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Hauswalder Verein vermittelt Tiere aus ganz Europa

Seit 25 Jahren gibt es den Verein "Hoffnung für Tiere" in Hauswalde. Aus einer privaten Initiative hat sich ein großes Hilfsprojekt entwickelt - und ein besonderes Tierheim.

Von Heike Garten
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Auch Hühner gibt es im Tierheim in Hauswalde. Tierpflegerin Josephin Braun bietet ihnen Weintrauben an.
Auch Hühner gibt es im Tierheim in Hauswalde. Tierpflegerin Josephin Braun bietet ihnen Weintrauben an. © Anne Hasselbach

Großröhrsdorf. Ein herrlicher Herbsttag. Es ist frisch, aber die Sonne versucht ihr Bestes. Einen Platz in der Sonne suchen sich auch die Hunde im Tierheim des Vereines "Hoffnung für Tiere" im Großröhrsdorfer Ortsteil Hauswalde. Sie liegen entspannt auf den extra ausgelegten Matten vor einem Gebäude in der großzügig gestalteten Anlage am Rande des Ortes. Andere Hunde laufen frei herum, schauen, was sich im Gelände so tut.

"Wir praktizieren Rudelhaltung. Das heißt, die Hunde sollen sich verstehen, miteinander leben und auskommen", erklärt Vereinsvorsitzende Heike Falkenberg-Dziumla. Das Tierheim in Hauswalde, das es jetzt schon 25 Jahre gibt, ist ihr ganz persönliches Projekt. Im Jahre 1996 hat sie das rund 54.000 Quadratmeter große Grundstück, von dem rund 6.500 Quadratmeter eingezäunt sind, gekauft und ein Tierheim etabliert. Im gleichen Jahr wurde auch der Verein gegründet.

Es standen nur das Haupthaus und die löchrige Scheune. "Alles andere, was danach entstanden ist, haben wir im Laufe der Zeit geschaffen", erklärt Heike Falkenberg-Dziumla. Sie meint damit die Unterkünfte für die Tiere, die Spielmöglichkeiten, den Empfangsbereich für Besucher, die biologische Kläranlage, den Quarantänebereich, die Umzäunung und und und. Alles aufzuzählen, wäre an dieser Stelle einfach unmöglich. "Es ist viel passiert, aber mir und allen anderen Beteiligten ging und geht es vor allem darum, die Bedingungen für Tiere und Mitarbeiter immer weiter zu verbessern."

Einfach mal ein wenig Sonne genießen. Die Hunde können sich im Tierheim in Hauswalde frei bewegen und sich ihre Lieblingsplätze aussuchen.
Einfach mal ein wenig Sonne genießen. Die Hunde können sich im Tierheim in Hauswalde frei bewegen und sich ihre Lieblingsplätze aussuchen. © Anne Hasselbach

Tausende Tiere wurden in den 25 Jahren über das Tierheim vermittelt. Eine genaue Zahl kann die Vereinschefin nicht nennen. Derzeit leben 21 Hunde, 45 Katzen, drei Meerschweinchen, zwei Wellensittiche, neun Hühner, ein Hahn und sechs Schafe auf dem Gelände. Damit ist die Kapazität fast ausgereizt. Aber in so einem Heim ist ja ein ständiger Wechsel. Das ist das Anliegen. "Wir übernehmen die Tiere aus Partnerheimen und versuchen dann, für sie ein richtiges Zuhause zu finden", sagt Heike Falkenberg-Dziumla.

90 Prozent der Hunde kommen aus dem Ausland - viele aus Rumänien, andere aus Spanien oder Griechenland. Seit 2004 arbeitet der Hauswalder Verein mit dem Verein Tierhilfe Hoffnung aus Dettenhausen in Baden-Württemberg zusammen. Bei den Hunden dieser Organisation handelt es sich um Straßenhunde zum Beispiel in den genannten Ländern, die von den Mitarbeitern aufgenommen werden, um sie vor Hundefängern zu schützen oder sie vor einem qualvollen Tod auf der Straße zu bewahren. "Tierhilfe Hoffnung bietet die Hunde dann mit einer individuellen Beschreibung an, und wir suchen die passenden Tiere aus", erklärt die Vereinschefin. In Hauswalde werden sie dann aufgepäppelt und an ein Leben mit Menschen gewöhnt.

