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Eklat bei der Elstraer Feuerwehr

Der Stadtrat hat die Schließung des Standortes Kriepitz beschlossen. Die betroffenen Kameraden sind empört und traurig - und reagieren geschlossen.

Symbolisch trugen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kriepitz ihren Standort zu Grabe. Gleich nach der Entscheidung im Elstraer Stadtrat stellten sie das Kreuz vor ihr Gerätehaus.
Symbolisch trugen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kriepitz ihren Standort zu Grabe. Gleich nach der Entscheidung im Elstraer Stadtrat stellten sie das Kreuz vor ihr Gerätehaus. © Feuerwehr Kriepitz

Elstra. Geschlossen waren sie zur Stadtratssitzung in dieser Woche erschienen - geschlossen traten sie jetzt aus der Feuerwehr aus. Die Rede ist von den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr im Elstraer Ortsteil Kriepitz. Deren Standort soll nach einem Beschluss des Rates geschlossen werden. Konkret stand der neue Brandschutzbedarfsplan zur Abstimmung, und bis auf eine Enthaltung sprachen sich alle Stadträte dafür aus. Der Plan sieht für die gesamte Feuerwehr der Stadt nur noch drei statt vier Standort vor. Kriepitz wird aufgegeben.

Auf diesen Beschluss reagierten die Kameraden empört wie auch traurig. Gleich nach der Stadtratssitzung fuhren sie zu ihrem Gerätehaus, stellten davor ein Holzkreuz auf, darum gruppiert die Helme, davor zwei Kerzen. Neben dem Gebäude hängt ein großes Plakat, auf dem Folgendes zu lesen ist: „Für Kriepitz geh'n wir durchs Feuer! Für Elstra sind wir zu teuer!“. Auf ihrer Facebook-Seite ist außerdem zu lesen: „Es erfüllte uns mit Stolz, für den Ort Kriepitz und die Gemeinde da zu sein“.

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110 Jahre gab es die Wehr in Kriepitz

Doch es gibt noch eine weitere Reaktion auf den Beschluss. Alle Mitglieder aus Kriepitz sind am Dienstag geschlossen aus der Feuerwehr ausgetreten. Zehn Kameraden hatte die Wehr, die nicht nur bei Bränden, Unfällen oder Katastrophen im Einsatz waren, sondern auch maßgeblich das kulturelle Leben im kleinen Ort mitgestaltet oder andere Dinge im Kriepitz umgesetzt haben. So organisierten sie unter anderem das Weihnachtsbaumbrennen, das Maibaumaufstellen oder einen kleinen Weihnachtsmarkt.

Für die Kameraden ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Nach 110 Jahren Freiwillige Feuerwehr Kriepitz ist jetzt Schluss. „Alle Kameraden haben beschlossen, keinen Einsatz mehr zu fahren. Außerdem haben wir unser Einsatzfahrzeug bei der Leitstelle abgemeldet und stehen nicht mehr zur Verfügung“, erklärt Wehrleiter Stephan Schnietz auf Nachfrage von Sächsische.de. Am Freitag bringt er die Austrittsgesuche von neun Kameraden zum Elstraer Wehrleiter. Er selbst will noch bis Ende des Jahres mitmachen, weil er gleichzeitig stellvertretender Wehrleiter ist.

Bereits vor fünf Wochen hatte eine Fachfirma den neuen Brandschutzbedarfsplan im Stadtrat vorgestellt. Der Knackpunkt darin: Würde Elstra alle vier Standorte erhalten, wäre eine Investition von knapp 3,7 Millionen Euro notwendig, um die Einsatzbereitschaft zu sichern. Bei drei Standorten könnten 1,4 Millionen Euro weniger eingeplant werden. Das alles ist gerechnet auf sieben Jahre. Für Kriepitz wären in den nächsten Jahren die Sanierung des Gerätehauses und ein neues Fahrzeug fällig gewesen.

Einsatzbereitschaft muss gewährleistet sein

Außerdem sei die Kriepitzer Wehr allein aufgrund ihrer Personenstärke nicht einsatzbereit, sondern muss immer mit einer anderen Wehr rausfahren. Das liegt auch daran - und das hat die Praxis gezeigt -, dass tagsüber viele der Freiwilligen auswärts arbeiten und gar nicht ausrücken können. Das trifft auf alle Standorte zu. Trotzdem muss gewährleistet sein, dass die Feuerwehr mit der notwendigen Besatzung innerhalb von neun Minuten am Einsatzort ist. Derzeit ist das bei 88 Prozent der Fälle so. Bei Schließung eines Standortes wären es noch 80 Prozent, so die Aussage aus dem Gutachten.

Die Stadträte haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, und vor allem immer wieder betont, welch großartige Arbeit die Kameraden geleistet haben. Matthias Schniebel (FDP) bringt es auf den Punkt: „Die Zahlen zeigen, dass Kriepitz als eigenständige Wehr nicht zu finanzieren ist. Wir wollen die Leute aber nicht verlieren“, sagt er. Man müsse den Kameraden Angebote unterbreiten, wie sie in den anderen Wehren zu integrieren sind. Frank-Hermann Göpfert (CDU) betonte noch zur Stadtratssitzung, dass das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Leute ganz hinschmeißen. Das ist jetzt auch passiert.

Hoffen auf andere Entscheidung der Kameraden

Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch) bedauert die Entscheidung der Kriepitzer Kameraden. Er kann verstehen, dass die Enttäuschung bei ihnen jetzt groß ist. „Sie alle haben eine tolle Arbeit gemacht, aber aufgrund der Personalbereitschaft bei Einsätzen ist die Entscheidung des Rates gerechtfertigt“, sagt er. In diesem Zusammenhang unterlegt er die Entscheidung des Rates noch einmal: „Es geht nicht um die Schließung eines Standortes, sondern um die Umstrukturierung der gesamten Elstraer Feuerwehr“. Der Bürgermeister wie auch der Stadtwehrleiter hoffen trotz des schnellen Austritts, dass sich einige Kameraden noch entscheiden, bei einer der anderen Wehren mitzumachen.

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