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Lichtblick: Ein neues Zimmer für Leon

Eine fünffache Mutter musste im Sommer umziehen. Keine leichte Sache - wegen der Behinderung ihres Sohnes und ihres knappen Budgets. Doch SZ-Leser halfen.

Leon und seine Mutter Heike konnten dank einer Spende der Stiftung Lichtblick ihre neue Wohnung renovieren. Auch Hund Harley fühlt sich hier wohl. Die Großröhrsdorfer Familie ist sehr dankbar für die Hilfe.
Leon und seine Mutter Heike konnten dank einer Spende der Stiftung Lichtblick ihre neue Wohnung renovieren. Auch Hund Harley fühlt sich hier wohl. Die Großröhrsdorfer Familie ist sehr dankbar für die Hilfe. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Große Sprünge waren noch nie möglich. Heike G. weiß, wie beschwerlich das Leben mit fünf Kindern ist. Kein Zuckerschlecken, aber dennoch irgendwie machbar. Das wissen sicherlich viele andere Großfamilien auch. Doch die Mutter ist alleinerziehend. Und hat einen ganzen Rucksack voll zusätzlicher Probleme zu schultern. "Ich kenne es aber nicht anders. Bin immer Einzelkämpferin gewesen", sagt die 50-Jährige.

Als ihr viertes Kind zur Welt kommt, scheint noch alles planbar und klar. Doch Leon hat frühkindlichen Autismus. Mit anderthalb Jahren steht die Diagnose plötzlich im Raum. Eine Diagnose, die der Großröhrsdorferin die Füße wegreißt. Denn nun ist nichts wie früher. Vor allem muss sie ihre Arbeit aufgeben, denn die Betreuung des Sohnes kostet Kraft und viel Zeit.

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Seitdem bezieht Heike G. Arbeitslosengeld II und kümmert sich intensiv und engagiert um Leon. Der Junge hat noch nie viel gesprochen. Nur zwei, drei Sätze beherrscht er. So etwas wie "darf ich? " Oder "gib mir!" "Alles andere passt nicht in seine Welt", sagt seine Mutter. Auch bei alltäglichen Dingen wie der Körperhygiene muss sie dem mittlerweile 18-Jährigen noch helfen. Dafür kann er ganz toll malen.

Mutter verlor niemals den Mut und kämpft weiter

Bei allen Entbehrungen: Ihren Stolz hat Heike G. nie verloren. "Ich bin gelernte Näherin. Und habe auch über die Jahre in vielen anderen Jobs gearbeitet. Mir ist es egal, ob ich bei jemandem putze oder andere Arbeiten ausführe. Hauptsache, ich kann etwas selbst für meinen Unterhalt beitragen", sagt sie. Von den Vätern des Nachwuchses habe sie nie viel zu erwarten gehabt. Dennoch seien sie und die fünf Kinder auf ihre Weise immer eine glückliche Familie gewesen.

Dennoch: Das Leben mit einem behinderten Kind schlaucht. Leon wird schnell wütend. Da braucht es Geduld und Verständnis, auch von Vermietern und Bekannten. Nicht immer klappt das. Heike G. musste sich in diesem Sommer relativ schnell umorientieren, da ihr langjähriger Vermieter Eigenbedarf für ihre Wohnung angemeldet hatte. "Ich wollte dann aber auch zügig weg und habe glücklicherweise über eine Freundin eine tolle neue Wohnung für unsere Ansprüche gefunden", sagt sie.

Bei Leons Wutausbrüchen geht es meistens laut zu

Am Stadtrand von Großröhrsdorf zog sie in ein ehemaliges Fabrikgelände. Dort bekam mittlerweile auch ihre Tochter eine Wohnung - genau über ihr. Die Familie wächst also gerade wieder zusammen. Ein 15-jähriger Sohn lebt ebenfalls noch bei Heike G. "Wir wollen uns nicht beklagen. Und hier müssen wir uns auch nicht einschränken, was Leons besondere Angewohnheiten anbelangt", sagt die Mutter. Bei seinen Wutausbrüchen gehe eben auch schon mal etwas im Haushalt kaputt. Und es könne ziemlich laut werden.

