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Kamenz: Das passiert am alten Krankenhaus

Das denkmalgeschützte Gebäude steht seit vielen Jahren leer. Nun ist klar, wann die Sanierung beginnt - und wer künftig einzieht.

Planen eine neue Nutzung für das Kamenzer  Barmherzigkeitsstift: Volker Böhme und Thomas Alscher von der Firma Hentschke Bau im Gespräch mit OB Roland Dantz und Reiner Rogowski von den Oberlausitz-Kliniken (v.l.).
Planen eine neue Nutzung für das Kamenzer Barmherzigkeitsstift: Volker Böhme und Thomas Alscher von der Firma Hentschke Bau im Gespräch mit OB Roland Dantz und Reiner Rogowski von den Oberlausitz-Kliniken (v.l.). © Matthias Schumann

Kamenz. Etliche Fenster sind verrammelt, und der Schriftzug „Seyd barmherzig“ bröckelt. Vor etwa anderthalb Jahren machte die Stadt Kamenz per Notarvertrag den Verkauf des Barmherzigkeitsstiftes klar. Für 312.000 Euro ging das gesamte Areal mit dem leerstehenden früheren Krankenhausgebäude und über 5.700 Quadratmetern Fläche an die Firma Hentschke Bau aus Bautzen. Die hatte mit dem Konzept für ein betreutes Senioren-Wohnen eine große Mehrheit im Stadtrat und die Fachleute in der Stadtverwaltung überzeugen können.

Dort hatte man eigentlich schon im Sommer vor einem Jahr mit einem Bauantrag gerechnet. Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Es sei schwierig gewesen, einen Betreiber zu finden, erklärt Hentschke-Bau-Geschäftsführer Thomas Alscher. Dabei spreche einiges für den Standort: Die Nähe zum Stadtzentrum, die gute Bahnanbindung, das geschichtsträchtige Gebäude, auch die Freianlagen hatten zumindest für den Inverstor eine wichtige Rolle gespielt.

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Erfahrener Partner fürs betreute Wohnen

Zuerst sei das Interesse potenzieller Betreiber auch da gewesen, dann aber doch nicht in einen Vertrag gemündet. Überregionale Betreiber ziehe es eher in die Großstädte. Für die meisten regionalen Anbieter sei das Projekt eine Nummer zu groß gewesen, um es wirtschaftlich stemmen zu können, schätzt Hentschke-Bau-Prokurist Volker Böhme ein. Einer hat sich dann doch getraut: die Bautzener Oberlausitz-Kliniken (OLK) mit der Westlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege gGmbH aus Pulsnitz als Tochtergesellschaft. 

Damit steigt ein erfahrener Partner, der bereits an die 1.200 Plätze in der Seniorenpflege betreibt, im Barmherzigkeitsstift ein. Das Bauunternehmen sei an die OLK-Unternehmensgruppe herangetreten, so Geschäftsführer Reiner E. Rogowski: „Wir mussten das Angebot natürlich prüfen, haben es mit leitenden Mitarbeitern der Westlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege erörtert und dann zugesagt.“ Der Kliniken-Geschäftsführer ließ außerdem durchblicken, dass die OLK die Anlage nach der Fertigstellung auch ganz übernehmen, also kaufen würde.

Für den Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) ist der Vertrag mit den Oberlausitz-Kliniken eine gute Nachricht. Über 20 Jahre habe es gedauert, bis nun eine Lösung feststeht. Damals war die Entscheidung gefallen, ein neues Krankenhaus am Stadtrand zu bauen. Ein modernes Krankenhaus sei auf dem alten Areal nicht möglich und die Entscheidung für den Neubau am Stadtrand richtig gewesen, schätzt Dantz heute ein. 

Plan für ein Baselitz-Museum scheiterte

Später war das Stift sogar als Museum für den aus Deutschbaselitz stammenden Maler Georg Baselitz im Gespräch. Leider sei es dann nicht gelungen, Sachsens Staatliche Kunstsammlungen für das Projekt zu gewinnen, so Dantz. Ohne diese sei das Museum nicht realisierbar gewesen. Mit dem Krankenhaus sei auch Leben aus der Innenstadtnähe weggezogen. Mit dem betreuten Wohnen kehre es nun bald wieder zurück, freut sich der OB.

„Ich halte das betreute Wohnen für ein Zukunftsmodell, das sich wirtschaftlich führen lässt“, so Reiner Rogowski. Der Bedarf sei da und seine Unternehmensgruppe ja in Kamenz bereits mit einem Pflegedienst und einer Arztpraxis vertreten. Das Engagement wolle man ausbauen. Das betreute Wohnen sei wie ein Bindeglied zwischen den eigenen vier Wänden und der stationären Pflege, so Rogowski.

Die Bauarbeiten sollen nächstes Jahr im Juli beginnen. Einige Voraussetzungen dafür schaffte die Stadt bereits durch Abriss- und Erschließungsarbeiten auf dem Gelände sowie Dach- und Schwammsanierung im Stift, sodass man von einem vernünftigen Rohbauzustand sprechen könne, so Hentschke-Bau-Geschäftsführer Alscher. Parallel zur Sanierung des Altbaus entsteht auf  dem Areal ein Neubau mit drei Etagen, erklärt er.  5,5 bis 6 Millionen Euro will die Firma investieren.

50 Wohnungen werden dann zur Verfügung stehen sowie Gemeinschaftsräume. Reiner Rogowski rechnet mit insgesamt etwa 60 Bewohnern in beiden Gebäuden. Außerdem werde der Pflegedienst „Am Herrenthal“ – derzeit an der Pulsnitzer Straße - mit einziehen und eine Arztpraxis. Da sei man noch auf der Suche.

Betreiber sucht jetzt schon Pflegepersonal

Es werde auch noch Pflegepersonal gebraucht. Er sei sich  bewusst, dass es nicht leicht sein werde, welches zu gewinnen, so Reiner Rogowski: „Wenn wir qualifizierte Pflegekräfte finden, werden diese bereits heute eingestellt. Wir bilden auch aus und werden Kräfte aus dem Ausland akquirieren müssen.“

Die Wiese hinter dem Stift soll zu einem Park umgestaltet werden, der nicht nur für die künftigen Bewohner des Stifts, sondern auch für alle Bürger offen sein soll mit einer Wegeverbindung zum Bönisch-Mausoleum. Gottfried Bönisch hatte 1826 die Kamenzer Einrichtung als erstes sächsisches Krankenhaus eröffnet. 

Bei der Sanierung sind auch umfangreiche denkmalpflegerische Auflagen zu erfüllen. Die betreffen unter anderem die Vorderfront mit der Inschrift „Seyd barmherzig“, das Eingangsportal und die Außenanlagen. Innen geht es vor allem um eine historische Treppenanlage. Im zweiten Quartal 2023 sollen voraussichtlich die ersten Bewohner einziehen. 

Dieser Anblick ist noch Vision: So soll das Barmherzigkeitsstift in Kamenz 2023 aussehen.
Dieser Anblick ist noch Vision: So soll das Barmherzigkeitsstift in Kamenz 2023 aussehen. © Hentschke-Bau

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