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Großröhrsdorf hat jetzt eine besondere Kita

Spielen, schlafen und essen zwischen Bäumen - für bis zu 18 Mädchen und Jungen wird das Alltag. Wie der neue Waldkindergarten funktioniert.

Für die neue Waldkita in Großröhrsdorf wurde ein Bauwagen bunt bemalt und an seinen Stellplatz gebracht. Simone Schwarz freut sich, dass die Kita jetzt eröffnen konnte.
Für die neue Waldkita in Großröhrsdorf wurde ein Bauwagen bunt bemalt und an seinen Stellplatz gebracht. Simone Schwarz freut sich, dass die Kita jetzt eröffnen konnte. © René Plaul

Großröhrsdorf. Spielen im Wald, schlafen im Wald, entdecken im Wald - das alles ist jetzt für einige Großröhrsdorfer Kinder möglich. Anfang April eröffnete in der Stadt ein Waldkindergarten. Zauberwald nennt sich die Kita, und genauso sollen es die Mädchen und Jungen erleben. Wie in einem Zauberwald entdecken sie die Natur auf ihre ganz natürliche Art und Weise.

Träger des Waldkindergartens ist der Verein Naturkindertagesstelle Zauberwind; Initiatorin und Verantwortliche Simone Schwarz. Die Pädagogin ist Erzieherin, derzeit Tagesmutti und übernimmt die Leitung des Waldkindergartens. Sie betreut zur Zeit fünf Kinder in ihrem Domizil an der Bischofswerdaer Straße in Bretnig. Das soll auch künftig so bleiben.

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Simone Schwärz trägt sich sich schon seit mindestens drei Jahren mit dem Gedanken, auch einen Waldkindergarten im Ort zu etablieren. Das dies kein leichter Weg werden würde, war ihr von Anfang an klar. Kontakte zu anderen Waldkitas, zum Beispiel in die Schweiz, haben geholfen.

Volksbank-Gebäude dient als Hauptsitz

"Wichtig war, erst einmal ein Objekt für die Basis des Waldkindergartens zu finden", sagt Simone Schwarz. Das bedeutet, man brauchte ein Gebäude für die Kita, wo sich die Kinder morgens treffen, bevor es dann in den Wald geht, oder in dem sich Kinder und Erzieher bei extrem schlechten Wetter aufhalten können. Dieses Gebäude fand man an der Bischofswerdaer Straße/Ecke Rosenthalstraße in der ehemaligen Filiale der Volksbank in Bretnig. Der Verein mietete die Räumlichkeiten von der Volksbank.

Nach dem Finden eines Domizils begann die eigentliche Arbeit. Es mussten der Sanitärbereich und die Elektrik modernisiert werden. Auch der Fußboden entstand neu. "Mein Dank geht in diesem Zusammenhang an die Volksbank und die Städtische Wohnungsgesellschaft als Verwalter. Die haben die Zusammenarbeit mit den Firmen bestens organisiert", sagt Simone Schwarz.

Um die komplette Inneneinrichtung hat sich die Tagesmutti selbst gekümmert, gemeinsam mit ihrem Freund und Eltern. "Die Eltern haben viel gemalt, mein Freund zum Beispiel die Garderobe gezimmert", erzählt sie. "Das steckt schon viel Arbeit und Zeit drin, aber es ist richtig toll geworden." Etwa drei Monate hat der Umbau gedauert. Letztlich entstanden auf einer Fläche von insgesamt 120 Quadratmetern zwei Gruppenräume, Bad und Küche, ein Lager- und ein Personalraum.

Bauwagen bietet Unterschlupf bei Wetterkapriolen

Zum Waldkindergarten gehört auch ein inzwischen bunt bemalter Bauwagen, den Simone Schwarz schon vor längerer Zeit angeschafft hatte. Dieser soll im Wald stehen, damit die Kinder bei Wetterkapriolen mal unterschlüpfen können. Es besteht in dem Wagen auch die Möglichkeit, Wasser für Tee zu kochen oder ein Kind, das noch nicht ganz trocken ist, zu windeln. Ausgebaut hat den Wagen auch der Lebensgefährte von Simone Schwarz, der von Beruf Tischler ist.

Doch was bedeutet eigentlich Waldkindergarten? Der Wald biete den Kindern einen genügend großen Raum zum Ausleben ihrer Fantasie und Kreativität. Sie würden die Natur mit all ihren Sinnen erfahren. "Unsere Kinder entwickeln und basteln ihr Spielzeug selbst aus dem, was sie im Wald finden. Es gibt kein klassisches Spielzeug oder etwas, was vorgefertigt ist", sagt Simone Schwarz. Der Wald selbst ist das Spielzimmer. Er biete alles, was die Kinder brauchen, die Natur ganz viele Möglichkeiten.

Jeden Morgen und Nachmittag wird gewandert

Und so wird sich auch der Tagesablauf im Wald gestalten. Die Kinder werden morgens von ihren Eltern in das Haupthaus, die ehemalige Volksbankfiliale, gebracht. Dann geht es gemeinsam mit den Erziehern auf eine etwa 1,8 Kilometer lange Wanderung zum Standort im Wald - dem sogenannten Rosenthal. Dann wird dort gespielt, entdeckt, gelernt und getobt. Als Schlafmöglichkeiten dienen Hängematten zwischen den Bäumen. "Die Kinder bauen sich außerdem ein Waldsofa, wo sie sich aufhalten können", erzählt Simone Schwarz.

Auch die Mahlzeiten werden im Freien eingenommen, und es gibt ein Trockenklo. Am Nachmittag geht es dann wieder zurück zum Hauptdomizil.
Geplant ist der Aufenthalt im Wald täglich von 8 bis 14.30 Uhr, wobei dies immer vom Wetter abhängt. Der Früh- und Spätdienst ist dann im Haupthaus.

Natürlich wissen die Eltern, dass sie sich auf das Waldkita-Konzept einstellen müssen. Dazu gehört, dass mehrere Wechselsachen vorhanden sind, dass die Kleidung wetterfest ist und dass die Kinder auch im Sommer lange Sachen wegen der Zeckengefahr tragen. "Die Eltern, die ihre Kinder in einen Waldkindergarten bringen, kennen das Konzept und sie entscheiden sich ganz bewusst dafür", weiß Simone Schwarz.

Simone Schwarz bleibt Tagesmutti

Im Waldkindergarten werden Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren betreut. Los geht es aber erstmal mit einem pädagogischen Tag für die Mitarbeiter. Mehrere Erzieher werden für die Kinder da sein und eine waldpädagogische Zusatzausbildung absolvieren. Am Anfang wird mit wenigen Kindern begonnen, auch bei der Eingewöhnung gehen die Eltern die erste Zeit mit in den Wald. Die Zahl der Kinder erhöht sich dann nach und nach auf letztlich 18, betreut in zwei Gruppen. Simone Schwarz wird weiter als Tagesmutti arbeiten und mit ihren kleinen Kindern die Waldkinder ab und zu mal besuchen. Jetzt freut sie sich aber erstmal darauf, dass der Waldkindergarten endlich starten kann.​

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