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Kamenz forscht zum Fliegen ohne Pilot

Wissenschaftler und Hightech-Firmen wollen auf dem Verkehrslandeplatz der Stadt mit Drohnen und Flugtaxis experimentieren - und damit auch Jobs schaffen.

Fachmann Mike Hohmann lässt auf dem Kamenzer Flugplatz eine Drohne steigen. Hier soll künftig geballte Kompetenz das autonome und elektrische Fliegen voranbringen.
Fachmann Mike Hohmann lässt auf dem Kamenzer Flugplatz eine Drohne steigen. Hier soll künftig geballte Kompetenz das autonome und elektrische Fliegen voranbringen. © Matthias Schumann

Kamenz. Flugtaxis über dem Kamenzer Verkehrslandeplatz – keine unmögliche Vision mehr. Die Stadt hat eine über 100-jährige Geschichte als Flugstandort. Jetzt kommen ganz neue Impulse hinzu: Derzeit entsteht ein Kompetenzzentrum für autonomes und elektrisches Fliegen. Am Donnerstag stellten sich die Beteiligten in Kamenz vor. Gegenwart und Zukunft waren nebeneinander zu erleben.

Während oben die Propellermaschinen mit Flugbenzin im Tank kreisten, stieg unten eine elektrische Drohne auf. In einem Hangar nebenan hatte sich geballte Kompetenz von Wissenschaftlern und Hightech-Firmen versammelt, die die Kamenzer Initiative unterstützen wollen. Denn die fossilen Treibstoffe sind endlich, aber mit der Fliegerei soll es weitergehen. Drohnen und Flugtaxis sind da eine Option. 

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Koordiniert wird die Zusammenarbeit in Kamenz von der gemeinnützigen AEF gGmbH mit Geschäftsführer Thomas Ernstberger: „In aller Welt werden derzeit Drohnen und Flugtaxis entwickelt, warum nicht hier in Kamenz?“, sagt er. Der Standort sei bestens geeignet, er biete Räume und Flächen und habe bereits die Zulassung für Drohnenflüge mit Geräten bis 25 Kilogramm Gewicht. Dann brauchte es noch einen, der alle Partner zusammenbrachte: den Kamenzer Projektmanager Peter Pfeffer.

Neue Akku-Technik nötig

Beteiligt sind unter anderem die Technischen Universitäten aus Dresden und Brandenburg und das Fraunhofer Institut (IWS) Dresden. Dort forscht Dr. Holger Althues an alternativen, leistungsfähigeren Batterien. Die seien ein Schlüssel zur elektrischen Luftfahrt. Eine Lithium-Schwefel-Technologie ist die Basis. Das in Kombination mit Wasserstoff als Energiequelle für den Ladestrom könne zugleich viel Gewicht sparen, so Prof. Johannes Markmüller von der TU Dresden. Denn das Gewicht ist eine weitere Hürde fürs elektrische Fliegen. 

Die Technik stehe aber noch am Anfang, viele Tests seien nötig, sagen die Forscher. Experimente im öffentlichen Raum mit Drohnen und neuer Akku-Technik seien aber kaum möglich. Deshalb hätten die Kamenzer mit ihrem Angebot bei den Forschern offene Türen eingerannt. Der Flugplatz soll nun als eine Art Real-Labor zur Verfügung stehen. Für Experimente, für Tests, zum Ausprobieren von Prototypen unter praxisnahen Bedingungen.

In Dubai im Einsatz

So oder ähnlich wie den Forschern aus Dresden ging es auch den anderen Beteiligten. Etwa ein Hamburger Unternehmen, das sich mit Flugtaxis beschäftigt. In Dubai seien schon die ersten im Einsatz und eine Niederlassung in Kamenz im Gespräch.

Firmen aus der Landeshauptstadt entwickeln Netzwerk- und Mobilfunktechnik, um Drohnen, Drohnen-Schwärme und autonome Flugtaxis - also ohne Piloten - sicher aus der Ferne durch den öffentlichen Raum zu steuern. Für sie alle eröffnet sich ein Experimentierraum in Kamenz. Die Anwendungsgebiete seien schier unendlich: von der Landwirtschaft bis zum Bergbau. Partner kommen bis aus Frankreich und Tschechien. 

Die Stadt Kamenz und der Landkreis Bautzen gehören als Flugplatzgesellschafter dazu. Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) spricht vom Mut zum Risiko: „Ich erwarte, dass wir einen Forschungs- und Innovationsschub bekommen.“ So werde die Stadt auch die Erschließung von Flächen vorantreiben, wenn sich neue Firmen ansiedeln wollen.

AEF-Geschäftsführer Thomas Ernstberger erwartet in den kommenden Monaten Investitionen von 1,3 Millionen Euro. Die fließen auch in einen neuen Hangar von bis zu 1.500 Quadratmetern Größe. Den errichtet ein Dresdner Bauunternehmer. Der Hangar soll zum Beispiel ein Testflugzeug aufnehmen und Komponenten künftiger Experimente. Geld werde außerdem in das Towergebäude fließen.

Eine neue Ära für den Flugplatz

Dort richtet die neue Gesellschaft gerade ihren Sitz ein. Im Tower soll ein Seminarzentrum entstehen. Mit zehn neuen Jobs rechnet der Geschäftsführer durch das Kompetenzzentrum und langfristig mit um die 100, wenn die Pläne aufgehen und sich neue Firmen ansiedeln. Das Ziel sei es, Forschung, Entwicklung und Produktion von Luftfahrttechnik am Kamenzer Verkehrsflugplatz zu konzentrieren. Er setze auch dabei auf staatliche Förderung, unter anderem die Kohle-Milliarden, die für den viel beschriebenen Strukturwandel in der Lausitz fließen sollen, so Ernstberger.

Für den Kamenzer Flugplatz beginne eine neue Ära, sagt Prof. Hubertus Domschke von der Brandenburgischen Technischen Universität. Er versichert, dass alles wie beschrieben umgesetzt werde. In einem Jahr soll über erste Ergebnisse berichtet werden. Erste Testflüge mit Drohnen habe es immerhin schon gegeben. Thomas Ernstberger: „Es sollen schnell mehr werden.“

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