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Eva-Maria Zschornack erhält sorbischen Sprachpreis

In Kamenz wurde jetzt der Zejler-Preis an die aus Ostro stammende Autorin Eva-Maria Zschornack verliehen. Warum die Sorbin für diese Ehrung ausgewählt wurde.

Von Heike Garten
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Die Freude ist ihr ins Gesicht geschrieben: Die Autorin und Dramaturgin Eva-Maria Zschornack erhielt den Zejler-Preis 2024 für sorbische Sprache.
Die Freude ist ihr ins Gesicht geschrieben: Die Autorin und Dramaturgin Eva-Maria Zschornack erhielt den Zejler-Preis 2024 für sorbische Sprache. © Matthias Schumann

Kamenz. „Du darfst alles studieren, außer sozialistische Landwirtschaft.“ Diesen Satz hatte der Vater von Eva-Maria-Zschornack im Jugendalter zu ihr gesagt. Und das hatte sie auch nicht vor, obwohl ihre Kindheit und Jugend stark von der Landwirtschaft auf dem eigenen Hof in Ostro geprägt waren. Vielmehr interessierte sich Eva-Maria Zschornack für Geschriebenes, speziell die sorbische Sprache und Literatur. Sie sollte in ihrem späteren Leben ihre Bestimmung sein, etwas, was sie bis heute prägt. Am Abend des 17. Juni 2024 erhielt Eva-Maria Zschornack, die in Dresden lebt, in der Kamenzer Klosterkirche St. Annen von Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) den Zejler-Preis 2024 verliehen. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis für sorbische Sprache gibt es seit 2014.

Den Umfang der schriftstellerischen und dramaturgischen Arbeiten von Eva-Maria Zschornack zu beschreiben, ist kaum möglich. Zu vielfältig sind die Werke, die aus ihrer Feder stammen – alle in sorbischer Sprache und mit einem Gefühl für die Menschen in ihrer Heimatregion. Erste Gedichte schrieb sie als Jugendliche, später kamen im Laufe der Jahre Erzählungen, über 350 Kinderlieder, Jugendbücher, 17 Musicals für die Vogelhochzeit des Sorbischen National-Ensembles (SNE), Theaterstücke und ein Sachbuch dazu. Außerdem arbeitete sie viele Jahre als Chefredakteurin der in Bautzen erscheinenden sorbischen Kulturzeitschrift Rozhlad, danach als Dramaturgin beim SNE.

Zahlreiche Gratulanten hatten sich zur Preisverleihung in der Klosterkirche St. Annen in Kamenz eingefunden.
Zahlreiche Gratulanten hatten sich zur Preisverleihung in der Klosterkirche St. Annen in Kamenz eingefunden. © Matthias Schumann

„Kreativität, tiefes Empfinden, Selbstorganisation und Disziplin sind notwendig, um das zu schaffen“, sagte Laudatorin Dr. Christiane Piniek, die die Preisträgerin über viele Jahre kennt und begleitet. Einen Ursprung für dieses Schaffen sieht sie in der Familie der Geehrten, in den Gegebenheiten, mit denen sie aufgewachsen ist. „Die Eltern hatten einen 16-stündigen Arbeitstag, erst bei der LPG, dann auf dem eigenen Hof. Da war es ganz selbstverständlich, dass die Kinder – fünf Kinder waren es in der Familie Zschornack – mitmachen mussten“, so Dr. Christiane Piniek. Diese Generation habe es gelernt, Verantwortung zu übernehmen und kreativ zu sein.

Die Arbeiten von Handrij Zejler, der als Begründer der modernen sorbischen Dichtkunst gilt, waren auch für Eva-Maria Zschornack ein prägendes Element für ihr Schaffen. „Als 13-Jährige bekam ich den ersten Band von Zejler, und ich war fasziniert – seine Lyrik und die verständliche Sprache“, blickt die heute 65-Jährige zurück. „Da begann auch ich mit den ersten literarischen Versuchen, meist Gedichte für Familienfeiern.“ Und sie schätzt auch ein, dass sie ohne Disziplin, die sie aus dem Elternhaus kennt, nicht das geschafft hätte, was heute als ihr Werk vorliegt.

Sachsen Kulturministerin Barbara Klepsch (l.) überreichte den Preis an Eva-Maria Zschornack.
Sachsen Kulturministerin Barbara Klepsch (l.) überreichte den Preis an Eva-Maria Zschornack. © Matthias Schumann

Mit der Verleihung des Zejler-Preises hat Eva-Maria Zschornack nicht gerechnet. „Ich war total überrascht, als ich davon erfuhr. Natürlich freue ich mich riesig“, sagt sie. Es sei eine Wertschätzung für ihre Arbeit. Bei zwei Personen will sie sich ganz besonders bedanken: bei ihrer Schwester Andrea Paulick und ihrem Mann Dr. Jürgen Klose.

Ministerin Barbara Klepsch beeindruckt vor allem die Vielseitigkeit des literarischen Schaffens der Preisträgerin. „Sie zeigt in ihren Werken eine große Bandbreite an Themen, die von Empathie für die Menschen in ihrer sorbischen Heimat und ihren Geschichten geprägt sind“, sagt sie.

Zur Preisverleihung hatten sich viele Gratulanten eingefunden, die Eva-Maria Zschornacks Weg begleitet haben. Sie alle wissen: Ihre Arbeiten sind mehr als nur eine Bereicherung der sorbischen Kunst und Kultur.