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Kamenz: Lessingtage starten im Mai

„Nathan“ verboten, „Minna von Barnhelm“ Liebling der Nazis. Diese Widersprüche zum Werk Lessings thematisiert das Literaturfest - und bietet viel Spannendes.

Der große Sohn der Stadt Kamenz - hier die Büste von Gotthold Ephraim Lessing vorm Lessingmuseum - steht im Mittelpunkt der Lessingtage, die dieses Jahr im Mai starten sollen. Knapp 20 Veranstaltungen warten dabei auf die Besucher.
Der große Sohn der Stadt Kamenz - hier die Büste von Gotthold Ephraim Lessing vorm Lessingmuseum - steht im Mittelpunkt der Lessingtage, die dieses Jahr im Mai starten sollen. Knapp 20 Veranstaltungen warten dabei auf die Besucher. © Archivfoto: René Plaul

Kamenz. Die Kamenzer Lessingstage haben einen neuen Termin. Nach derzeitigen Planungen soll die Veranstaltungsreihe, die normalerweise im Januar und Februar liegt, wegen der Corona-Pandemie aber verschoben wurde, nun vom 11. Mai bis 4. Juli stattfinden. „Große Pandemien, wie wir sie gerade erleben, waren Lessing wohl eher unbekannt. Und auch eine Verlegung der Lessingtage gab es seit der Erstauflage 1962 noch nicht. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Lessingmuseums-Leiterin Sylke Kaufmann.

Deutschlands ältestes Literaturfestival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Vereinnahmung, Verfolgung, Verführung. Literatur und Kunst im Dritten Reich“. Das Thema verspricht spannende Kontroverse. „Die Nationalsozialisten haben Lessing wie viele andere Literaten für ihre Ideologie vereinnahmte. Bei dem Aufklärer war es nur mit schweren Verrenkungen möglich, denn sein Werk war sehr vielschichtig“, sagt Sylke Kaufmann.

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Diese Widersprüchlichkeit zeigt sich in der Aufführungspraxis einzelner Stücke Lessings, dessen Dramen zwischen 1933 und 1945 zum festen Repertoire vieler Theater zählen. „Nathan der Weise“ und das Stück „Die Juden“ sind von den Bühnen verbannt. Das Lustspiel „Minna von Barnhelm“ dagegen avanciert zum meistgespielten Stück dieser Zeit, auch „Emilia Galotti“ ist beliebt.

Forschungsergebnisse werden vorgestellt

Lessing als Vordenker des „deutschen Nationaltheaters“ selbst erhält durch die Nationalsozialisten das Prädikat des ,echten deutschen Künstlers‘. „Es ist Zeit, sich dem Thema umfassend anzunehmen. Die Arbeitsstelle zur Lessingsrezeption forscht seit Jahren zum Thema Nationalsozialismus. Jetzt zeigen wir die Ergebnisse“, sagt die Literaturfest-Organisatorin.

Knapp 20 Veranstaltungen rund um das Thema warten nun zum neuen Termin auf die Lessing-Interessierten. Zum Programm zählt neben der Verleihung des Lessing-Preises des Freistaates Sachsen unter anderem die Aufführung des Düsseldorfer Schauspielhauses von Franz Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“. Der Monolog steht als Gleichnis für die erzwungene Assimilation der Juden in Europa. Zudem soll es eine Konzertlesung mit Ausschnitten aus Lessings „Juden“ geben und wie in den Vorjahren auch ein Violine-Gitarren-Konzert mit Kolja Lessing und Johannes Monno. Kolja Lessing gehört zu der großen Lessing-Familie und stammt aus der Linie eines Bruders des großen Aufklärers.

Mit Spannung erwartet werden auch die Vorträge und Gespräche zum Umgang mit NS-Raubkunst mit Ingeborg Bergreen-Merkel, zu „Künstlern und Kunst im Nationalsozialismus“ sowie die Schauspielerin Marianne Hoppe. Darüber hinaus sollen die Bücher „Wir selbst“ über die autonome deutsche Wolgarepublik und „Distelblüten – Kinder von Besatzungssoldaten" vorgestellt werden. Parallel wird zudem im Malzhaus eine Ausstellung zur Lessing-Rezeption im Dritten Reich eröffnet.

OB freut sich über Bilder von Armin Müller-Stahl

Besonders freut sich der Kamenzer OB Roland Dantz über die Ausstellung mit Arbeiten von Armin Müller-Stahl. „Wir haben die Blätter vom ,Urfaust' vom Leiter des Lübecker Kunsthauses geschenkt bekommen und machen jetzt im Sakralmuseum eine Geburtstagsnachlese zum 90. von Armin Müller-Stahl“, sagt der Oberbürgermeister.

Mit den Lessingtagen feiert Kamenz seinen berühmtesten Sohn. Ihre Tradition reicht bis ins Jahr 1962 zurück. „Damals entstand die Idee, einmal im Jahr – im Umfeld des Geburtstags des Literaten – auf den bedeutenden Sohn der Stadt hinzuweisen. Dabei gibt es Unterhaltung genauso wie wissenschaftliche Vorträge“, sagt die Museumsleiterin.

Das Angebot mit knapp 20 Veranstaltungen richtet sich längst nicht mehr nur an Einheimische, sondern strahlt auch über die Stadt hinaus. Seit 2007 findet das Literaturfest nur noch alle zwei Jahre statt. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) wurde am 22. Januar 1729 als Sohn eines lutherischen Pastors in Kamenz geboren.

www.lessingmuseum.de

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