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Corona vermiest den Start in die Karnevalsaison

Viele Faschingsclubs im Kreises Bautzen können sich mit der 2G-Regel nicht anfreunden und sagen deshalb Feiern ab. Am 11. 11. ist dennoch einiges los.

Von Ina Förster
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Vergangenes Jahr zum Königsbrücker Faschingsumzug war die Stimmung ausgelassen - derzeit ist sie bei den Karnevalisten im Landkreis Bautzen gedrückt. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage fallen viele Veranstaltungen aus.
Vergangenes Jahr zum Königsbrücker Faschingsumzug war die Stimmung ausgelassen - derzeit ist sie bei den Karnevalisten im Landkreis Bautzen gedrückt. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage fallen viele Veranstaltungen aus. © Archivfoto: René Plaul

Bautzen/Kamenz. Noch vor ein paar Tagen waren sie optimistisch. Nun liegt die letzte Hoffnung der Karnevalisten im Landkreis Bautzen in Scherben. Mit dem 11. 11. steht der Start in die neue Saison kurz bevor. Viele Vereine planen wenigstens eine kleine Sause im Freien. Doch richtige Stimmung will auch im zweiten Corona-Jahr nicht aufkommen. Vor allem mit der neuen 2G-Regel bei Innenveranstaltungen können sich die meisten Narren nicht anfreunden. Selbst, wenn diese Variante eine letzte Möglichkeit darstellt, trotz Corona zu feiern.

Oliver Lüttke, Präsident des Pulsnitzer Karnevalsvereins, bringt es auf den Punkt: "Der Karneval steht für Offenheit, Toleranz, Vielseitigkeit, Spaß und Akzeptanz. All diese Punkte unterstreichen, dass es bei uns zu keiner Ausgrenzung oder Spaltung der Gesellschaft kommen wird. Laut unserer Auffassung entspricht eine 2G-Vorgabe genau dem Gegenteil unserer Philosophie", sagt er.

Wenigstens wird es am 11. 11. eine Saison-Eröffnung geben. Nicht traditionell 11.11 Uhr auf dem Pulsnitzer Markt, dafür 17.11 Uhr an der Lebkuchenfabrik. Was in den nächsten Monaten folgt, weiß keiner. "Wir denken zwar noch immer nicht an den Wegfall der kompletten Saison, aber langsam schwindet beim optimistischsten Karnevalisten die Hoffnung auf einen normalen Ablauf", so Lüttke. Ob Programm und Tänzen realisiert werden, ist noch offen. Es sei eine heikle Angelegenheit, Gesundheitsdaten der Mitglieder und Gäste abzufragen oder niederzuschreiben. "Auch das ist nicht unbedingt eine der Kernaufgaben des Karnevals", so der Präsident.

Der Präsident des Pulsnitzer Karnevalsvereines Oliver Lüttke (r.) und Minister Dennis Bienek sind sehr traurig über die Entwicklung. Am 11. 11. starten sie aber trotzdem in die Saison. Alles andere steht in den Sternen.
Der Präsident des Pulsnitzer Karnevalsvereines Oliver Lüttke (r.) und Minister Dennis Bienek sind sehr traurig über die Entwicklung. Am 11. 11. starten sie aber trotzdem in die Saison. Alles andere steht in den Sternen. © Pulsnitzer Karnevalsverein

Ähnlich sieht es beim Cunewalder Karneval Club aus. "Unsere geplante Oldie-Party zum Start in die Saison muss erneut ausfallen", sagt Präsident Dirk Israel. "Wir haben lange überlegt, ob und was wir auf die Beine stellen können. Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, aber wir mussten uns gegen die Party am 13. November entscheiden."

Dies hätte mehrere Gründe, aber einen besonderen: "Wir möchten alle Gäste zur Veranstaltung begrüßen dürfen, ohne vorher aussortieren zu müssen, wer dabei sein darf und wer nicht. Wir sind aber nicht untätig und haben trotz allem einen Plan für Februar", heißt es.

Auch die Elstraer Narren starten verhalten in die Fünfte Jahreszeit. Aber sie tun es: Am 13. November um 11.11 Uhr gibt es eine märchenhafte Schlüsselübergabe auf dem Markt - für Essen und Trinken ist gesorgt. "Wenn schon keine Abendveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum möglich ist, wollen wir wenigstens so feiern", meint Präsidentin Heike Müller. 2G kommt für die Elstraer nicht in Frage. "Wir wollen die Menschen nicht in Klassen unterteilen. Wir waren uns darüber von Anfang an einig - entweder wir können mit allen feiern oder wir lassen es", sagt sie.

Über Schirgiswalder Umzug wird noch beraten

Der Bischofswerdaer Karneval Club lässt seine Eröffnung am 11.11. ganz ausfallen. "Nach Absprache mit dem Oberbürgermeister und aufgrund der Corona-Situation kann die Schlüsselübernahme im großen Rahmen nicht stattfinden. Schade ist es besonders für unsere vielen Funkenmädchen, die sich auf den Auftritt gefreut haben, denn sie trainieren fleißig das ganze Jahr", so der BKC-Vereinsvorsitzende Uwe Barkow. Der Club gebe aber nicht auf und hoffe auf bessere Zeiten.

Genauso sieht es der Schirgiswalder Faschingsclub SFC und sagt zum einen die Eröffnungs-Sause am 13. November ab. Eine 2G-Regelung sei nicht vertretbar. Zum anderen wird auch die Schlüsselübergabe am 11. 11. gestrichen. Ohne Frühstück und Mittag in einer Gaststätte, dafür mit Maskenpflicht und Abstandsregeln sei sie nicht durchführbar. Eine Überraschung lasse man sich aber einfallen, verspricht der SFC auf Facebook. Über Veranstaltungen im Februar und den Faschingsumzug werde noch beraten.

Kamenzer denken über Feier im Freien nach

Die Kamenzer Narren des KKC starten am 11. 11. mit einem Mini-Umzug ab Malzhausplatz zum Markt in ihre diesjährige Saison. Da das Rathaus aktuell für Besucher geschlossen ist, wird die Schlüsselübergabe um 11.11 Uhr wohl im Freien stattfinden. Doch für die Veranstaltung 2022 im Stadttheater sieht es eher düster aus. "Wir würden gern jeden Gast begrüßen - ob genesen, geimpft oder getestet, ohne am Einlass differenzieren zu müssen", so Martin Förster vom Vorstand.

Zudem sei der Kontrollaufwand enorm, dies wäre personell nicht möglich - "und würde uns auch den Spaß am Karneval nehmen. Aufgrund dieser Faktoren würden wir uns gegen eine Veranstaltung unter 2G entscheiden. Alternativ denken wir aber über Events draußen nach. Diese Idee ist allerdings noch nicht durchgerechnet", so Martin Förster.

Auch die Laußnitzer und Königsbrücker Narren starten am 11. 11. um 11.11 Uhr in ihre neuen Saisons. Und erobern sich die Stadtkassen der Rathäuser. Alles andere steht in den Sternen. Über Zu- oder Absage der Party am 13. November werde kurzfristig entschieden, so Luise Klingebiel vom LKC. Vermutlich wird 2G aber auch hier nicht zur Debatte stehen. Die Königsbrücker blicken noch optimistisch auf Februar und ihren großen Faschingsumzug.