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Großröhrsdorf: Wo Azubis den neuen Pflegeberuf lernen

Anke Wilhelm hat die Leitung der Schule für Gesundheits- und Sozialberufe übernommen - und für die Zukunft der Einrichtung eine Vision.

Anke Wilhelm leitet jetzt das Institut für Gesundheits- und Sozialberufe in Großröhrsdorf. Für die Zukunft des Hauses hat sie eine Vision.
Anke Wilhelm leitet jetzt das Institut für Gesundheits- und Sozialberufe in Großröhrsdorf. Für die Zukunft des Hauses hat sie eine Vision. © René Plaul

Großröhrsdorf. Sie ist angekommen am Institut für Gesundheit und Soziales in Großröhrsdorf und fühlt sich sichtlich wohl. Anke Wilhelm leitet seit Mai dieses Jahres das Institut, in dem Fachkräfte für die Pflege und im therapeutischen Bereich aus-, fort- und weitergebildet werden.

Anke Wilhelm kennt das Institut bereits seit einer ganzen Weile. „Vor vier Jahren war ich das erste Mal in Großröhrsdorf und habe seitdem auf Honorarbasis hier gearbeitet.“ Schon damals sei ihr das gute Klima an der Schule aufgefallen. „Die Kollegen gehen kollegial miteinander um, man spürt bei allen, dass sie wirklich das Beste für ihre Schüler und so viel Wissen wie möglich vermitteln wollen“, sagt Anke Wilhelm.

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Das ist auch beim Besuch an der Schule zu spüren. Die Kollegen sitzen gemeinsam im Pausenraum unterm Dach, plaudern und sprechen über das, was sie als nächstes erwartet. Die Stimmung ist vertrauensvoll und herzlich.

Diese Atmosphäre weiß Anke Wilhelm zu schätzen. „Mitarbeiter und Schüler müssen sich wohlfühlen, um ihre Arbeit gut zu machen“, sagt sie. Diese Erfahrung hat die neue Schulleiterin auch in ihrer bisherigen beruflichen Entwicklung gemacht.

Anke Wilhelm ist Diplom-Medizinpädagogin, den Abschluss hat sie an der Charité in Berlin gemacht. Außerdem ist sie heilpraktische Psychotherapeutin. Sie ist ausgebildet in Verhaltens- und Gesprächspsychotherapie mit den Tätigkeitsschwerpunkten Suchterkrankungen, Trauma-Fachberatung, Lern- und Leistungsstörungen, Therapie bei Angststörungen und Mobbing. Das alles wendet sie in ihrer eigenen therapeutischen Praxis in Dresden an. Die führt sie trotz der Arbeit als Schulleiterin weiter.

Schulleiterin schätzt die familiäre Atmosphäre

30 Wochenstunden umfasst ihre Tätigkeit am Institut in Großröhrsdorf. Die vorherige Schulleiterin Corina Welke-Kirsten war Mitbegründerin des Instituts und leitete es seit 1992 erfolgreich. Leider verstarb sie im März dieses Jahres. Nach diesem tragischen Verlust übernahm Anke Wilhelm die Stelle als Schulleiterin.

Sie möchte gemeinsam mit der Geschäftsführung weiterhin vielen Schülern attraktive Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten bieten und ihnen so die Tür ins Gesundheitswesen öffnen. Sie habe schnell Ja gesagt, als man sie wegen der Übernahme der Leitung gefragt hatte. „Die Schule ist gut strukturiert, die 16 Kollegen sind alle sehr aktiv und innovativ“, schätzt sie ein. Außerdem gehe es sehr familiär zu. Anke Wilhelm hat auch kein Problem mit dem täglichen Arbeitsweg von Dresden nach Großröhrsdorf. „Das sind doch alles kurze Wege.“

Etwa 150 Schüler werden am Institut in den Berufsfeldern Physio- und Ergotherapie, Altenpflege und dem neuen Beruf Pflegefachmann/-frau aus-, fort- und weitergebildet. Dazu kommt die Möglichkeit, ausbildungsbegleitend einen Studienabschluss an kooperierenden Hochschulen zu erlangen sowie Kurse für Führungskräfte in Pflege- und Therapieberufen zu belegen. Außerdem gibt es spezielle Gesundheitstage, und es werden auch Schulungen außerhalb des eigenen Hauses angeboten. Die Veranstaltungsorte verteilen sich auf den gesamten Landkreis Bautzen, reichen aber auch bis nach Dresden, Pirna oder Herrnhut.

Fachpersonal wird in der Pflege dringend gebracht

Pflegefachpersonal wird dringend gebraucht. Das bekommt das Institut nicht erst seit der Corona-Pandemie zu spüren. „Wir können zwar unsere Ausbildungsplätze besetzen, allerdings ist dies für den Arbeitsmarkt nicht ausreichend“, weiß Geschäftsführerin Nadine Reuschel. Seit diesem Jahr sind die drei Berufsbilder Krankenpfleger, Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger zusammengelegt - das sei eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten. Bewährt habe sich dabei das duale System zwischen Betrieb und Schule.

Bei den Physio- und Ergotherapeuten handelt es sich um eine schulische Ausbildung. Hier steht kein Arbeitgeber zur Seite. Die Schüler bekommen im Gegensatz zu den anderen Berufen kein Geld während der Lehre. „Das ist ein echtes Manko“, finden Anke Wilhelm und Nadine Reuschel. „Erst nach den drei Jahren Ausbildung verdienen die Absolventen ihr erstes eigenes Geld. Da der Bedarf an therapeutischen Fachkräften ebenfalls sehr hoch ist, fällt die Jobsuche aber nicht schwer“, weiß Anke Wilhelm.

Schule will auch ethische Werte vermitteln

Die Institutsleiterin hat eine Vision. „Ich möchte die Einrichtung zu einem Kompetenzzentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Region ausgestalten.“ Dafür wurde in den letzten Jahren bereits eine Menge getan. So wird nach Lernfeldern, unabhängig von der Fächerorientierung, unterrichtet. „Wir arbeiten mit konkreten Handlungssituationen, fragen also, was der zu Pflegende jetzt braucht. Das müssen die Schüler erkennen und entsprechend agieren“, erklärt Anke Wilhelm das Modell.

Außerdem legt sie Wert auf menschliche und soziale Anforderungen. „Es geht nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch um Haltungen“, ist ihre Position. Dabei würden die Lehrkräfte ebenso einen hohen Grad an ethischen Werten vermitteln wollen. „Die Schüler werden mit Leid, Ekel, Scham und Trauer konfrontiert. Das müssen sie im Beruf aushalten, und wir geben ihnen Orientierungshilfen, mit diesen Gefühlen umzugehen“, erklärt die Schulleiterin.

Privat zieht es die 54-Jährige oft in ihre Ferienwohnung in der Nähe von Potsdam. Dort kann sie mit ihrem Mann entspannen, wandern, spazieren, auch viel lesen. „Außerdem sind Handarbeiten eines meiner Steckenpferde“, sagt die ehemalige Handballerin. Die drei Kinder ihres Mannes sind erwachsen, deshalb bleibt ihr die Zeit trotz der herausfordernden Arbeit als Schulleiterin und praktizierende heilpraktische Psychotherapeutin.

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