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Die Fotografin ohne Studio

In Lichtenberg hat eine junge Frau ihr Hobby zum Beruf gemacht. Fast alle ihre Aufnahmen entstehen in der Natur.

Pauline Kerber aus Lichtenberg hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und ist nun als Familien- und Hochzeitsfotografin tätig. Fast alle ihre Aufnahmen entstehen draußen.
Pauline Kerber aus Lichtenberg hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und ist nun als Familien- und Hochzeitsfotografin tätig. Fast alle ihre Aufnahmen entstehen draußen. © Matthias Schumann

Lichtenberg. Das Licht ist weich, die Farben in Pastell gehalten. Nichts Grelles sticht ins Auge, alles wirkt harmonisch. Die Menschen auf den Fotos sehen glücklich aus, ungestellt. Es sind Momentaufnahmen, die Pauline Kerber mit der Kamera festhält. Momentaufnahmen, die besondere Augenblicke für die Ewigkeit archivieren.

Die junge Frau hat jetzt ihr Hobby zum Beruf gemacht und als Fotografin den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Keine leichte Entscheidung, denn auf ein festes Einkommen kann sie somit nicht bauen. Und doch überwiegt bei der 26-Jährigen der Optimismus. „Ich kann jetzt genau das tun, was mir wirklich gefällt. Ich habe gemerkt, dass das meine Leidenschaft ist“, sagt Pauline Kerber, die seit September 2019 mit ihrer Familie in Lichtenberg wohnt.

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Pauline Kerber hat den Beruf der Hotelfachfrau gelernt, zuletzt in der Therese-Malten-Villa in Dresden gearbeitet. Durch die Geburt ihrer Kinder war sie dann zu Hause. Die jüngste Tochter ist erst in diesem Jahr geboren. Dazu kam vor zwei Jahren der Kauf eines alten Bauernhauses in Lichtenberg. „Ich komme aus Königsbrück, mein Mann aus Bannewitz. Wir wollten einen Wohnort, der dazwischen liegt“, erklärt die junge Frau.

Neues Zuhause im alten Bauernhaus

Über das Internet hat die junge Familie dann das alte Bauernhaus gefunden, und es für ihre Bedürfnisse umgebaut. „Als wir 2019 eingezogen sind, war alles noch eine Baustelle, wir hatten kein Fließendwasser, und die Toilette war draußen“, blickt Pauline Kerber zurück. Inzwischen ist der Wohnbereich gemütlich geworden - mit vielen Holzbalken und einem großen Fenster zum Garten.

Auch Karl Kerber fühlt sich in dem Bauernhaus wohl. Als selbstständiger Gesangs- und Klavierlehrer konnte er sich ein kleines Studio einrichten, wo er seine Schüler direkt oder online unterrichtet. Wichtig ist beiden, dass ganz viel Zeit für die Kinder bleibt, dass sie jeden Tag mit ihnen genießen können. „Wenn beide Eltern selbstständig sind, kann man sich mit seinen Terminen und Aufträgen gut abstimmen, und trotzdem ist immer einer für die Mädchen da“, sagt Pauline Kerber.

Bei Feiern für Freunde fotografiert

Gern fotografiert hat die junge Mutter schon als Jugendliche. Vor zehn Jahren schaffte sie sich die erste Mini-Digitalkamera an, zwei Jahre später dann die erste Spiegelreflexkamera. Später fotografierte sie nicht nur für sich.

„Ich wurde immer öfter von Freunden und Familienangehörigen angesprochen, ob ich nicht bei einem Fest oder fürs Album Fotos machen könne“, erzählt Pauline Kerber. Später kamen die ersten Shootings, immer noch als Hobby. Die Bilder – ausschließlich im Freien aufgenommen – kamen bei den Leuten gut an. Fotos in der Natur und aus einer natürlichen Situation heraus sind das Markenzeichen von Pauline Kerber. Ein Studio hat sie nicht.

Sie wisse natürlich, dass man bei professionellen Aufnahmen nicht einfach nur auf den Auslöser drücken kann. So nahm sie an Online-Workshops teil, hat Lehrgänge von Fotografen besucht. „Trotzdem ist vieles Learning by Doing“, sagt sie. Das Hauptbetätigungsfeld für Pauline Kerber sind Familienfotos und Hochzeitsbilder.

Kinder sollen Spaß haben vor der Kamera

Gerade bei Kindern sei es nicht immer einfach, schöne Aufnahmen hinzubekommen, manchmal wollen sie nicht, rennen weg oder klammern sich an die Mama. „Bei meinen Fotos ist mir wichtig, dass ihr nicht vor der Kamera sitzt und gezwungen lächelt. Ihr dürft einfach Spaß haben, spielen und lachen, bis man Bauchweh hat und Tränen in den Augen“, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Da störe es auch nicht, wenn das Kind vor lauter Spaß mal die Zunge rausstreckt.

Bei den Hochzeitsfotos agiere sie als Fotografin unauffällig. Sie wolle weder die Zeremonie stören noch sich in den Vordergrund rücken. Die Aufnahmen des Paares finden dann in der Natur statt, auf einer Blumenwiese oder am Waldrand.

Fotografiert ehrenamtlich Sternenkinder

Eine Aufgabe liegt der Lichtenbergerin besonders am Herzen: Sie macht Aufnahmen von Sternenkindern. Das sind Kinder, die tot geboren wurden. Tritt so ein schlimmer Fall ein, wird Pauline Kerber auf Wunsch der Eltern ins Krankenhaus gerufen. Das läuft über die Stiftung „Dein Sternenkind“. Es ist eine schwere, aber wichtige Aufgabe, das tote Kind in liebevoller Umgebung allein oder mit den Eltern zu fotografieren. Ein erstes und gleichzeitig letztes Foto des Kindes.

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„Die Eltern brauchen dieses Abschiedsbild als Erinnerung“, sagt Pauline Kerber. Es benötige Zeit, um das schwere Schicksal zu verarbeiten, und manche würden sich das Foto dann auch erst sehr viel später anschauen. Als Fotografin von Sternenkindern agiert die Lichtenbergerin ehrenamtlich, wie weit über 500 andere Fotografen bundesweit.

Pauline Kerber ist selbstständig, ihr Mann auch - kann man als junge Familie davon leben? „Ja, man kann“, sagt die Fotografin. Vielleicht werde man nicht reich davon, aber das müsse man auch nicht, wenn man seinen Lebenstraum erfüllen könne.

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