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„Das Osterreiten hat mir gefehlt“

Schon 17-mal war Raphael Krahl aus Kamenz bei der Prozession dabei. Nach dem Ausfall 2020 wird es diesmal für ihn besonders - nicht nur wegen Corona.

Alles bereit fürs Osterreiten: Raphael Krahl aus Kamenz freut sich auf die Prozession in diesem Jahr.
Alles bereit fürs Osterreiten: Raphael Krahl aus Kamenz freut sich auf die Prozession in diesem Jahr. © René Plaul

Kamenz/Nebelschütz. Den Zylinder und den Gehrock hat er für den Fototermin an der Nebelschützer Kirche schon einmal angezogen. Kein Problem für Osterreiter Raphael Krahl. Bereits eine Woche vor der Prozession am Ostersonntag liegt alles bei ihm zu Hause bereit – auch die weißen Handschuhe. Raphael Krahl freut sich, dass das Osterreiten in diesem Jahr stattfinden soll, nachdem im vergangenen Jahr corona-bedingt nicht geritten werden durfte.

Für den katholischen Sorben, der aus Wendischbaselitz stammt, ist Ostern der Höhepunkt im kirchlichen Leben – und dazu gehört für ihn das Osterreiten. „Wir feiern an diesem Tag die Auferstehung Jesu Christi und tragen diese Botschaft in die Nachbardörfer“, sagt er. Es sei für ihn nicht nur eine Ostertradition, sondern fest in seinem Glauben verwurzelt.

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Mir hat das Osterreiten im vergangenen Jahr echt gefehlt“, sagt Raphael Krahl rückblickend. So blieb nur ein stilles Gebet am Ostersonntag. Gefreut hat sich Krahl über die Solidarität der Bewohner im Ort. Viele hätten in den Gärten gestanden, gesungen und gebetet. „Das war wenigstens ein kleiner Trost“, sagt der 31-Jährige.

Mit 13 Jahren das erste Mal mitgeritten

17-mal ist er schon zu Ostern mitgeritten. Im Alter von 13 Jahren war er das erste Mal bei der Nebelschützer Prozession dabei. „Dafür brauchte ich eine Sondergenehmigung, weil man ja eigentlich erst ab dem 14. Lebensjahr daran teilnehmen kann.“ Doch es habe geklappt, und so konnte er damals stolz das grüne Kränzchen an der Jacke tragen - das Zeichen für jene, die zum ersten Mal mitreiten. Seitdem gab es kein Jahr ohne Osterreiten für Raphael Krahl, ausgenommen das vergangene.

In seiner Familie gehört das Osterreiten zum Fest wie bei anderen das Eiersuchen. Schon sein Großvater, sein Vater und seine Cousins waren dabei. In diesem Jahr reitet Raphal Krahl mit seinem Bruder mit, und das wie immer bei den Nebelschützern. Obwohl er jetzt mit seiner Freundin in Kamenz wohnt, ist der Wendischbaselitzer Hof der Ort der Vorbereitungen sowie Abritt- und Ankunftsstelle. Denn dort gibt es einen Stall und eine Koppel – die Logistik ist also vorhanden.

Diesmal strenge Regeln wegen Corona

Raphael Krahl kennt die diesjährige Debatte um das Osterreiten. „Es gibt ja schon immer zeitig Zusammenkünfte der Reiter einer Prozession, und dabei wurde auch das Thema Corona besprochen.“ Man sei sich einig gewesen, dass das Reiten dieses Jahr stattfinden muss.

Die gesamte Organisation liegt in den Händen der Kantoren. Das Hygienekonzept steht, auch bei den Nebelschützern. Alle Reiter seien über die Maßnahmen informiert worden, sei es zu Kontakten in den Ställen oder dazu, dass Pausen nur im Freien erlaubt sind und keine Fremden ein Pferd halten dürfen. „Das macht dann der Nachbarreiter“, erklärt Raphael Krahl. Und es dürften immer nur zwei Pferde in einem Stall stehen.

Das Pferd kommt von einem Hof in Cottbus

Mehr als 50 Reiterpaare wird es in diesem Jahr bei der Nebelschützer Prozession geben. Raphael Krahl bekommt sein Tier von einem Hof in Cottbus, weil es in der Familie selbst keine eigenen Pferde mehr gibt. „Ich stehe in Kontakt mit den Vermietern, gerade jetzt, da das Thema Pferdeherpes aktuell geworden ist“, sagt Krahl mit Blick auf die Ausbreitung der besorgniserregenden Pferdekrankheit.

"Sein" Pferd komme dann schon am Gründonnerstag nach Wendischbaselitz, damit genügend Zeit für individuelles Reiten, die Pflege und das Schmücken der Tiere bleibt. „Die Teilnahme an der Osterprozession kostet Zeit und auch Geld“, sagt Raphael Krahl. So koste allein die Erstausstattung für einen Reiter etwa 2.000 Euro, die Miete für das Pferd wird mit etwa 200 Euro veranschlagt. Doch das sei es den Reitern wert.

Freundin schaut das erste Mal zu

Zum ersten Mal wird die Freundin von Raphael Krahl das Osterreiten erleben. „Sie stammt aus der Nähe von Berlin und kannte die Tradition überhaupt nicht. Sie ist weder Sorbin noch Katholikin.“ Für die beiden sei es schön, das Ganze gemeinsam zu erleben – nicht nur als Event für Touristen.

Das wird und soll es in diesem Jahr auch nicht werden. Denn die Routen und Zeiten der Prozessionen werden im Vorfeld nicht öffentlich bekanntgegeben. Nur die Reiter und ihre Familien sollen sie erfahren.

Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zum Ostersonntag. Raphael Krahl ist aufgeregt, aber nur ein ganz klein wenig. Schließlich ist er mit seinen 17 Teilnahmen kein Anfänger mehr. Die Aufregung kommt wohl eher daher, dass zum ersten Mal seine Freundin zuschauen wird.

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