Genaue Prüfung bei jeder Tiervermittlung

Natürlich werden auch Tiere übernommen von Menschen, die sich selbst nicht mehr kümmern können - zum Beispiel wegen einer Krankheit, eines Umzuges oder aus Altersgründen. Wichtig sei es aber, dass die Hunde in die Umgebung des Heimes in Hauswalde passen, dass sie sich mit anderen Tieren verstehen und gutes Sozialverhalten entwickeln, so die Vereinschefin. Das werde genau geprüft.

Ähnlich verhält es sich, wenn die Tiere vermittelt werden. "Interessenten müssen einen Fragebogen ausfüllen, erklären, wie sie den Hund oder die Katze betreuen wollen. Dann gibt es Besuche im Heim. Letztlich bringen wir das Tier zum neuen Eigentümer, schauen uns die Bedingungen vor Ort an", so Heike Falkenberg-Dziumla. Nicht in jedem Fall kommt es dann zu einer Vermittlung.

Betreut werden die Tiere im Tierheim in Hauswalde von fest angestellten Mitarbeitern. "Angefangen habe ich alleine mit meinem Exmann, später kamen eine ABM-Kraft und jemand im Freiwilligen ökologischen Jahr hinzu", blickt die Vereinschefin zurück. Je mehr Tiere zur Betreuung aufgenommen wurden, umso größer wurde auch der Bedarf an fachkundigem Personal - also an ausgebildeten Tierpfleger. Derzeit sind im Tierheim fünf Tierpfleger, ein Hausmeister, die Heimleiterin und ein Lehrling beschäftigt.

Seit 25 Jahren gibt es das Tierheim in Hauswalde.
Seit 25 Jahren gibt es das Tierheim in Hauswalde. © Anne Hasselbach

Eine Tierpflegerin ist die 27-jährige Josephin Braun. Sie hat den Beruf Tierpfleger in der Fachrichtung Tierheim/Pension erlernt. Drei Jahre dauerte die Ausbildung. Ihre Arbeit in Hauswalde macht ihr Spaß, auch wenn sie jeden Tag aus Dresden anreist. "Ich weiß genau, welcher Hund oder welche Katze wie zu nehmen ist. Sie haben Vertrauen zu mir, und ich sorge dafür, dass es ihnen gut geht", sagt Josi Braun. Und das sieht man bei dem Besuch. Die Katzen schleichen um die Beine der Tierpflegerin, springen auf ihren Schoß. Auch die Hühner rennen nicht weg, wenn die junge Frau kommt.

Die Betreibung des Tierheimes, die Bezahlung der Mitarbeiter wie auch alle Investitionen werden ausschließlich über Spenden oder Patenschaften beziehungsweise Mitgliedsbeiträge finanziert. "Manche Spender übernehmen einen Teil der Tierarztkosten, die sich monatlich auf etwa 3.000 Euro belaufen", weiß Heike Falkenberg-Dziumla. Andere übernehmen eine Patenschaft für ein Tier, andere beteiligen sich am Neubau eines Schlafhauses. Eine der letzten großen Investitionen war ein Hundebad. Derzeit wirken im Verein 80 Mitglieder mit.

Die Corona-Pandemie hatte kaum Auswirkungen auf den Betrieb im Tierheim. Zwar seien mehr Interessenten da gewesen, aber letztlich gab es nicht mehr Vermittlungen als sonst. "Einfach mal einen Hund holen, so einfach ist das nicht. Wir prüfen das ganz genau", sagt die Vereinschefin. Sie möchte sich bei allen bedanken, die das Heim in den 25 Jahren unterstützt haben. Und einen Wunsch hat sie: Dass sich noch mehr Menschen für ein Tier aus dem Heim interessieren, und nicht bei dubiosen Händlern oder im Internet kaufen.

Kontakt: Tierheim Hauswalde, Röderhäuser 4, 01900 Großröhrsdorf, Telefon 035955 72604
Spendenkonto: DE18 8509 0000 4897 9310 07