Heike G. jedenfalls war froh, dass sie die neue Wohnung gefunden hat. Doch renovieren musste sie die Räume allein. Konkret bedeutete das, neuen Fußbodenbelag zu kaufen und zu malern. Ein finanzieller Aufwand, der im engen Budget der Familie nicht eingeplant war. Die 50-Jährige beantragte deshalb einen Zuschuss beim Jobcenter. Dieser wurde abgelehnt. Begründung: Einen Zuschuss für die Erstausstattung einer Wohnung gibt es nur für Möbel.

Rat gesucht - Spende gefunden bei Lichtblick

Guter Rat war also gefragt. Und diesen bekam die Fünffachmutter bei der Allgemeinen sozialen Beratungsstelle der Diakonie in Kamenz. Die Mitarbeiter stellten für sie einen Spendenantrag bei der Stiftung Lichtblick, welcher unbürokratisch genehmigt wurde. 400 Euro flossen im Sommer aus dem Spendentopf als Zuschuss für Fußboden und Renovierungsarbeiten. "Ich bin froh und dankbar, dass es solche Möglichkeiten für Menschen wie uns gibt", sagt Heike G.

In ihrem Leben hat sich seitdem einiges getan. Zum einen fühlt sich die Familie wohl im neuen Wohnumfeld. Leon ist begeistert von seinem neuen Zimmer. Und auch Freunde und Bekannte stehen der Familie zur Seite. "Ich habe zum Glück einen schönen Ausgleich bei den Opelfreunden Pulsnitztal. Dort fühle ich mich frei und verstanden. Sogar Leon hat dort seinen Spaß. Es kommt aber auf seine Befindlichkeiten an. Die wechseln häufig. Gerade aktuell lässt er kaum jemand Fremdes an sich heran", sagt die 50-Jährige. Dafür hat sie einen Mini-Job gefunden - direkt auf dem Fabrikgelände, wo sie wohnt. Wünsche bleiben jedoch. Vor allem ist da die Angst vor der Zukunft.

Hoffen auf einen Werkstatt-Platz für Leon

Mittlerweile ist Leon volljährig. Als kleines Kind ging er in einen Integrativkindergarten in Kamenz. Heute besucht er die Förderschule des Sächsischen Epilepsiezentrums in Kleinwachau. Nicht mehr lange, dann könnte er in der dortigen Werkstatt arbeiten. Aktuell laufen ein paar Praktika. Doch ganz entschieden ist die Sache noch nicht.

"Wir hoffen es so sehr. Leon arbeitet sehr schnell, das ist ein Vorteil. Doch er hat auch Probleme, und mit der Ausdauer ist es leider nicht so weit her", weiß seine Mutter. Dennoch: Es gibt immer wieder Lichtblicke. Große und kleine...

Die Stiftung Lichtblick veranstaltet dieses Jahr die 25. Spendensaison für unschuldig in Not geratene Menschen.

· Die Spenden können mit beiliegendem Überweisungsträger oder online über www.lichtblick-sachsen.de/jetztspenden überwiesen werden.

· Der Überweisungsbeleg gilt bis 200 Euro als Spendenquittung. Für größere Überweisungen senden wir bei Angabe einer Adresse eine Quittung.

· Hilfesuchende wenden sich bitte an Sozialeinrichtungen ihrer Region wie Diakonie, Caritas, DRK, Volkssolidarität, Jugend- und Sozialämter.

· Die Sächsische Zeitung veröffentlicht automatisch die Namen der Spender. Wer anonym spenden will, vermerkt beim Verwendungszweck „Anonym“.

· Erreichbar ist Lichtblick:

· Telefon: Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr unter 0351 4864 2846, Fax - 9661.

· E-Mail: [email protected]

· Post: Sächsische Zeitung, Stiftung Lichtblick, 01055 Dresden

www.lichtblick-sachsen.de
Spenden an:
Ostsächsische Sparkasse Dresden,
BIC: OSDDDE81
IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74

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