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Kinder zeigen Touristen Kamenzer Kirchen

In Kamenz werden Mädchen und Jungen zu Kirchenführern ausgebildet. Die evangelische Kirchgemeinde erhofft sich davon einen schönen Nebeneffekt.

Kinder ab neun Jahren werden aktuell von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Kamenz zu Touristenführern ausgebildet. Sie sollen ab kommenden Jahr Gäste die sakralen Schätze der Stadt zeigen.
Kinder ab neun Jahren werden aktuell von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Kamenz zu Touristenführern ausgebildet. Sie sollen ab kommenden Jahr Gäste die sakralen Schätze der Stadt zeigen. © Ina Förster

Kamenz. Was sind eigentlich wendische Heiden? Stille im Raum. Acht Augenpaare schauen konzentriert auf das alte Bleiglasfenster in der Kamenzer Hauptkirche. Pfarrerin Claudia Wolf gibt den Kindern Zeit - für Vorschläge, Fragen, eigene Sichtweisen und Wissen, das sie vielleicht hatten. Nachdem geklärt ist, dass da ein Ungläubiger getauft wird, geht es weiter auf der Empore. An uralten dunklen Gemälden und der riesigen Walcker-Orgel vorbei. Über ausgetretene Holztreppen und zurück an den Altar.

Es ist Dienstagnachmittag, 15.30 Uhr. Und der Kurs „Ausbildung zum Kinderkirchenführer in Kamenz“ läuft. Schulranzen und Taschen liegen auf den alten Kirchenbänken. Die Kinder haben Verpflegung dabei, es wird gelacht. Der Altarraum lebt. „Wir als evangelisch-lutherische Kirchgemeinde laden seit ein paar Wochen ein, sich zum Kinderkirchenführer ausbilden zu lassen. Sie erhalten hier eine umfangreiche Ausbildung, die sie befähigt, durch die vier schönen Kamenzer Kirchen zu führen“, erklärt Claudia Wolf. 

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Kirchen-Zugehörigkeit spielt keine Rolle

Die Pfarrerin brachte die Idee von ihrer letzten Pfarrstelle in Borna bei Leipzig mit. „Kinder als Touristenführer - das ist eine ganz fantastische Sache“, sagt sie. „Vor allem auch für Erwachsene. Sie bekommen die sakralen Schätze aus Sicht eines Kindes nahe gebracht. Das ändert manchmal auch eigene Sichtweisen.“

Aktuell haben sich acht Mädchen und Jungen angemeldet zum Kurs in Kamenz. Zwei Mädchen, sechs Jungen. Die Jüngsten sind neun Jahre alt, der Älteste ist Konfirmand. Sie alle bringen eines mit: Neugier. „Dabei ist es nicht wichtig, ob sie aus einem gläubigen Elternhaus kommen oder bislang überhaupt etwas mit Kirche zu tun hatten. Wir sind da offen“, sagt die Pfarrerin. Gern könnten sich zu den acht noch weitere Kinder hinzugesellen. „Hier ist Luft nach oben und wir hatten gerade erst die dritte Unterrichtsstunde“, sagt sie. Man bekomme also noch gut Anschluss.

Selbstbewusstsein der Kinder wird gestärkt

Mit klassischem Unterricht vergleichbar ist es nicht. „In den Kirchen gibt es viele geheime und verborgene Orte voller Geschichte und Geschichten. Für Kinder ist es ein Abenteuer, diese Orte zu entdecken. So lernen sie mit Spiel und Spaß die Geschichte der Kirchen und der Stadt kennen. Zugleich werden sie sprachgewandter, denn das Sprechen vor Publikum wird geübt. Dadurch und mit jeder Führung gewinnt man an Selbstbewusstsein“, sagt Claudia Wolf. 

Die neunjährige Luisa ist bereits redegewandt. Auch Janek und Arthur sind nicht auf den Mund gefallen. Schüchterne Kinder hätten sich wahrscheinlich nicht hier her getraut. Gerade ist die Truppe am Bild des  „Barmherzigen Samariters“ vorbei gelaufen. Eigentlich stand das nächste Bleiglasfenster an, doch das Gemälde aus dem 16./ 17. Jahrhundert mit dem erstochenen Mann weckt Aufmerksamkeit. Pfarrerin Wolf muss noch einmal nachsehen, von welchem Künstler es stammt und Hintergründe erforschen bis zur nächsten Kursstunde. „So ist das manchmal, da ändert sich die Planung“, sagt sie und lacht. 

Der Kurs findet immer dienstags, um 15.30 Uhr, statt. Er ist für Kinder ab der 2. Klasse gedacht. Spät-Einsteiger seien gern gesehen, sagt die Pfarrerin. Die Ausbildung zum Touristenführer wird bis Frühjahr 2021 dauern. Am Ende steht eine professionelle Führung durch Kloster-, Katechismus-, St. Just- und Hauptkirche, die bei der Kirchgemeinde gebucht werden kann. „Mit Prüfung und Zertifikat“, verspricht Claudia Wolf. Das sporne an.

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