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Schau zeigt Königsbrück als Militärstadt

1892 gab es den ersten Armee-Schießplatz. Seitdem waren hier immer Soldaten stationiert, zeitweise auch Atomraketen. Jetzt verrät ein Ausstellung Details dazu.

Peter Sonntag (l.) und Mediengestalterin Karina Klotzsche gehörten zu denjenigen, die die Ausstellung zur Militärgeschichte von Königsbrück mitgestaltet haben.
Peter Sonntag (l.) und Mediengestalterin Karina Klotzsche gehörten zu denjenigen, die die Ausstellung zur Militärgeschichte von Königsbrück mitgestaltet haben. © Matthias Schumann

Königsbrück. Die meisten Bewohner wissen es, die Generation, die nach der Wende geboren wurde, kennt es nur vom Erzählen: Königsbrück war eine Militärstadt. Es gab Zeiten, da übertraf die Zahl der stationierten Soldaten die Zahl der Einwohner um ein Vielfaches. Inzwischen betreibt die Bundeswehr in Königsbrück noch das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin, aber es ist das letzte Überbleibsel einer militärischen Tradition.

Touristen, die die Stadt besuchen, wissen von der Militärgeschichte nichts - und sie konnten bisher auch nicht viel darüber erfahren. Das ist seit Anfang April anders. Am Eingang zum Neuen Lager an der Königsbrücker Straße gibt es seit wenigen Tagen eine Ausstellung zur Militärgeschichte der Stadt. Die Informationen reichen zurück bis ins zu Ende gehende 19. Jahrhundert und gehen bis in die jetzige Zeit.

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Bereits 1892 gab es auf dem Gelände des Dorfes Stenz einen Infanterie-Gefechts-Schießplatz für die königlich-sächsische Armee. 1895 wurde eine reitende Abteilung nach Königsbrück verlegt und die Prinz-Georg-Kaserne gebaut. Später entstand ein Truppenübungsplatz, den die Sowjetarmee nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm. In Hoch-Zeiten waren bis zu 20.000 Soldaten stationiert, der Übungsplatz hatte eine Fläche von etwa 8.000 Hektar, und es wurden sogar SS-12-Atomraketen gelagert.

Heimatverein hat die Schau initiiert und finanziert

Initiiert hat die neue Ausstellung der Heimatverein Königsbrück und Umgebung. "Es gab nichts, was Touristen aber auch Einwohner zur Militärgeschichte direkt in der Stadt erfahren konnten", erklärt Vereinsvorsitzender Peter Sonntag, warum schon vor drei Jahren die Idee geboren wurde. Doch so leicht ließ sich der Gedanke nicht umsetzen. Es brauchte eine konzeptionelle Erarbeitung, dann die Umsetzung - und vor allem brauchte es Geld. "Ohne Fördermittel kann ein Verein so eine Ausstellung nicht stemmen", erklärt Peter Sonntag.

Die Chance bot sich im vergangenen Jahr. "Im August bekamen wir den Bescheid über Fördermittel für das Projekt in Höhe von 4.000 Euro", berichtet Sonntag. Die gleiche Summe musste der Verein selbst stemmen - zum Beispiel aus Spenden oder mit Einnahmen aus dem Verkauf des von ihm initiierten Kamelien-Parfüms oder von Kamelien-Pflanzen. Los ging es mit der Planung für eine militärhistorische Ausstellung. Der Verein holte sich dafür mehrere Partner ins Boot, so Ute Steckel vom Geschichtsvereins, Reiner Böhme und Sandro Tenne, die sich privat sehr für Militärgeschichte interessieren, Cornelia Schlegel von der Verwaltung des Naturschutzgebietes, um nur einige zu nennen. "Es ging vor allem auch darum, Fotomaterialien aus all den verschiedenen Zeiten zu finden", sagt Peter Sonntag.

Am Pavillon am Eingang zum ehemaligen Neuen Lager in Königsbrück wurden die Ausstellungstafeln angebracht. Zu den ersten Betrachtern gehörte Siegfried Großmann.
Am Pavillon am Eingang zum ehemaligen Neuen Lager in Königsbrück wurden die Ausstellungstafeln angebracht. Zu den ersten Betrachtern gehörte Siegfried Großmann. © Matthias Schumann

Die Idee war es, sechs große Tafeln zu erstellen, die die Geschichte zeigen. Das reicht von der Kaiserzeit über die verschwundenen Dörfer, über die Zeit der Sowjetarmee in Königsbrück bis hin zur Umgestaltung des Truppenübungsplatzes in ein Naturschutzgebiet. Auf der Rückseite der Tafeln wird auf Sehenswürdigkeiten in der Stadt Königsbrück hingewiesen. Letztlich entstanden zwölf Informationsblätter.

Ute Steckel und Sandro Tenne suchten die Fotos heraus, Peter Sonntag kümmerte sich um den Text für die Tafeln, Karina Klotzsche von der Medienscheune in Höckendorf stellte alles grafisch zusammen. "Die Entwürfe haben wir an Ralf-Klaus Winkler geschickt, einen profunden Kenner der Militärgeschichte von Königsbrück", erzählt Peter Sonntag. Winkler zeigte sich beeindruckt, findet die Ausstellung sehr gut. "Es ist höchste Zeit, dass mal etwas zur Militärgeschichte von Königsbrück kommt", findet er.

Eröffnung wurde wegen Corona verschoben

Die Tafeln angefertigt hat eine Werbeagentur aus Kamenz. Im Dezember vergangenen Jahres war alles fertig, dann kam der zweite Corona-Lockdown, und der Heimatverein verschob die Eröffnung der Ausstellung.

Das wurde am 31. März in kleiner Runde nachgeholt. Alle an der Erarbeitung der Schau Beteiligten waren anwesend, auch der Bürgermeister. Heiko Driesnack (CDU) findet die Schau gelungen und freut sich über dieses weitere Angebot in der Stadt. Besucher, die über das ehemalige Neue Lager ins Naturschutzgebiet gelangen, bekommen jetzt gleich zu Beginn ihrer Tour einen spannenden Geschichtsüberblick.

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