Altmeister der Fotografie aus der Region zwischen Dresden, Görlitz und Cottbus: Evelyn Richter (*1930), Gerald Große (*1942) und Gerd Rattei (*1936). Ihre Biografien beginnen alle im Krieg. Voller Hoffnung auf Neues studieren sie in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Ihre Bilder sind ab den 1970er-Jahren in der DDR-Öffentlichkeit präsent. Ihr Weg ist trotzdem nicht einfach: Kunstpolitik in der DDR ist jeweils durch die aktuelle SED-Parteilinie bestimmt, dazu gehört auch die Diskussion, ob Fotografie überhaupt Kunst sein kann. Das jüngste Projekt in der Pulsnitzer Kunsthalle lässt daran keine Zweifel.

SilberMondPhasen und stille Landschaften

Von Evelyn Richter sind Arbeiten aus ihrem direkten Familienumfeld zu sehen. „Großes Bilder dagegen sind geprägt vom Grafischen“, sagt Jürgen Matschie. Gerd Rattei hat wie Richter, die heute zu den bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands zählt, den Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeiten gerückt. Mit ihrer Sicht auf die Welt sind die drei Pioniere die Wegbereiter für die nächste Generation; jener Fotografen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren werden.

Zu ihnen zählen unter anderem Bernd Hanke, Matthias Körner, Thomas Kläber, Matthias Bulang und Jürgen Matschie selbst. Thomas Kläber zeigt in der Ausstellung zum Beispiel einen bislang fast unbekannten Teil seiner Fotografien unter dem Thema „Flattern im Wind“ mit stillen Landschaften. Es ist fast untypisch, denn bekannt wurde der Kolkwitzer durch seine empathischen Momentaufnahmen aus den Dörfern der wendischen Niederlausitz.

Matthias Bulang hat in seinem Silbermond-Archiv gekramt. Seit der Gründung der Band 1998 begleitet er aus familiärer Nähe die bekanntesten Botschafter Bautzens. „SilberMondPhasen 2000 – 2020“ nennt er seine Arbeiten. Jene Generation der Mitte musste sich nach der Wende oft neu orientieren, für manchen wurde die Fotokunst zur Nebensache, andere ließen die jahrelangen Grenzen und Begrenzungen hinter sich, so wie Matthias Körner. Der gebürtige Cottbuser experimentiert mit der Fotografie. Mit der sogenannten Intagliotypie werden seine Bilder zur Grafik, oft bringt er seine Eindrücke von Reisen aus Afrika mit.

„Mit dieser Ausstellung wollte ich Lausitzer zeigen, die sich mit der Welt auseinandersetzen“, sagt der Kurator. Wichtig war für ihn bei der Auswahl der Kollegen, die Fotografie breiter aufzufassen. Es sind Arbeiten, die vor allem Geschichten erzählen.

Ausstellung lebt von der Vielfalt an Themen

Olaf Rößler ist ein solcher Erzähler mit der Kamera. Er nennt seine Fotoreihe „black is pitch -Nachtlandschaften“ und „meine persönliche Auseinandersetzung mit meiner Heimat“. Seine Fotografien sind nur mit Restlicht der Nacht aufgenommen, das Auge braucht länger, bis sich die Landschaften aus dem tiefen Schwarz erheben. Diese nächtliche Langzeitbeobachtung ging Hand in Hand mit Besuchen des gebürtigen Zittauers in der Oberlausitz. Aus lichtdurchfluteten Großstädten kommend, wunderte er sich über die große Dunkelheit in seiner einstigen Heimat. Für seine Arbeiten über den Rückzug der Menschen aus der Landschaft erhielt Olaf Rößler 2013 den Europäischen Architektur-Fotografie-Preis.

Für die jüngste Generation stehen auch Arbeiten von Anne Hasselbach, Marcel Noack und Matthias Schumann. „Die Ausstellung lebt von der Vielfalt an Themen, künstlerischen Ansätzen und Techniken. Jeder hat seine Handschrift, sein künstlerisches Betätigungsfeld, sein Thema“, sagt Galeristin Sabine Schubert.

Auf Anregung der Vorsitzenden des Ernst-Rietschel-Kulturrings entstand dieser besondere fotografische Blick in und aus der Lausitz heraus. Diese Zusammenstellung der Fotografen hat noch niemand „so gesehen“. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen.

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Die Ausstellung ist in der Ostsächsischen Kunsthalle bis zum 7. November donnerstags, freitags und sonntags, zwischen 14 und 17 Uhr, zu besichtigen. Separate Terminvereinbarungen sind unter 035955 42318 möglich. Weitere Informationen unter: www.ostsaechsische-kunsthalle.de

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